Milliardärs-Sorgen

17. Juni 2014 17:56; Akt: 17.06.2014 17:57 Print

Bitcoins sind der neuste Scheidungstrick

Scheiden tut weh – besonders bei den Superreichen. Kein Trick ist ihnen zu billig, um das Portemonnaie zu schonen. Zum Beispiel mit Bitcoins.

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Ihr hat ein Genfer Gericht in seinem Scheidungsurteil vier Milliarden Franken zugesprochen: Oligarchen-Gattin Elena Rybolovleva. «Nicht die Anzahl der Nullen ist wichtig, was zählt, ist die Gerechtigkeit», sagt sie. Dieses Haus soll ihr gehören: Die «Maison de l'Amitié» in Palm Beach, Florida. Das 5,575 Quadratmeter grosse Anwesen gehörte einst Donald Trump. Rybolovlev kaufte es dem US-Amerikaner 2004 für 41 Mio. Dollar ab. Auch die Insel Skorpios will sie in ihrem Besitz haben. Die Insel gehörte vor Rybolovlev dem griechischen Reeder Aristoteles Onassis, der auf Skorpios Jacky Kennedy heiratete. Der russische Milliardär wollte die Insel seiner Tochter schenken. Das ist das Luxusappartment in Manhattan, das Rybolovlev für seine Tochter Ekaterina erworben hat, als diese in NYC studieren wollte. Das Studentendomizil ist 6744 Quadratemeter gross, verfügt über 10 Zimmer, eine Rundum-Terrasse, eine Bibliothek und sieben begehbare Kleiderschränke. Preis: 60 Mio. Euro. Dmitry Rybolovlev hatte Elena im Jahr 1987 geheiratet - als beide erst 21 Jahre alt waren. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion kam er zu einem Milliardenvermögen. Derzeit rangiert er auf dem 151. Platz der Rangliste der Reichsten der Welt. Hier posiert Dmitry Rybolovlev mit Fürst Albert von Monaco. Dem Oligarchen gehört seit 2011 die Mehrheit des Fussballclubs AS Monaco. Die virtuelle Währung Bitcoin ist eine Möglichkeit für Superreiche, das tatsächliche Vermögen zu mindern, denn man kann den Geldfluss nur schwer nachverfolgen.

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Es geht ein Gespenst um in Anwaltskreisen. Es heisst Bitcoin und gilt bei Ultrareichen ein neues Mittel zur Verschleierung der tatsächlichen Vermögenswerte. Denn billig sind Scheidungen nie und gestritten wird oft über Jahre. Knackpunkt ist immer das gemeinsam erwirtschaftete Vermögen.

Der russische Milliardär Dmitry Rybolovlev kann davon ein Liedchen singen. Der Oligarch und seine Frau Elena führten 2008 einen erbitterten Scheidungskrieg um sein Vermögen von neun Milliarden Dollar. Einem Gerichtsurteil zufolge muss der Russe nun umgerechnet 3,3 Milliarden Euro zahlen. Plus zahlreiche Immobilien sowie die griechische Insel Skorpios im Wert von rund 123 Millionen Euro.

Offshore, Trusts und Stiftungen

Im Scheidungsverfahren machte der Russe geltend, dass sowohl die Wohnung in New York als auch die Insel nicht zum gemeinsamen Vermögen zählen würden, weil er sie als ein Geschenk für seine Tochter gekauft habe. Schenkungen sind in Scheidungsangelegenheiten, ebenso wie Offshore-Konstrukte, Stiftungen und Trusts, erprobte Mittel zur Verschleierung der eigenen Finanzen. Die eigentliche Schwierigkeit bei vermögenden Partien besteht darin, versteckte Gelder aufzuspüren. «Das Aufspüren eventueller Reichtümer, die es zu teilen gilt», so die Zürcher Scheidungsanwältin Maya Stutzer zu 20 Minuten, «ist sehr zeitaufwändig und extrem schwierig bis unmöglich.» Es obliegt danach dem Gericht, zu entscheiden, inwiefern Schenkungen, Stiftungen und Trusts zum gemeinsamen Besitz zählen.

Virtuelle Währungen wie Bitcoin könnten nun eine neue Möglichkeit sein, das Vermögen der sogenannten HNW (Abkürzung für «high-net worth», sprich: superreich) zu verschleiern, schreibt die britische Anwältin Helen Waite in einem Blog.

«Bitcoin ist als Zahlungsmittel durchaus von Bedeutung», so Waite. «Obwohl Bitcoin-Transaktionen öffentlich, transparent und nachvollziehbar sein sollen, erweist sich deren Nachverfolgung als knifflig.» Jede Zahlung mit der neuen Währung wird von einer neuen Bitcoin-Adresse getätigt, deren Einrichtung unterliegt kaum Auflagen und erfolgt etwa so einfach wie die Anmeldung einer neuen Mailadresse; die perfekte Verschleierungsmöglichkeit im Netz. In England sollen reiche Ehemänner laut Waite den Scheidungstrick 2.0 bereits erproben, um Hab und Gut für nicht teilen zu müssen.

Die Belege der Kollegen sammeln

Bei Schweizer Scheidungsanwälten sorgt der Bitcoin-Trick noch nicht für Gesprächsstoff. Maya Stutzer ist kein solcher Fall bekannt. «Vermögen mit der virtuellen Währung zu verschleiern ist hierzulande noch kein Thema», sagt auch Scheidungsanwalt Roger Groner. Tricks gäbe es, so Groner, deren genug. Zum Beispiel, dem Steueramt einen überhöhten, aber ungeraden Beitrag einzuzahlen und so eine Steuerrechnung vorzutäuschen. «Bei Kollegen Kassenbelege einzusammeln oder Software gegen Rechnung zu erwerben, gehört auch dazu», so Groner. «Getreu dem Motto: Was verprasst ist, kann man nicht mehr teilen».

Laut Anwaltskollegin Stutzer sind gerade bei binationalen Ehe Vorsorgekonti, die im Ausland liegen und nicht offenbart werden, ein Thema. Ebenso wie Schwarzgeld oder Stiftungen im Ausland.

Rybolovlev bleibt, wenn man so will, also Hoffnung, dass er seine Milliarden behalten darf. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Das Genfer Gericht ist erst die erste Instanz. Der Multimilliardär, der mit Kali-Bergbau reich wurde, hat dem Vernehmen nach bereits Einspruch gegen das Urteil eingelegt.

(cls)