Tesla-Chef

16. August 2018 02:11; Akt: 16.08.2018 02:39 Print

Börsenaufsicht lädt Elon Musk vor

Der Konzernchef hatte mit Tweets zu möglichem Börsenrückzug für Verwirrung gesorgt. Nun muss er sich vor den Behörden dazu äussern.

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«Das vergangene Jahr war das schwierigste und schmerzhafteste meiner Karriere»: Tesla-CEO Elon Musk. (Archivbild) Jetzt muss Elon Musk bei der Börsenaufsicht antraben. In einem Tweet dachte der Tesla-Chef ... laut über den Ausstieg aus der Börse nach. Daraufhin gewann die Aktie an Wert. Allerdings nur kurzfristig: Am Donnerstag verlor sie im US-Handel zeitweise an die sechs Prozent und schloss 4,8 Prozent schwächer bei gut 352 Dollar. Der Kurssprung, den Musk vor zwei Tagen mit seiner Erwägung auslöste, Tesla zum Kurs von 420 Dollar zu privatisieren, ist damit weitgehend verpufft. Das Unternehmen Tesla kämpfte 2018 immer wieder mit Problemen. Offenbar hat im Frühling ein Mitarbeiter grosse Mengen vertraulicher Daten an «unbekannte dritte Parteien» weitergegeben. Tesla-Chef Elon Musk hatte angekündigt, rund 9 Prozent der gesamten Belegschaft zu entlassen. Ausserdem sorgten mehrere Unfälle mit den Elektroautos für Schlagzeilen: Hier kollidierte ein Tesla Model S mit einem Polizeiauto in Kalifornien. Der Tesla war mit Autopilot unterwegs gewesen. Ein Fehler im halb-autonomen Fahrsystem kostete diesen Tesla-Fahrer in Kalifornien das Leben. Der Konzern schreibt jedes Jahr rote Zahlen. Tiefere Kosten und Wachstum im chinesischen Markt sollen dieses Jahr erstmals Gewinne einfahren. Die Krise macht sich auch in der Schweiz bemerkbar: Dieses Jahr kamen 31 Prozent weniger Tesla-Autos in die Schweiz als in den ersten vier Monaten des Vorjahrs. Vor allem vom neueren Model X wurden in der Schweiz mit 146 Autos merklich weniger ausgeliefert als in der Vorjahresperiode (260). Wars das jetzt mit dem Tesla-Boom in der Schweiz? Andreas Herrmann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen, hält das für unwahrscheinlich. Herrmann glaubt eher, dass Tesla nicht liefern kann, weil das Unternehmen Schwierigkeiten mit der Produktion hat. Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer ist überzeugt, dass das Produktionschaos beim neuen Model 3 ausschlaggebend für die Zukunft von Tesla ist. Der Pionier bekommt nämlich mehr und mehr Konkurrenz. So ist Jaguar mit dem i-Pace auf dem Markt und Firmen wie Porsche sowie Audi wollen 2019 ihre E-Autos lancieren. CEO Elon Musk gab sich an der Konferenz zu den ersten Tesla-Quartalszahlen des Jahres schnoddrig: Er fand Fragen «trocken» und «nicht cool». Musks unprofessionelles Verhalten wurde zumindest kurzzeitig von den Investoren abgestraft: Während der Telefonkonferenz verlor die Tesla-Aktie 4,7 Prozent. Tesla ist zum Jahresauftakt so tief in die roten Zahlen gefahren wie in noch in keinem Quartal zuvor. In den ersten drei Monaten stieg das Minus des Elektroauto-Herstellers auf fast 710 Millionen Dollar – mehr als das Doppelte des Verlusts aus dem Vorjahreszeitraum. Die Negativschlagzeilen zu Tesla reissen nicht ab: Im April 2018 wurde bekannt, dass Vorgänge in der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont von den US-Behörden untersucht werden. Das Unternehmen von Tech-Milliardär Elon Musk wies den Vorwurf in einem Firmen-Blog entschieden zurück und sprach von einer gezielten «Desinformationskampagne». Der Vorwurf: Tesla habe schwerwiegende Verletzungen in seiner Fabrik im kalifornischen Fremont absichtlich in Unfallstatistiken unterschlagen. Davor musste der Elektroauto-Hersteller bereits den vorübergehenden Produktionsstopp des neuen Tesla Model 3 bekannt geben. Elon Musks zweites Unternehmen SpaceX ist in der Raumfahrt tätig.

