Preisvergleiche im Vergleich

10. November 2010 08:36; Akt: 10.11.2010 09:46 Print

BigMac, Billy und iPod erklären die Wirtschaft

von Gérard Moinat - Mit Preisvergleichen von Produkten, die es überall auf der Welt gibt, sinnieren Ökonomen über die Kaufkraftparität. Für unsereinen machen sie komplexe Zusammenhänge verständlich und erfahrbar.

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Erklärt seit 1986 die Finanzwelt: Der BigMac-Index. Erfunden hat ihn das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist», das mit dem weltweit standardisierten Hamburger die Konsumentenpreise vergleicht. Besonders Schweizer beissen sich am BigMac-Index die Zähne aus: Nirgends ausser in Norwegen ist der Burger so teuer wie hierzulande. Doch der alternative BigMac-Index der UBS relativiert: In Zürich arbeitet man nur 15 Minuten für einen BigMac - Platz 9 weltweit. Da weltweit 41 Millionen Mal verkauft, bietet das Ikea-Bücherregal Billy eine andere Möglichkeit, Preise zu vergleichen. Der Billy-Index zeigt: Die Schweiz ist keine Hochpreisinsel, denn der eidgenössische Billy-Preis liegt sogar unter dem weltweiten Durchschnitt. Auch beim iPod-Index liegt die Schweiz preislich im Mittelfeld. Am teuersten ist der iPod in Brasilien, am günstigsten in Kanada. Einen 9-Stunden-Arbeitstag lang muss man in Zürich aufwenden, um sich einen iPod leisten zu können. Im indischen Mumbai hingegen mehr als einen Monat. Die Schweiz hat einen der teuersten Tall Latte von Starbucks. Das zeigt der Tall-Latte-Index der Zeitschrift «The Economist». Auch mit einer Rolex lassen sich Preisniveaus ermitteln, weil die Uhr weltweit vergleichbar ist. Die Schweiz kommt hier günstig weg, so das Urteil der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Kein Preisvergleich, aber auch ein Vergleich. Der «Coca-Cola-Index», den die Zeitschrift «Economist» veröffentlicht, besagt: Je mehr Coca-Cola in einem Land getrunken wird, desto freier, gesünder, wohlhabender und gebildeter sind seine Bewohner.

Fehler gesehen?

Am Anfang war der BigMac-Index: 1986 entwickelte das britische Wirtschaftsmagazin «The Economist» diesen Vergleich, um seinen Lesern die Welt des Geldes näherzubringen. Anhand des Preises für einen Standard-Burger von McDonald’s stellten die Ökonomen fest, ob die Währung eines Landes über- oder unterbewertet ist.

Da der BigMac weltweit identisch ist, müsste er nach dem Gesetz der Kaufkraftparität auch überall gleich viel kosten. Doch gerade dieser Tage, wo sich die zwei grossen Weltwährungen — der chinesische Renminbi und der Dollar — einen Währungskrieg liefern, ist das ganz und gar nicht der Fall.

Die Schweiz zum Beispiel ist Opfer dieses Kriegs und der Franken deshalb klar überbewertet. Nirgends ausser in Norwegen, wo der Big Mac 7.20 Dollar kostet, ist der Burger mit einem Preis von umgerechnet 6.78 Dollar im Moment so teuer wie hierzulande. China liegt auf der anderen Seite der Preistabelle. Der Doppelstöcker kostet dort nur 2.18 Dollar.

Good News für die Schweiz

Doch der BigMac-Index dient nicht nur als Barometer für Wechselkursentwicklungen. Die Ökonomen der UBS haben den Index weiterentwickelt, um zu berechnen, wie viele Minuten jemand arbeiten muss, um sich einen Big Mac leisten zu können.

Während die Schweizer im «einfachen» traditionellen BigMac-Index schlecht abschneiden, relativiert der alternative Index der UBS die Lage: In Zürich arbeitet man im Schnitt nur 15 Minuten für einen Burger (Die Zeit wird aus dem Preis des Burgers und dem gweichteten Netto-Stundenlohn in 14 Berufen errechnet). Damit liegt die Schweiz auf Platz 9 weltweit. Am wenigsten müssen die Japaner und die Kanadier für einen Big Mac arbeiten: In nur 12 Minuten ist der Burger dort verdient. In Nairobi dauert dies jedoch über zweieinhalb Stunden.

Auch Billy von Ikea muss herhalten

Der BigMac-Index ist also ein geeignetes Mittel, um Währungen, Löhne und Preise zu vergleichen. Doch die Ökonomen gaben sich damit nicht zufrieden und suchten nach weiteren Vergleichsmöglichkeiten.

So kamen die Preisforscher auf das Bücherregal-Modell Billy des schwedischen Möbelhauses Ikea. Das 1978 entwickelte Möbelstück eignet sich ganz hervorragend. Denn bis 2009 wurde es weltweit 41 Millionen Mal verkauft und ist auf der ganzen Welt mit den gleichen Massen zu haben: 80 auf 28 auf 202 Zentimeter.

