Erfolgsmodell gestrichen

04. Dezember 2011 10:27; Akt: 04.12.2011 11:07 Print

Böse Überraschung für KPT-Versicherte

von Elisabeth Rizzi - 45 500 Grundversicherte schauen plötzlich in die Röhre: Knall auf Fall verbietet der Bund ab 2012 das KPT-Versicherungsmodell mit Erfolgsbeteiligung. Dagegen regt sich Widerstand.

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Das Bundesamt für Gesundheit verbietet per 2012 ein Versicherungsmodell, das die Krankenkasse KPT seit 2004 anbietet. (Bild: Keystone)

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Markus Huber* ist ausser sich. Seit deren Lancierung 2004 hat Huber beim Krankenversicherer KPT eine Telemed-Grundversicherung mit Prämienrabatt und Erfolgsbeteiligung abgeschlossen und war sehr zufrieden. «Weil ich mich immer an die Auflage gehalten habe, vor jeder Arztkonsultation beim Telemed-Service Medgate anzurufen, habe ich jedes Jahr Geld von der Versicherung zurück gekriegt», sagt er.

Bei Hubers Versicherungsmodell KPTwin.win werden die Versicherten belohnt, wenn sie sich bei gesundheitlichen Problemen bei Medgate melden und die Ratschläge des Telefondienstes befolgen. Je öfter sich die Versicherten an die Ratschläge halten (bzw. gar keine Leistungen in Anspruch nehmen), desto höher steigt die Erfolgsbeteiligung, welche die KPT für das Folgejahr ausrichtet.

Jedes Jahr Prämien genehmigt

Doch damit soll ab kommendem Jahr Schluss sein. Huber hat neulich einen Brief von der KPT erhalten, worin erklärt wurde: «Nachdem das Bundesamt für Gesundheit seit 2003 die Prämien für KPTwin.win regelmässig jedes Jahr genehmigt hat, möchte es nun ab 2012 die Erfolgsbeteiligung verbieten.» Betroffen sind wie Markus Huber 45 500 KPT-Versicherte. Das sind 13 Prozent der Grundversicherten bei der Berner Krankenkasse.

Warum es acht Jahre dauerte bis zu diesem Schritt, begründet Daniel Dauwalder, Sprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), so: «Wir haben KPTwin.win mit der Erfolgsbeteiligung unter Auflagen zur Evaluation zugelassen und uns vorbehalten, die Erfolgsbeteiligung nach ausreichender Erfahrung einstellen zu lassen.» Nun habe sich gezeigt, dass das Modell nicht gesetzeskonform sei. Ebenso hat das BAG der KPT-Partnerversicherung Agilia (ehemals Krankenkasse Malters) den Hahn bei der Erfolgsbeteiligung zugedreht.

KPT kämpft für Versicherte

Bei KPT will man das nicht auf sich sitzen lassen und gibt sich kämpferisch: «Die KPT akzeptiert den Entscheid des BAG nicht. Wir sind deshalb gegen diesen Entscheid gerichtlich vorgegangen», schreibt die Kasse in ihrem Brief an die Kunden. Bis zum Erstentscheid sei das Verbot des BAG hinfällig und die Kasse werde zumindest bis dann die Erfolgsbeteiligung weiter auszahlen. Letztes Jahr hat KPT laut Sprecherin Carmen Iseli ihren win.win-Versicherten eine Erfolgsbeteiligung von insgesamt 620 000 Franken ausgeschüttet.

Bei Agilia reagiert man gelassener. «Bei uns haben nicht einmal ein Prozent der Kunden eine Telemed-Grundversicherungspolice mit Erfolgsbeteiligung. Für sie ist unser Hausarzt-Modell ohnehin preislich günstiger», sagt Geschäftsführer Walter Diestel.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Müller Bruno am 04.12.2011 16:49 Report Diesen Beitrag melden

    Kostentreiber-Kasse

    KPT - ein reine Abzocker-KK, keine Flexibilität bei Arztempfehlungen, lieber das 4-fache bezahlen als konstruktive Lösung zugunsten des Versicherten.

