Nervöse Märkte

27. Juli 2015 09:38; Akt: 27.07.2015 12:28 Print

Börse in Shanghai verliert 8,5 Prozent

Mit drakonischen Massnahmen hatte China den Finanzmarkt nach Verlusten im Juni stabilisiert. Nun erfolgte der grösste Kurseinbruch seitdem. Die Schockwellen reichen bis Europa.

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Absturz: Investoren verfolgen den Börsenkurs. (Bild: Keystone/Rolex Dela Pena)

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Der chinesische Aktienmarkt hat am Montag seinen schwersten Kurseinbruch seit acht Jahren erlebt: Der Shanghai Composite ging nach Verlusten von 8,5 Prozent mit 3725,56 Punkten aus dem Handel. Zuvor war es erneut zu einer Verkaufswelle der Anleger gekommen.

Auch andere asiatische Finanzplätze drehten ins Minus:Hongkong notierte für seinen Leitindex Hang Seng zu Börsenschluss einen Rückgang von 3,1 Prozent, Japans Nikkei 225 verlor in Tokio ein Prozent und Südkoreas Kospi 0,4 Prozent. In Europa trübte sich die Stimmung auch in Deutschland ein, die Frankfurter Börse startete mit einem Rückgang von einem Prozent in den Handel. In London machte das Minus 0,3 Prozent und in Paris 1,1 Prozent aus.

Grösste Kurssturz seit Februar 2007

Die chinesische Regierung hatte im Juni mit drakonischen Massnahmen auf einen ähnlichen Kurssturz reagiert und den Aktienmarkt beispielsweise mit einem Verkaufsverbot für grosse Anleger stabilisiert. Doch der Markt gilt nach einer mehr als einjährigen Rally als überhitzt. Laut dem Finanzdaten-Dienstleister FactSet ist der Kurssturz vom Montag der grösste am chinesischen Aktienmarkt seit dem 27. Februar 2007. Damals brachen die Kurse um 8,8 Prozent ein.

Einige Analysten sagten, der Kurssturz sei von Börsenmaklern ausgelöst worden, die Kredite zur Finanzierung von Aktienkäufen einschränkten. Das wird als Differenzhandel bezeichnet. «Die andauernde Kontrolle des Differenzhandels hat den heutigen Ausverkauf ausgelöst», sagte ein Analyst der China Investment Securities, Xu Xiayou. Die jüngsten Konjunkturdaten zeigten überdies, dass die Wirtschaft Zeit benötige, aus dem derzeitigen Tief herauszukommen.

Anleger durften keine Aktien aus ihrem Besitz verkaufen

Im Juni hatten chinesische Aktien in einer Talfahrt bis zu 30 Prozent an Wert verloren - nach Jahren mit Höchstrekorden selbst in Phasen, in denen die zweitgrösste Wirtschaft der Welt an Schwung verloren hatte. Die chinesischen Behörden ergriffen daraufhin im Juli drastische Massnahmen, um den Markt zu stabilisieren. So wurde grossen Anlegern rundweg verboten, Aktien aus ihrem Besitz zu verkaufen. Staatsunternehmen wurde befohlen, zu kaufen.

Viele chinesische Firmen setzten den Handel mit ihren Aktien in Shanghai und Shenzhen freiwillig aus. Der Analyst Yating Xu von IHSGlobal Insight sieht nun die chinesische Regierung erneut unter Handlungsdruck.

(sda)

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