Nach den Wahlen

07. Mai 2012 09:36; Akt: 07.05.2012 11:01 Print

Börsen fürchten das Ende der Sparpolitik

Die jüngsten Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland bereiten den Börsen grosse Sorgen. Analysten reden von einer grossen Krise, die Europa bevorsteht.

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Die europäischen Märkte machen sich grosse Sorgen darüber, wie es finanzpolitisch in der Eurozone weitergehen soll. (Bild: Reuters)

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Die Wahlergebnisse in Frankreich und Griechenland haben Börsianern zufolge am Montag die Furcht der Anleger vor einem Ende der europäischen Sparbemühungen geschürt. SMI, Dax und EuroStoxx50 verloren zur Eröffnung jeweils rund ein Prozent. Gegen 11.00 Uhr notierte der DAX dann 1,54 Prozent im Minus. Der französische Leitindex CAC 40 lag 1,43 Prozent im Minus.

Der Euro geriet ebenfalls unter Druck und kostete mit 1,3007 Dollar einen knappen US-Cent weniger als zum New Yorker Freitagsschluss. Im Gegenzug kletterte der Bund-Future auf ein neues Rekordhoch von 142,44 Zählern. Die Renditen der französischen und griechischen Anleihen zogen an.

«Wir stehen vor einer grossen Krise»

«Die Kluft zwischen den Politikern und den Wählern vergrössert sich», sagte Steen Jakobsen, Chef-Ökonom der Saxo Bank. «Das sehen wir in Griechenland und Frankreich. Die Wähler senden eine klare Botschaft: ‹Wir sind zu diesen Reformen nicht bereit›. Dies ist besorgniserregend. Wir stehen vor einer grossen Krise in Europa, wirtschaftlich und sozial.»

Zu den grössten Verlierern zählten die Finanzwerte, die besonders sensibel auf Nachrichten zum Thema Schuldenkrise reagieren. Der europäische Bankenindex fiel um 1,3 Prozent.

Börsen in Asien im Minus

Sorgen um die Stabilität der Euro-Zone nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich haben am Montag auch die Börsen in Asien belastet. Vor allem die Ungewissheit über die Regierungsbildung in Griechenland beunruhigte die Anleger.

Der Sieg des Sozialisten Francois Hollande bei der Präsidentenwahl in Frankreich war zwar weitgehend erwartet worden. Aber Hollandes Ankündigung, die vor allem von Deutschland verfolge Sparpolitik nicht unverändert weiterzuführen, sowie das schlechte Abschneiden der Regierungsparteien in Griechenland schürten Bedenken, dass die Bemühungen um Haushaltssanierung und Reformen in Europa ins Stocken geraten.

Der Index für Aktien aus dem Asien-Pazifik-Raum ohne Japan gab 2,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten nach. Auch in Tokio rutschte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index auf ein Drei- Monats-Tief und gab 2,5 Prozent auf 9150 Punkte ab. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 2,4 Prozent auf 774 Zähler. Die Börsen in Hongkong, Shanghai, Seoul, Taiwan und Australien verloren bis zu zwei Prozent.

Viele Fragezeichen zu Griechenland

«Der Markt ist nicht glücklich über die Wahlergebnisse», sagte Chef-Investmentstratege Jack Ablin von Harris Private Bank. Investoren betrachteten den Ausgang in Griechenland als ersten Schritt in Richtung eines Austritts aus der Euro-Zone.

Über Griechenland gebe es viele Fragezeichen, sagte Richard Yetsenga von ANZ Research. Da unklar sei, wer die Regierung bilden kann, stelle sich auch die Frage, wie lange sich die neue Führung halten könne und ob sie den von den Geldgebern verlangten strikten Konsolidierungskurs fortsetzen werde.


(whr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ERNST am 07.05.2012 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Die Wurzeln der Kulturen des Abendlandes

    sind in Europa. Es ist und wird immer eine Illusion bleiben, diese Kulturen in ein gemeinsames Ganzes zu vereinen. Europa ist nicht USA. In diesem Sinne: Im Westen nichts neues.

  • Lorelei am 07.05.2012 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Ah, wow! Die "Finanzer" merken allmählich, was sie angerichtet haben... nun wär's an der Zeit, die endlich die überzogenen Fantasielöhne der Bänker zu kürzen. Und es wäre auch an der Zeit, dass die "Spekulanten" mal wieder auf den Boden der Tatsachen geholt würden. Aber die werden Wege finden, auf die Kriese zu "wetten" und auch da noch reichlich Gewinn auf Kosten aller Anderen zu machen...

  • Mr Meier am 07.05.2012 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wiedersprüche

    Hauptsache, die Banken (Bsp UBS) verzeichnen über erneute Boni Rekorde!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel am 07.05.2012 15:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kapitalismus beseitigen

    Ich bin froh, dass ein Sozialist als Staatspräsident Frankreichs gewählt wurde. Er soll diesen nimmersatten Spekulaten, welche sich auf Kosten anderer bereichern den Garaus machen. Der Kapitalismus ist kein Auslaufmodell mehr, es gehört auf den Schrottplatz.

  • Shame Onju am 07.05.2012 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    System-"Korrektur" ist unausweichlich

    Die Verursacher der Krise sind v.a. die nimmersatten Spekulanten, Börsianern, Bankern und Nimmersättigen, welche bei den ausufernden Casino-Spielchen mitmachen! Und all die Politiker, die dies gewähren liessen und (noch immer!) keinen Riegel schoben! Die Menschen sollten eigentlich das System im Griff haben, aber dieses hat längst solch perversen Züge angenommen, daß es nun umgekehrt der Fall zu sein scheint: Eine gröbere Korrektur desselbigen ist längst überfällig...!

  • Wut Bürger am 07.05.2012 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Systemfrage

    Mit dem jetzigen schuldgeldsystem ( das ich für falsch halte ) müssen die Länder unbedingt auf Wachstum setzen ansonsten würde das ganze System zusammenbrechen.

  • E. Nde am 07.05.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Problem

    Das grösste Problem ist doch heute, dass durch die Virtualität von Geld der Bezug zum wahren Wert verloren gegangen ist. Wir sollten, statt auf ewiges Wachstum zu setzen, endlich mal wieder lernen, mit realen Werten zu leben! Denn letztlich werden es genau diese - und nur noch diese sein - die nach dem grossen Crash noch vorhanden sind! Alles virtuelle wird den Bach ab gehen!

    • Shame Onju am 07.05.2012 14:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Geeenau.

      Sehr guter Kommentar, dem kann ich mich nur vollumfänglich anschliessen... aber erkläre 'nem Kapitalisten mal die "wahren Werte" - und dies in Zahlen bitteschön, denn etwas anderes verstehen die ja offensichtlich nicht!

    • Mirjam am 07.05.2012 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      wahre Werte

      an Shame Onju : ja das stimmt auch mit dem kleinen Unterschied dass du ein Kapitalist zu fall bringen kannst, aber niemels einen Menschen der weiss was wirklich wichtig ist :-) ein mir sehr Mutmachender Gedanke

    einklappen einklappen
  • Lorelei am 07.05.2012 13:04 Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    Ah, wow! Die "Finanzer" merken allmählich, was sie angerichtet haben... nun wär's an der Zeit, die endlich die überzogenen Fantasielöhne der Bänker zu kürzen. Und es wäre auch an der Zeit, dass die "Spekulanten" mal wieder auf den Boden der Tatsachen geholt würden. Aber die werden Wege finden, auf die Kriese zu "wetten" und auch da noch reichlich Gewinn auf Kosten aller Anderen zu machen...