«Idee hat Fuss gefasst»

16. Oktober 2012 07:25; Akt: 16.10.2012 13:59 Print

Billigauto erobert die Schweizer Strassen

von Hans Peter Arnold - Auch in der reichen Schweiz gibt es ein Potenzial für Autos unter 10 000 Franken. Die Billigmarke Dacia gewinnt Marktanteile und überholt Mini, Alfa Romeo und Smart.

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Offroader zum Schnäppchenpreis: Die Sandero-Modelle von Renault-Tochter Dacia sind in der Schweiz für weniger als 10 000 Franken zu haben. (Bild: Keystone)

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Noch nie gab es in der Schweiz so viele Neuwagen zum Schnäppchenpreis. Dafür verantwortlich ist in erster Linie die rumänische Automarke Dacia, die zu 100 Prozent Renault gehört. Soeben hat Dacia den Familien-Van Lodgy lanciert; Listenpreis: 11 900 Franken. Das Echo ist erheblich, wie unabhängige Resonanzanalysen zeigen. Dacia hat derzeit drei Modelle im Programm, welche weniger als 10 000 Franken kosten. Das Modell Sandero gibt es bereits ab 8900 Franken. Insgesamt hat der Newcomer in der Schweiz in diesem Jahr 4095 Autos verkauft. Mit einem Marktanteil von 1,7 Prozent überholen die Rumänen etablierte Marken wie Mitsubishi, Mini, Alfa Romeo oder Smart. Neben Dacia bietet auch Chevrolet mit dem Modell Spark ein Auto für nur 9900 Franken an.

Dem Beispiel wollen bald andere Konzerne folgen. So plant offenbar der deutsche Autobauer Volkswagen ein Billigauto. Das günstigste Modell soll schon ab rund 7000 Franken zu haben sein. Laut Medienberichten kommt der Budget-VW erst aber in drei Jahren auf den Markt.

«Es gibt in der Schweiz einen Markt»

«Es gibt in der Schweiz einen Markt für Billigautos», meint Max Nötzli, Präsident der Importvereinigung Auto-Schweiz. Aufgrund der nach wie vor hohen Kaufkraft sei das Potenzial jedoch begrenzt. Nötzli: «Mehr als zehn Prozent Marktanteil von Autos unter 13 000 Franken scheint mir – bei gleichbleibendem wirtschaftlichem Umfeld – für die Schweiz unwahrscheinlich.»

In weniger als zehn Jahren sind die Dacia-Verkäufe global von null auf über 840 000 Fahrzeugverkäufe pro Jahr gestiegen. Für Ferdinand Dudenhöffer, Professor am Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen ist klar: «Die Idee des preiswerten Autos hat definitiv Fuss gefasst. Dacia schreibt die grösste Erfolgsgeschichte in der Automobilbranche.» Erfolgsgeheimnis sei auch beim Billigauto eine grosse Zahl an Modellen. Dacia kreiere eine Automarke ohne Nimbus, die vielen Menschen sympathisch sei. Der Dudenhöffer sieht ein beträchtliches Marktpotenzial auch in reichen Industrieländern wie Deutschland oder der Schweiz.

Rund ein Drittel günstiger sollte ein Billigauto sein

«Wer an der Weltmarktspitze mitreden will, braucht das Billigauto», sagt der Autoprofessor. Global fahre auch Hyundai eine erfolgreiche Strategie. Der Volkswagen-Gruppe sei dies bisher aber noch nicht gelungen. Und die geplante Allianz mit Suzuki sei schon nach ein paar Tagen gefloppt. Es frage sich nun, ob es VW gelinge, ein 5000-Euro-Auto für Indien zu machen, das konkurrenzfähig mit dem Discount-Hyundai sei, das deutlich unter 5000 Euro angeboten werde.