Fehler gesehen?

Wegen des möglichen Rückzugs des US-Elektroautobauers Tesla von der Wall Street hat die US-Börsenaufsicht SEC Medienberichten zufolge eine Vorladung an Unternehmenschef Elon Musk verschickt. Das berichteten der Sender Fox Business und die «New York Times» (NYT) am Mittwoch. Die Entwicklung deute darauf hin, dass die Prüfung der SEC in «eine formellere, ernste Phase» eingetreten sei, hiess es im «NYT»-Bericht. Die Tesla-Aktie gab nach den Berichten am Mittwoch nach.

Musk hatte in der vergangenen Woche mit einem Tweet für Wirbel gesorgt, wonach er einen Rückzug des Elektroautobauers von der Börse ins Auge fasse und die Finanzierung dafür «gesichert» sei. An den Aktienmärkten sorgte die unkonventionelle Ankündigung für Unruhe; die New Yorker Börse setzte den Handel mit der Tesla-Aktie angesichts der Unsicherheit über die Zukunft des Unternehmens zeitweise aus. Tesla bestätigte später die Pläne für einen möglichen Börsenausstieg. Musk gab später Gespräche mit dem saudiarabischen Staatsfonds und weiteren Investoren über eine Privatisierung bekannt.

(roy/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Arno am 16.08.2018 07:14 Report Diesen Beitrag melden

    Echt? Wow erzähl mir mehr

    Ah ok, bei uns musste Joel der Lehrling gestern zum Chef weil er zu spät kam am morgen. Wahrscheinlich muss er am Samstag die Vorplatz wischen als Strafe, wir werden sehen, ich halte euch auf dem laufenden.

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  • Dunja am 16.08.2018 03:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Intervention

    Gut wird in so einer Angelegenheit einmal schneller interveniert. Was es nützt werden wir sehen

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  • Susanne die Kontrolleuse am 16.08.2018 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn die Aufsicht kommt

    ist es normalerweise mit der Vorsicht schon vorbei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • You are Fired! am 18.08.2018 07:05 Report Diesen Beitrag melden

    Forward Looking Statement Disclaimer

    kann man bingen und den hat Musk vergessen...

  • H. Ligali am 17.08.2018 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Musk

    spinnt, macht ja auch keinen Hehl daraus. Und wir klatschen und finden solche Knalltüten das Größte .... Eigenartige Zeiten.

  • Fügi1961 am 17.08.2018 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elon Musk Superstar

    Wenn Elon Musk bekannt gibt, dass er darüber nachdenkt wird Fake News geschrieben obwohl Finanzierung gesichert ist. Wenn Trump täglich lügt wird gehuldigt. Elon Musk arbeitet 120 die Woche, schläft in der Fabrik, führt 3 Firmen als CEO und verpasst private Termine inkl sein eigener Geburtstag. Was soll daran schlimm sein, wenn er Tesla zu fairen Bedingungen für die Anleger ($ 420) von der Börse nehmen will, um in Ruhe arbeiten zu können und nicht ständig Börsenaufsicht, Journalisten etc Red und Antwort zu stehen. Hut ab vor Elon dem grössten Genie und Visionär zur Zeit auf Erden.

  • Jammertal am 17.08.2018 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    Das ganze Tesla-Ding

    Ist wohl doch eher ein Genie-Seich...

  • Techno-Oldie am 16.08.2018 22:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verschiedene Ellen

    Wenn Elon Musk sagt, er wolle die Tesla Aktien von der Börse nehmen, wird es als Falschinformation dargestellt. Wenn Trump sagte,er wolle eine Mauer bauen und Mexiko werde sie bezahlen, dann jubelt das dumme Volk.