Ähnlich wie der UBS-BigMac-Index zeigt auch der Billy-Index: Die Schweiz ist nicht immer die viel gescholtene Hochpreisinsel. Denn der Preis für ein Billy-Regal liegt hierzulande mit 56.24 Dollar unter dem weltweiten Durchschnitt von 60 Dollar. Am teuersten ist das Ding mit 103.48 Dollar in Israel, am günstigsten in den Vereinigten Emiraten mit einem Preis von 47.64 Dollar.

Von iPod- und iPhone-Vergleichen

Mit der weltweiten Verbreitung von Elektrogeräten der Marke Apple kam eine australische Bank auf die Idee, den iPod für Kaufkraftvergleiche heranzuziehen Der sogenannte iPod-Index zeigt die Kosten für einen iPod Nano in 26 Ländern. Und siehe da: Wieder ein anderes Bild. Bei der Erstauflage des Index lag die Schweiz 2007 mit Kosten von 175.60 Dollar im Mittelfeld. Am teuersten war der iPod damals in Brasilien, am günstigsten in Kanada.

Eine Neuerhebung des iPod-Index vom letzten Jahr, durchgeführt von der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», zeigt nun aber: Der iPod ist inzwischen in Zürich, verglichen mit Weltstädten wie Tokyo, New York oder London, deutlich teurer.

Auch hier kommt wieder die UBS ins Spiel, die den iPod mit den Einkommen ins Verhältnis setzt: So kann sich ein Zürcher Durchschnittsverdiener den MP3-Player bereits nach einem Tag Arbeit leisten. Um sich im indischen Mumbai mit dem High-Tech-Teil schmücken zu können, muss man gemäss den UBS-Ökonomen hingegen mehr als einen Monat «im Stollen» verbringen. Auch das iPhone würde die Einkommensunterschiede deutlich nachzeichnen können: In Peking muss man über zwei Monate arbeiten, um sich das Apple-Handy kaufen zu können.

Teurer Latte, günstige Rolex

Die wissbegierigen Ökonomen machten auch vor Kaffee nicht halt. 2004 errechneten die Köpfe von «The Economist» den Tall-Latte-Index von Starbucks. Und der zeigt: Die Schweiz hat einen der teuersten Tall Latte. Der Preis eines Zürcher Kaffees lag damals 62 Prozent über dem Durchschnitt.

Wenigstens ein Trostpflaster bleibt uns: Eine Schweizer Rolex, die auch weltweit erhältlich ist, war hierzulande laut der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» 2009 am günstigsten. In Zürich bezahlte man für das Modell Yacht Master II in Weissgold «nur» 26 000 Franken. Das ist um über 6000 Franken weniger als in anderen Weltstädten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Schlau Meier am 10.11.2010 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Dr.

    Ha, dann verzichte ich heute glatt auf meinen Caffe Latte Tall und kaufe dafür eine Yach-Master!

  • Tina Banter am 10.11.2010 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Ja, ja die Oekonomen der UBS

    .....haben Zeit für solche Spielereien. Was soll das bringen? Na eben.

  • max hart am 10.11.2010 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    ist eh abzocke

    ess ich in konstanz n menü für 6euro kostets hier 15franken... keine ahnung wiso, ist doch eh ein riesen beschiss!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Wisser am 10.11.2010 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung Werbung Werbung

    Wenn sich Produkte nicht mehr verkaufen macht man halt Werbung. Da darf auch mal das Wirtschaftsjargon herhalten. Ich frage mich, nach welchem Index die Sache benannt wird, wenn China die Spitze übernommen hat? Der Reisschüssel-Index?

  • H.P. Klotzer am 10.11.2010 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vom BigMac zur Rolex

    Was lernen wir daraus: Kauft euch alle eine Rolex statt einen BigMac, die ist nämlich viel günstiger als in NYC - im Verhältnis...

  • Ben Turbo am 10.11.2010 13:02 Report Diesen Beitrag melden

    3 mal zu Fett

    Konsum auf Schulden hat sich immer noch gerächt - Amerikaner sollen einmal lernen, sich nur das zu leisten, was sie auch kaufen können ohne einen aufgeblasenen Kredit zu nehmen. Amerikaner haben es bald sehr schwer, wenn alle Rohstoffe doppelt oder dreifach kosten und der USD nichts mehr wert hat.

  • Schlau Meier am 10.11.2010 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Dr.

    Ha, dann verzichte ich heute glatt auf meinen Caffe Latte Tall und kaufe dafür eine Yach-Master!

  • Wellington am 10.11.2010 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich?

    Der Vergleich mit Produkten, die nicht vor Ort produziert werden, hinkt. Fall iPod in Brasilien. Die Importsteuern sind so hoch, wie fast nirgendwo sonst. Produkte die hingegen im Land produziert werden sind durchaus vergleichbar. Und koennen sogar bessere Margen abliefern, wie in anderen Laendern (Big Mac).