Rund ein Drittel günstiger sollte ein Billigauto definitionsgemäss zu einem vergleichbaren Durchschnittsmodell sein. Billig oder günstig heisst dabei nicht minderwertig. Dudenhöffer: «Die Kunden wollen ein Auto, das einwandfrei funktioniert.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Vera Vote am 16.10.2012 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Klug, Klüger, Dacia

    ein Auto fährt von A nach B. Ob es 10'000 oder 100'000 kostet. Wer mehr dafür zahlt, sollte sich überlegen warum. Ist man schlicht dumm? Will man jemandem etwas beweisen? Hat man Komplexe? Gerade Deutsche Premium Marken sind komplett überteuert weil sie einerseits nur durch PS klotzen, weil sie nicht besser sind und weil jedes Detail viel zu teuer verrechnet wird. Wer ein kostengünstiges Auto kauft unterstütz die Schweizer Wirtschaft! Er bleibt nämlich mehr Geld, um es in der Schweiz auszugeben. Ich bezahle grundsätzlich nie mehr als 20'000.- für ein Stück Blech auf 4 Rädern - mit Erfolg.

  • Peschä am 16.10.2012 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    "Reiche Schweiz"

    Längst nicht alle Leute in der Schweiz sind reich. Solange aber selbst die "nicht reichen" Schweizer daran glauben, dass sie reich seien, wird der Mittelstand weiter den Bach runter gehen.

  • Nico S. am 16.10.2012 09:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hammer Preis für Off-Roader

    Dacia Duster 4x4 rocks!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Schindler am 17.10.2012 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    System failed

    Die Wahrheit ist doch viel eher, dass dem Mittelstand schlichtweg das Geld fehlt für teure Autos. Am Ende werden sich eben doch die Kommunisten-Kutschen durchsetzen, weil sich die Leute auf die Dauer keine 80'000 Fränkigen Autos leisten können. Die Umschichtung von unten nach oben wird diesen Effekt immer mehr zur Geltung bringen, ganz logisch.

  • G.L. am 17.10.2012 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    "Vielen Dank"

    Super. Jetzt können sich noch mehr Menschen ein Auto leisten und die Umwelt wird noch schneller verpestet... Vielen Danke, "liebe" Autohersteller und -fahrer, dass unsere Umwelt zerstört.

    • Phill am 17.10.2012 12:52 Report Diesen Beitrag melden

      Unsinn

      Bisher hatten sich Leute mit wenig Geld einfach eine Occasion für 10000.- gekauft.

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  • Roger Müller am 17.10.2012 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Die Meinungen sind ja wieder Mal super Bünzli!! Sicherheit Sicherheit und Sicherheit... kann ich nur lachen... schade! Leider haben in der Schweiz die meisten Leute vergessen was es heisst zu leben! besser zieht auch einen Helm an wenn Ihr spazieren geht :-)

  • Tanja am 17.10.2012 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    zu billig

    ich bin den Dacia probegefahren.. aber nachdem ich ihn genauer angeschaut habe, wollte ich eigentlich nicht ein Auto kaufen wo ich jeweils den Sekundenleim dabei haben muss um die Teile wieder anzukleben.... leider wirklich billig gemacht. Fahre jetzt einen Fiat Panda 4x4 und bin absolut zufrieden. :-)

    • Ralph am 17.10.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

      noch alles dran

      Ich fahre seit 3 1/2 Jahren einen Dacia Logan MCV und musste noch nichts ankleben. Ich weiß nicht woher dieses Vorurteil kommt, dass ein Dacia sofort auseinanderfallen soll.

    einklappen einklappen
  • Reto Gall am 16.10.2012 22:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wenns scherbelt zahlt die Allgemeinheit

    Auf Grund der Crash Test's welche der möchte-gern-suv dieser Marke getestet wurde waren die Resultate haarsträubend. Ich frage mich echt, wie diese Fahrzeuge zugelassen werden können. schlussendlich bezahlt die allgemeinheit die eh schon viel zu teuren Gesundheitskosten bei Personenschäden. Sicherheit muss doch vorgehen. Dacia setzt da in den 70-er Jahren an.