«Frau Müller»

11. Januar 2016 21:00; Akt: 12.01.2016 10:17 Print

Billag-Mitarbeiter dürfen anonym bleiben

von Dorothea Vollenweider - Die Callcenter-Mitarbeiter der Billag müssen ihren vollen Namen nicht nennen. Der Konsumentenschutz kritisiert das Vorgehen.

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20-Minuten-Leserin M. S.* bekam vor kurzem fälschlicherweise eine Billag-Rechnung doppelt. Das Missverständnis liess sich schnell klären: S. kontaktierte das Unternehmen, die Callcenter-Mitarbeiterin erkannte das Problem und erklärte ihr, sie müsse die Rechnung nicht bezahlen und werde auch keine Mahnung erhalten. Zur Absicherung erkundigte sich S. nach dem Namen der Callcenter-Mitarbeiterin. Sie sei Frau Müller, antwortete diese. S. hakte nach. «Ich dachte, es gibt bestimmt mehrere Frau Müller im Unternehmen, also fragte ich nach ihrem Vornamen», sagt S. zu 20 Minuten. Doch die Callcenter-Mitarbeiterin wich aus, wollte ihren Namen nicht preisgeben. Das sei so üblich, erklärte sie.

«Ob unsere Mitarbeiter ihren Vornamen nennen wollen oder nicht, ist ihnen überlassen», erkärt Billag-Sprecher Jonny Kopp. Die Billag bearbeite rund 5000 Anfragen pro Tag, da sei es naturgemäss nicht möglich, dass man immer von derselben Ansprechperson bedient werde. «Für allfällige Rückfragen ist es nicht von Bedeutung, ob der Kunde den vollen Namen der Person nennen kann oder nicht», fügt er an.

Leserin S. sieht das anders: «Ich hatte das Gefühl, nichts in der Hand zu haben, sollte ich trotz allem eine Mahnung erhalten.» Auch eine Bearbeitungsnummer des Falls konnte die Billag-Mitarbeiterin nicht liefern.

Kritik vom Konsumentenschutz

Der ehemalige Callcenter-Mitarbeiter A. M.*, der früher unter anderem Telefonate im Namen von Bluewin entgegennahm, kann nachvollziehen, dass die Billag-Mitarbeiterin ihren Namen nicht nennen wollte: «Die Telefongespräche sind nicht immer angenehm. Es gibt Kunden, die auf Konfrontation aus sind oder Drohungen aussprechen», sagt er zu 20 Minuten. Deshalb sei es unter seinen Arbeitskollegen damals üblich gewesen, nicht den richtigen Namen zu nennen.

Die Stiftung für Konsumentenschutz hat derweil wenig Verständnis für das Vorgehen der Billag-Angestellten: «Dass Callcenter-Mitarbeitende ihre richtigen Namen nicht nennen, kommt durchaus vor – sollte aber bei einer Billag, die im Auftrag des Bundes arbeitet, nicht passieren», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Persönlicher Kontakt sei «sehr wichtig»

Anders als die Billag handhaben die Telekommunikationsfirmen Salt, Swisscom und Cablecom die Namensnennung. Sie betonen auf Anfrage, dass Callcenter-Mitarbeiter immer ihren ganzen Namen nennen. Ein persönlicher Umgang sei sehr wichtig, begründen alle drei Unternehmen dieses Vorgehen.

*Namen der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jb2 am 11.01.2016 21:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jb

    Ein grund mehr, für die abschaffung der billag zu stimmen.

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  • Steff am 11.01.2016 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Namen

    Darf ich dann bei der Billag auch einen falschen Namen angeben?

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  • Ralf am 11.01.2016 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    No Name

    Und das geht wie genau? Guten Tag, hier ist ... biiiipp... Sepp von der Billag am Telefon...!! Echt diese Firma ist sowas von überflüssig auf der ganzen Linie.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stöffi am 12.01.2016 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Falesche Namen wie im Milieu

    Billag treibt also mit Mitarbeitern die falsche Namen angeben Zwangsgebühren ein. Mit dieser, für den einzelnen horrenden Zwangsabgabe, wird seit neuestem auch noch der Blick bzw. Ringier und damit indirekt der Axel Springer Verlag suventioniert. Alle bedienen sich an den Zwangsgeldern - eine riesen Frechheit.

  • Salina Gerber am 12.01.2016 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gehört dazu

    Ich arbeite in der Psychiatrie und auch da wird man mal bedroht - trotzdem steht auf meinem Namensschild mein ganzer Name. Leider versteh ich immer noch nicht wen oder was wir eigentlich bezahlen?! Gestern mal wieder SRF geschaut und es kommt sogar Werbung in 45 Min Serien...

    • MrdaCrank am 12.01.2016 11:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Salina Gerber

      Ja sowas von unnötig das wir das noch bezahlen müssen.. Wie z. B. Sendungen wie g&g unnötiger stuss

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  • Sepp am 12.01.2016 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich!!!!!!

    In der Privatwirtschaft kann man die Bude sofort zutun, wenn man das Gefühl hat, dass man keine Verantwortung tragen muss! Ich verstehe, wenn man keine Bilder auf dem Internet mit dem Namen versehen haben will, aber wenn ich mit jemandem telefoniere will ich wissen mit wem! Diese Person gibt mir eine verbindliche Auskunft (Mahngebühren sind nicht gratis, falls sie einen Fehler macht) und wenn man dann reklamiert, ist die erste Frage von der Billag: Mit wem haben sie das besprochen? Viel glück, wenn man keinen Namen hat! Muss man etwa alles mit einem eingeschriebenen Brief machen?

  • Markus am 12.01.2016 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So einfach ist das

    Ich nehme keine anonyme Anrufe entgegen. Und ich spreche auch mit keinem der sich mit Nachname nicht vorstellt

  • R. Feller am 12.01.2016 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billag no

    Man kann das Gespräch auch aufnehmen und anhand einer Stimmanalyse ist die Person auch indentifizierbar. Da nützt das verweigern des Namens nichts. Typisch für einen halbstaatlichen Betrieb ist dieses Verweigern. Kann man nicht zu einer Aussage stehen, oder lügt man einfach.

    • Sepp am 12.01.2016 10:15 Report Diesen Beitrag melden

      soviel ich weiss ist das illegal

      Sie müssen der Person vorab informieren, dass sie das Gespräch aufnehmen.....

    • Tomas am 12.01.2016 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Sepp

      Aber nicht wenn der Staat das macht!

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