Valora-Chef geht

08. Mai 2012 17:58; Akt: 08.05.2012 17:58 Print

Bonus-Quickie und dann weg

von Lukas Hässig - Valora-Boss Thomas Vollmoeller hat in seiner kurzen Amtszeit von massgeschneiderten Bonusplänen profitiert. Nach seinem Abgang durch die Hintertür hinterlässt er einen dümpelnden Konzern.

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Persönlich dürfte die Rechnung für Thomas Vollmoeller aufgehen. (Bild: Keystone)

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Thomas Vollmoeller habe sich aus «persönlichen, familiären Gründen» zum Rücktritt als CEO von Valora entschieden, teilt das Unternehmen am Dienstag mit. Sein neuer Job als CEO des Xing-Sozialnetzwerkes lasse ihn «wieder näher bei seiner Familie» sein.

Der wahre Grund für den überraschenden Abgang dürfte ein anderer sein. Vollmoeller versprach vollmundig einen Aufbruch zu neuen Ufern, mit einem deutlichen Wachstum auf allen Ebenen: beim Umsatz, beim Gewinn, beim Marktanteil. Dafür setzte er blumige Wortkreationen wie «Valora 4 Success» und «Valora 4 Growth» in die Welt.

Im nüchternen Alltag des pickelharten Detailhandels blieb das Versprechen einer florierenden Valora weitgehend unerfüllt. Nach seinem ruppigen Abgang bei Tschibo in Deutschland macht sich der Deutsche nun erneut unverrichteter Dinge aus dem Staub.

Massgeschneidertes Optionenprogramm

Persönlich dürfte die Rechnung für den Manager aber aufgehen. Vollmoeller kam nämlich als frisch gebackener CEO von Valora in den Genuss eines massgeschneiderten Optionenprogramms namens Long Term Plan.

Dieses begann Anfang 2009 und sah Optionen für den Kauf von Valora-Aktien zum Preis von 148.05 Franken vor. Die zugeteilten Optionen waren je hälftig für 2 respektive 3 Jahre gesperrt.

Bis und mit 2011 kriegte Vollmoeller auf diese Art Valora-Optionen im Wert von über 370 000 Franken. Zusammen mit dem Fixlohn ergab dies jährlich rund 1,1 Millionen Gesamt-Entschädigung.

2011 konnte Vollmoeller erstmals einen Teil der zugeteilten Optionen zu Barem machen. Damals lag der Valora-Aktienkurs zeitweise über 300 Franken. Je nach Timing lag für den CEO eine Verdoppelung drin.

Anfang von diesem Jahr wurden weitere Optionen frei zum Verkauf. Der Kurs lag über weite Strecken über 200 Franken, was immer noch einen stolzen Gewinn einbrachte.

Selbst nach dem heutigen Absturz an der Börse auf zwischenzeitlich 183 Franken liegen die Optionen weiterhin im Geld, sprich sie werfen bei einem Verkauf einen Gewinn ab.

Altes Bonus-Programm wurde schubladisiert

Für das lukrative Optionen-Programm verantwortlich ist nicht Vollmoeller, sondern dessen Chef. Valora-Präsident Rolando Benedick habe Anfang 2008, nachdem er durch einen Machtkampf die Führung beim Detailhandelskonzern übernommen hatte, ein erstes Optionenprogramm mit einem viel höheren Ausübungspreis lanciert, sagt eine Valora-Quelle.

Die Anteilsscheine hätten einen Ausübungspreis von rund 250 Franken gehabt. Sprich: Wert hatten sie nur, wenn die Valora-Aktie weiterhin hoch bleiben würde.

Im Verlauf von 2008 sackte dann aber der Aktienkurs in den Keller. Statt noch 250 Franken wie im Frühling war das Papier auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nur noch knapp 150 Franken wert. Das Programm sei darauf, so der Insider, still und leise schubladisiert worden.

Statt dessen wurde Anfang 2009 ein neues Programm aus dem Hut gezaubert. Damals lag die Valora-Aktie phasenweise nahe bei 130 Franken. Mit dem schliesslich gewählten Ausübungspreis von 148 Franken konnte Benedick seinem Management unter CEO Vollmoeller fast schon garantieren, dass der Bonus-Plan Gewinn abwerfen würde.