  • Kurt Berner am 05.12.2011 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    KPT etc

    Es gibt nur eine Lösung: Auflösung der privaten Absahner KK und Einheitskrankenkasse mit genossenschaftlicher Ausrichtung

  • eugen am 04.12.2011 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkasse

    Langsam aber sicher müsste man sich überlegen, ob man die obligatorische Krankenkasse abschafffen sollte.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Kurt Berner am 05.12.2011 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    KPT etc

    Es gibt nur eine Lösung: Auflösung der privaten Absahner KK und Einheitskrankenkasse mit genossenschaftlicher Ausrichtung

  • KPT-Versicherter am 05.12.2011 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Schande...

    Kaum gibt es eine gut Krankenkasse, die Fair zu seinen Mitglieder ist, wird sie ausgebremst von den Behörden. Die KPT ist mit Ihrem Modell auf dem richtigen Weg, für ihre Mitglieder die Kosten tief zu halten resp. Boni weiter zu geben, als sich selber zusätzlich zu bereichern. Die Gegner sind doch nur neidisch, weil sie bei der falschen KK sind....

    • pbbkk/interlaken am 05.12.2011 09:01 Report Diesen Beitrag melden

      Sich selber

      vorallem habe die oberen der kpt sich selber mit millionenboni verwöhnt. bin zwar auch da mitglied, halte aber auch von dieser kk nicht mehr viel. die sind wie die banken: schauen zuerst für sich selbst

    • Chris am 05.12.2011 09:52 Report Diesen Beitrag melden

      Money, money

      Zu aller erst schauen die Versicherung auf sich und da ist die Kpt keine Ausnahme! Ich bin Versicherter bei der Kpt und habe nur negative erfahrungen gemacht. 2009 hatte ich eine Krebserkrankung und mir wurden viele Steine in den Weg gelegt. Unter anderem wurde mir zuerst die unbedingt notwendige Operation verweigert, die Rekonstrution der entferten Köperstellen wurden mir bis heute nicht zurück erstattet.... Da fühlt man sich doch gut aufgehoben nicht!

    • Pit Rorschach am 05.12.2011 10:00 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Falsch. Das war totale entsolidarisierung. Der Grundgedanke der sozialen Krankenversicherung wird so unterlaufen. Wenn schon, dann Prämiensenkung für Alle. Mit dem win.win-Modell hat sich KPT unsozial verhalten und anderen Kassen die guten Risiken abgeworben. Solche Modelle gehören verboten.

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  • Jean Claude Bichsmer am 05.12.2011 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo das Geld her kommt, kommt auch dörre Meinung

    Mich wundert das nicht. Wie viele Nationalräte sitzen im Verwaltungsrat einer KK? Im Bundeshaus wird es so schnell keine KK Entscheidung geben die dem Volk dient. Die sind (alle) befangen und schreien in die Richtung wo das Geld her kommt.

    • Fiechter Hans Bern am 05.12.2011 10:43 Report Diesen Beitrag melden

      Korruption lässt grüssen ...

      Man sollte bei den Wahlen vermehrt hinter die Kulissen der Kandidaten schauen. Hintenher schreien bringt nichts. Das Ex-BR Couchpin stark mit der KK Group Mutuel verbandelt war, ist kein Geheimnis. Verwaltungsräte und Grossaktionäre haben im Parlament nichts zu suchen. Sonst wird gewurstelt wie in Griechenland !

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  • d. urech am 04.12.2011 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pfui behörden

    irgendwie habe ich das gefühl, das die bundesämter und der bundesrat gar nicht an neuen, kstensparenden lösungen oder ideen interessiert sindb das ihnen das volk einfach egal ist. hautsache sie können vor sich hin wursteln. kein wunder steigen die prämien ungebremst.

    • Pit Rorschach am 05.12.2011 10:02 Report Diesen Beitrag melden

      Bravo Behörde

      Mit Kosteneinsparung hat dies rein gar nichts zu tun, vielmehr allerdings mit schmutzigen Mitteln, anderen Kassen gute Risiken ab zu werben und somit die ganze Sozialversicherung in Frage zu stellen.

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  • Fred am 04.12.2011 19:07 Report Diesen Beitrag melden

    Pauschalabgeltung

    Vielleicht pro Fall eine Pauschalabgeltung an den Versicherten einführen. Dieser entscheidet dann wo er welche Leistung zur Behebung seines Schadens bei wem einfordert. Dies würde den Wettbewerb im Gesundheitswesen bestimmt ankurpeln, was uns dann allen zu Gute kommen könnte.