Zu grosses Angebot

02. April 2019 11:59; Akt: 02.04.2019 12:00 Print

Biomilch-Bauern müssen auf die Warteliste

von Dorothea Vollenweider - Weil die Nachfrage kleiner ist als das Angebot, müssen Milchbauern ihre Biomilch bald als konventionelle Milch verkaufen.

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Schweizer Biobauern müssen ihre Biomilch als konventionelle Milch verkaufen, weil die Nachfrage nach Biomilch zu klein ist. Was absurd tönt, wird für einige Landwirte bald bittere Realität sein.

Der Dachverband der Schweizer Bioproduzenten, Bio Suisse, erwatet in den kommenden Jahren erneut einen deutlichen Anstieg an Biomilch. Das Problem: «Die verwertete Biomilchmenge ist nie ganz so hoch wie die produzierte Biomilchmenge», sagt Lukas Inderfurth, Sprecher von Bio Suisse, zu 20 Minuten. Trotzdem: Immer mehr Landwirte rüsten um. Nicht zuletzt, weil sie für einen Liter Biomilch laut der Plattform Bioaktuell.ch 84 Rappen erhalten – das sind 24 Rappen mehr als für konventionelle Milch (Zahlen von November 2018) .

Nachfrage hinkt hinterher

Zwar gewinnt Biomilch zunehmend an Wichtigkeit und macht inzwischen 7,1 Prozent der gesamten Schweizer Milchproduktion aus – doch die Nachfrage seitens Verarbeiter und Konsumenten wächst nicht ganz so schnell. Nun wollen Biomilch-Organisationen einen Preiszerfall durch ein Überangebot verhindern. Sie haben laut dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) deshalb entschieden, neue Biomilchproduzenten per 2020 auf eine Warteliste zu setzen.

Das funktioniert so: Bio Suisse verlangt von seinen Mitgliedern eine Pflichtmitgliedschaft in einer der sechs anerkannten Produzentenorganisationen. Dazu gehören Suisse Biomilch, der Verein Bio-Lieferanten Emmi-Biedermann, die Berner Biomilch-Gesellschaft, PMO Züger/Forster, Progana und die IG Bio ZMP. Diese Pflichtmitgliedschaft soll zu mehr Transparenz bei den Milchmengen führen und genauere Prognosen erlauben.

Ab 2020 gilt Aufnahmestopp

Die Biomilch-Organisationen können ihre Lieferanten auf Wartelisten setzen, wann immer sie zu viel Milch haben. Diese Warteliste gibt es gemäss Bio Suisse schon lange. Sie dient als Instrument, das freiwillig eingesetzt werden kann – es sei denn, es wird eine obligatorische Warteliste verordnet. Zuletzt geschah das 2013, weil das Angebot an Biomilch die Nachfrage überstieg.

Anfang Jahr wurde nun zum zweiten Mal entschieden, ab Anfang 2020 eine obligatorische Warteliste einzuführen. Konkret heisst das, dass vom 1. Januar 2020 bis 31. Mai 2020 schweizweit keine neuen Biomilchproduzenten aufgenommen werden können. Erreicht ein Produzent den Vollknospe-Status also per 1. Januar 2020, muss er seine Milch trotzdem weiterhin als konventionelle Milch abliefern.

«Dass der Produzent seine Milch nach der getätigten Umstellungszeit nicht unmittelbar als Biomilch absetzen kann, ist für jeden Landwirt enttäuschend», sagt Cemil Klein, Leiter des Kompetenzzentrums Suisse Biomilch bei der Mooh Genossenschaft. Doch der Bauer wisse genau, dass seine Produktion dem Markt ausgesetzt sei und ein Angebotsüberschuss einen Preisdruck verursache. «Wenn solche befristete Massnahmen helfen, das Preisniveau im Biomilchmarkt zu halten, dann kommt dies dem Bauer wieder zugute», erklärt Klein das Vorgehen. Die Massnahme kann bis höchstens Ende 2020 verlängert werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ketzer am 02.04.2019 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfache Lösung

    Vielleicht sollten die Milchverarbeiter aufhören Bio-Milch zu importieren?

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  • Jacques am 02.04.2019 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    falsche Versprechungen

    Den Bauern hat man vor ein paar Jahren gesagt, sie sollten inovativ sein und auf BIO Produkte wechseln. Jetzt bieten Sie BIO Produkte an und keiner will sie. Aber alle wollen das Klima retten. Wie das zusammenpasst.

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  • Bio Logisch am 02.04.2019 13:18 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig genug..

    ..dass es überhaupt Bio und Nicht-Bio gibt..

Die neusten Leser-Kommentare

  • konvi am 07.04.2019 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bioland

    wie war das noch mit der schweiz sie soll ein bioland werden wohl nur die produzenten und nicht die konsumenten und die preise werden den konventionellen produkten angeglichen

  • Marie am 03.04.2019 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo gibts das?

    Ich wünsche mir nicht homogenisierte Biomilch.

    • MamaMia am 03.04.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      Demeter

      Dann musst Du Demeter-Milch kaufen. Die wird nicht Homogenisierung. Gibt es im Bioladen oder in grossen Coop-Filialen.

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  • globi am 03.04.2019 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Deshalb im Ausland einkaufen

    Wie waere es mit einem schoenen (Bio-) Nachlass! Wenn der Preis stimmt, kann man fast Alles verkaufen.

  • sepp am 03.04.2019 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bio= schwindel

    Bio Ist ein riessen beschiess! Habe Milchtechnologe gelernt in einer Emmentalekäserei kein bio. einen Km entfernt eine Bio Tilsiter Käserei wir hatten zu viel Milch die Tilsiterkäserei zu wenig. Die Tilisiter hollte bei uns Milch ab und daraus gab Bio Käse . Aber Bio ist ja so toll und super. Könnte noch viele andere sachen erzählen aber dan bin ich morgen noch dran.

    • die Ritterin am 03.04.2019 14:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @sepp

      Der Einzige welcher hier lügt sind Sie. Bio kommt mitunter sehr wohl auf den konventionellen Markt, aber konventionelle Produkte nivht auf den Biomarkt.

    • Mr. Nice Guy am 03.04.2019 14:34 Report Diesen Beitrag melden

      @die Ritterin

      dann haben Sie gestern wohl den Kassensturz nicht gesehen...

    • steini am 03.04.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

      Bio lug und betrug

      muss ich dir recht geben ich schaue im laden das ich ja keine bio Sachen kaufe. es ist nur teurer und nicht gesünder oder besser. den auch bio Produkte werden mit Pestiziden gespritzt nur sin diejenigen Pestizide noch nicht verboten. wen du bio haben möchtest legt euch einen garten zu.

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  • Hunrod am 03.04.2019 10:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freie Marktwirtschaft

    Immer grössere Ställe, leistungsfähigere Tiere, Computergesteuerte Melksysteme steigern den Ertrag. Jeder Bauer ist auch ein Unternehmer. Wenn eine andere Branche eine Überproduktion hat muss sie sich selber regulieren. Nur die armen Bauern stellen sich immer mehr als Opfer dar. Im Gegensatz kämpfen Bergbauern täglich ums überleben.

    • Ueli Melker am 03.04.2019 15:27 Report Diesen Beitrag melden

      Land und Wirtschaft

      Man sollte unterscheiden zwischen Bauern und Landwirten.

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