US-Luftwaffe

24. Februar 2011 23:27; Akt: 01.04.2011 14:50 Print

Boeing holt sich Jahrhundert-Deal

Der jahrelange Kampf um den Milliardenauftrag der US-Luftwaffe zum Bau von Tankflugzeugen ist entschieden. Boeing sticht EADS aus.

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Auf Shopping-Tour in Farnborough, südwestlich von London. Den Einkäufern bietet sich eine reiche Auswahl, wie die folgenden Bilder zeigen. Nach jahrelangen Entwicklungsproblemen klappt es nun mit den Bestellungenfür den «Superjumbo». Vor kurzem orderte die arabische Airline Emirates 32 Maschinen im Gesamtwert von 11,5 Milliarden Dollar. Der gigantische Doppelstöcker mit Einstiegsluken auf unterschiedlicher Höhe stellt neue Herausforderungen an die Flughafeninfrastruktur. Der Riesenvogel der US-Konkurrenz bei einem seiner ersten Flüge am europäischen Himmel. Er ist bereit für die ersten Bestellungen. Der Hoffnungsträger des US-Flugzeugindustrie fasst bis zu 300 Passagiere. Ab Ende 2013 sollen pro Monat zehn der Flieger fertig gestellt werden. Das Langstreckenflugzeug galt lange als Problemfall. Nun entwickelt es sich zum Erfolgsmodell. bereits sind Hunderte Bestellungen eingegangen. Auch bei der US-Konkurrenz fliegen die Korken: Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai orderte in Farnborough gerade 30 neue Maschinen des Grossraumfliegers. Auch die etwas kleineren Modelle sind gefragt: Jüngst bestelte die neu gegründete Flugzeug-Leasingfirma ALC 31 Airbus A320 und 20 A321, Auslieferung 2011 bis 2015. Ebenfalls lange ein Problemfall; jetzt hebt er aber ab. Der Militär-Grosstransporter A400M verursache lange Streitigkeiten unter den EU-Staaten über Kosten und Technologie. Hinter den beiden Giganten Boeing und Airbus formieren sich kleinere Konkurrenten, zum Beispiel die brasilianische Firma Embraer, die bisher vor allem mit Regionaljets Erfolg hatte. Nun wird erwartet, dass die Südamerikaner bald auch mit grossen Jets angreifen. Bereits in die Phalanx von Airbus und Boeing eingebrochen ist der kanadische Hersteller Bombardier. Erste Bestellungen für die sparsame Langstreckenmaschine mit bis zu 145 Sitzplätzen sind eingetroffen. Bisher war Bombardier vor allem bekannt für luxuriöse Business-Jets. Eine Global Express kam an der Fussball-WM in Südafrika für den Transport der Fifa-Chefs zum Einsatz. China schläft nicht: Der chinesische Hersteller Comac rüttelt mit der neuen Mittelstreckenmaschine an der Vormachtsstellung von Airbus und Boeing. Auch die Russen planen den Take-off mit dem neuen Mittelstreckler MS-21. Die russischen Flugzeughersteller sind bekannt für grossvolumige Lufttransporter, hier eine Iljuschin bei einem humanitären Einsatz. Die Schau in Farnborough gilt als Stimmungstest für den Zustand der Luftfahrtbranche. Das rege Interesse und die zahlreichen Bestellungen dokumentieren die Erholung der Branche.

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Im jahrelangen Bieterwettstreit um einen Jahrhundertauftrag der US-Luftwaffe hat sich der US-Konzern Boeing gegen seinen europäischen Konkurrenten EADS durchgesetzt. Das US-Verteidigungsministerium erteilte Boeing am Donnerstag den Auftrag zum Bau von insgesamt 179 Tankflugzeugen.

Boeing habe sich nach eingehender Prüfung der Angebote als «klarer Gewinner» erwiesen, sagte US-Vizeverteidigungsminister William Lynn in Washington. Die Kampfkraft, der Anschaffungspreis sowie die Wartungs- und Betriebskosten hätten für das Boeing-Modell gesprochen.

EADS habe das Recht, Einspruch gegen die Entscheidung einzulegen. «Wir sind aber überzeugt, dass die Entscheidung in einem klaren und transparenten Verfahren gefallen ist», sagte Lynn.

Boeing soll zunächst in einer ersten Tranche bis 2017 18 Tankflugzeuge für 3,5 Mrd. Dollar liefern. Insgesamt soll der Auftrag 179 Tankflugzeuge umfassen und hat laut Pentagon einen Wert von «mehr als 30 Mrd. Dollar».

Boeing teilte mit, sich über den Zugschlag «geehrt» zu fühlen. Das Unternehmen sei «bereit» für den Bau der Maschinen. Die Maschine wird unter der Bezeichnung KC-46A laufen. Der US-Hersteller hatte bereits den Vorgängertypen geliefert, die KC-135.

EADS enttäuscht

EADS dagegen reagierte mit «Enttäuschung und Besorgnis». Die US-Luftwaffe habe sich anstelle des «bewährten KC-45 Tankers» von EADS für ein «hochriskantes Konzept-Flugzeug» entschieden, hiess es in einer ersten Stellungsnahme.

«Das ist zweifellos eine enttäuschende Entwicklung», erklärte EADS-Nordamerika-Chef Ralph Crosby. Die Entscheidung des Pentagon müsse nun zunächst einer «gründlichen Analyse» unterzogen werden. Das unterlegene Unternehmen hat nach der Bekanntgabe zehn Tage Zeit, um Beschwerde einzulegen.

Langes Verfahren

Die Ausschreibung war bereits der dritte Versuch des Pentagon, neue Tankflugzeuge für die US-Streitkräfte zu bestellen. Eine erste Ausschreibung hatte 2003 Boeing gewonnen. Allerdings widerrief das Pentagon die Vergabe, nachdem bekannt geworden war, dass eine Pentagon-Mitarbeiterin Boeing widerrechtlich mit Informationen versorgt hatte.

In einem zweiten Verfahren setzte sich EADS im Februar 2008 durch. Boeing focht das Vergabeverfahren daraufhin vor dem Rechnungshof des US-Kongresses erfolgreich an. Das Pentagon schrieb den Auftrag schliesslich 2009 komplett neu aus.

Prestige-Auftrag

Der Bieterwettstreit war immer wieder von nationalen Prestige-Erwägungen überlagert. Boeing unterstrich, dass es im Gegensatz zum europäischen EADS-Konzern ein «rein amerikanisches» Flugzeug liefern könne, das 50'000 Arbeitsplätze in mehr als 40 US-Bundesstaaten schaffe.

EADS hatte diese Darstellung zurückgewiesen und betont, 48'000 Jobs in den USA schaffen zu wollen. Die Maschinen sollten im US-Bundesstaat Alabama gefertigt werden. Das Vergabeverfahren war von intensiven Lobbybemühungen von Kongressabgeordneten begleitet, die auf die Schaffung von Arbeitsplätzen in ihren Wahlkreisen drängten.

50-jährige Flugzeuge

Die derzeitige US-Flotte an Tankflugzeugen stammt zum Teil noch aus den 1950er-Jahren. Boeing und EADS nutzten für ihre Angebote bestehende Passagierflugzeuge, die für die Bedürfnisse der US-Luftwaffe umgerüstet werden sollen.

Die Tanker spielen bei Kriegen wie im Irak oder in Afghanistan eine wichtige Rolle, weil etwa Kampfflugzeuge nicht mühsam landen und auftanken müssen, sondern der Treibstoff während des Fluges in den Tank der Maschinen gepumpt wird.

(sda)