Finanzkrise im Film

11. Februar 2011 14:42; Akt: 11.02.2011 16:24 Print

Börsenthriller eröffnet Berlinale

Hollywood setzt mit dem Finanz-Thriller «Margin Call», der im Banken- und Börsendschungel spielt, den ersten Glanzpunkt im Wettbewerb der 61. Berlinale.

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Kevin Spacey: «Es ist bequem, alles über einen Kamm zu scheren und zu verdammen». (Filmstill)

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Auf der Berlinale hat am Freitag die Jagd auf den Goldenen und die Silbernen Bären begonnen. Den Auftakt machte der US-Börsenthriller «Margin Call» mit Kevin Spacey und Jeremy Irons. Der mit brillanten Dialogen und messerscharfen Charakterbildern fesselnde Film von JC Chandor spiegelt anhand des drohenden Zusammenbruchs einer Geldhandelsfirma den Beginn der Wirtschaftskrise 2008.

Die Story zielt vor allem auf die Skrupellosigkeit von multinational agierenden Geschäftsleuten ab, die allein auf ihren persönlichen Profit aus sind und die sich nicht darum kümmern, wie viele Menschen oder gar Nationen sie in den Ruin treiben.

Irons spielt den Chef einer Investmentbank, der am Vorabend des Ausbruchs der Finanzkrise 2008 mit aller Macht versucht, toxische Wertpapiere abzustossen - und somit mitverantwortlich für das folgende Desaster ist. Der Oscar-Preisträger nutzte die Vorstellung des Films für ein Plädoyer an Banker und Unternehmer.

Plädoyer gegen «wilden Konsum»

«Wir können nicht in einer Welt weiterleben, in der jedes Jahr 2,5 Prozent Wirtschaftswachstum nötig sind», sagte der 52-jährige Brite. Schliesslich seien die Ressourcen endlich. Der «wilde Konsum der letzten 25 Jahre» müsse ein Ende haben. Globalisierte Unternehmen und Investmentgesellschaften seien weitestgehend unmoralisch.

Spacey hingegen bezeichnete Banker als normale Menschen, die versuchten, Geld zu verdienen. «Es ist bequem, alles über einen Kamm zu scheren und zu verdammen», kritisierte er.

«Fehler im System»

Regisseur Chandor erklärte: «Wir wollten die Wahrheit über die Bankwelt zeigen, nicht pauschal verurteilen. Nicht alle sind Monster. Der Kern ist für mich die Frage: Wo ist die Moral?»

Es gehe nicht um übertriebene, grenzenlose Gier: «Für mich geht es nicht um einzelne Finanzjongleure, sondern um die alltägliche Gier. Es ist ein Fehler in unserem System, dass ganz allgemein und in jedem einzelnen die Gier immer mehr angeheizt wird», sagte Chandor.


(sda/ap)