Valora hatte dies gegenüber der SonntagsZeitung im Herbst 2009 dementiert. Ein Optionenprogramm mit Strikepreis von rund 250 Franken habe es nie gegeben, sagte Präsident Benedick damals. «Ausschliesslich die ehemalige Konzernleitung hat 2008 noch an einem Bonusprogramm aus dem Jahre 2007 teilgenommen», meinte der Valora-Boss.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger B. am 08.05.2012 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung für Wertvernichtung?!

    Eine Info an alle Aktionäre, Verwaltungsräte, Vorstände und CEO 's die aktuell Firmen vor sich herschieben in diesem erbärmlichen VALORA-Zustand: wenn ihr alle das "not-invented-here"-Syndrom ablegen könntet, gibt's ausserhalb der Firma eine paar ganz gewiffte Consultants und Coachs, welche Lösungen einbringen, die den Firmenwert wieder voran bringen! Anruf genügt! Aber man muss halt schon mal wählen... Und dabei der Belegschaft das Gefühl des Vertrauens in den Job zurückgeben und somit die Motivation anheben. Allez hopp übernehmt Verantwortung .

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  • Susanne W. am 08.05.2012 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Deutsche immer top?

    So tönt es doch ständig, oder nicht? Aber eben eine grosse Klappe alleine bringt keine Leistung! Aber grosse Abzocke!

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  • Benjamin Goldwasser am 08.05.2012 19:03 Report Diesen Beitrag melden

    Es muss sich was ändern...

    Das traurige daran ist, dass er die Valora tatsächlich in einem dümpelnden und steinalten Zustand hinterlässt. Die Valora ist veraltet und weit weg von der Konkurrenz. Nur mit zukaufen von anderen Geschäftssparten wie z.B. CC in Deutschland, wird sich nicht gross etwas an der Zufriedenheit der Mitarbeiter ändern. Viele wünschen sich intern eine grosse Veränderung, vor allem die Arbeitsbedinungen sollten sich unbedingt bessern.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • felix t. am 09.05.2012 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Manager auf Zeit

    Ich wundere mich darüber gar nicht. Das sind alles gesichtslose Manager auf Zeit die dann eben abhauen, wenn's nicht mehr rund läuft. Diese Manager haben ausschliesslich das eigene Wealthmanagement im Kopf. Und so kommt es, dass wir uns heute wiedermal etwas aufregen. Jetzt muss der Big Boss wieder auf die Suche nach einem Nachfolger. Vielleicht sucht er ihn ausnahmsweise mal in der Schweiz. Dann bestünde wenigstens schon mal eine Bindung.

  • Manuel Oder am 09.05.2012 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    So arbeiten die Manager

    Klassische Managerarbeit. Das findet sich überall. Immer, wenn ein neuer CEO kommt, kommen auch neue Slogans, Logos und Marketing-Blablas. Der Grund: So kann der neue Chef am einfachsten zeigen, dass er etwas verändert, obwohl er in Wahrheit eigentlich nichts tut. Danach abtreten, dick kassieren und zum nächsten Job. Das ist kein Einzelfall, das ist Standard. Tolles System.

  • Rodriguez am 09.05.2012 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Tja, es ist halt die Realität. Eine Manager-Ratte mehr!

  • Rene am 09.05.2012 09:34 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott Valora

    Darum Kaufe ich schon lange bei unabhängigen,privaten Kioske meine Artikel ein die ich brauche.Sparen tut man nicht, aber man gibt der asozialen Valora AG keinen Franken.

  • Ed M am 09.05.2012 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Pass doch!

    Und wieder ein Deutscher Neu- und bald Exbürger, der keinerlei Spuren hinterlässt. Aber eigentlich sind solche Unternehmen wie Valora, Credit Suisse, Örlikon etc. ja schuld daran. Ständig holen sie irgendwelche Pfeiffen von draussen rein und die werden - Misserfolg hin oder her - von noch grösseren Pfeiffen vergoldet...