Tamoil

06. März 2011 23:00; Akt: 07.03.2011 13:33 Print

Boykottaufrufe – doch Partner bleiben treu

Tamoil ist indirekt im Besitz von Muammar Gaddafi - und der kommt auch an die Gewinne des Unternehmens. Trotz Aufrufen zum Boykott: Migros und Coop halten weiter zu Tamoil Suisse.

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«Libysches Benzin»: Partner wie Migros oder Coop halten Tamoil trotz Boykott-Aufrufen noch die Treue. (Foto: keystone)

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«Tamoil boykottieren, rettet ­Leben», fordert R.B. im sozialen Netzwerk Twitter. «Bitte nicht bei Tamoil tanken!», ruft ein anderer Blogger auf. «Lieber schiebe ich mein Auto 50 Kilometer, als an einer Tamoil-Tankstelle zu tanken», meint «Heavyfrog». Solche Boykottaufrufe häufen sich. Umsetzen lassen sie sich aber nicht - denn das libysche Öl fliesst nicht nur an den Tamoil-Tankstellen.

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Tamoil SA gehört indirekt dem libyschen Staat beziehungsweise Muammar Gaddafi. Der Uno-Sicherheitsrat hat Sanktionen gegen die Familie von Gaddafi ergriffen, die der Bundesrat ebenfalls umsetzen will. Es ist verboten, dem Gaddafi-Clan Gelder zu überweisen. Zudem gilt ein Durch- und Einreiseverbot.

Tamoil Suisse ist von diesen Massnahmen zumindest indirekt betroffen. Das Unternehmen betreibt 324 Tankstellen sowie eine Raffinerie im Wallis (Collombey). Tamoil SA muss verhindern, dass Gelder in die privaten Hände des Gaddafi-Clans gelangen. Tamoil SA darf jedoch Erträge an die niederländische Mutter Oil­invest weiterreichen. Es gilt als sicher, dass Gaddafi auf diese Gelder Zugriff hat.

Trotzdem wenden sich die Schweizer Geschäftspartner nicht von Tamoil ab: «Es gibt zurzeit aber keinen Grund, die Geschäftsbeziehung zu Tamoil in Frage zu stellen», so Migrol-Chef Daniel Hofer zu 20 Minuten. Tamoil habe Migrol gegenüber ihre vertraglichen Verpflichtungen immer erfüllt. Hofer weiter: «Unsere operativen Geschäfte sind von den Wirren in Libyen nicht betroffen.» Tamoil sei mit der Raffinerie im Walliser Collombey ein wichtiger Lieferant nicht nur der Migrol, sondern auch anderer Ölhändler in der Schweiz. Migrol arbeite mit Tamoil wie mit anderen Öllieferanten in langfristigen Versorgungsverträgen zusammen.

«Tamoil beschäftigt heimisches Personal»

Auch weitere Tam­oil-Geschäftspartner sehen keinen Handlungsbedarf: Aus Gründen der Versorgungssicherheit und wegen ökologischer Aspekte beziehe Coop Mineral­oel AG Produkte vor allem von den beiden inländischen Raffinerien – also auch von Tam­oil SA, «einer Schweizer Firma, die zudem heimisches Personal beschäftigt», meint Jürg R. Kretzer, Sprecher von Coop Mineraloel AG. Die Raffinerien, mit denen Coop Mineralöl entsprechende Versorgungsverträge hätten, seien ihrerseits für die Herkunft der Rohöle breit diversifiziert. Die Beschaffung der Rohöle für eine Raffinerie hängt gemäss Kretzer von vielen Faktoren ab. So würden die technische Ausrüstung einer Raffinerie und Anforderungen der Verbraucherländer - so genannte Spezifikationen - eine Rolle spielen.

Valora: «Haben rechtsgültigen Vertrag»

Ebenfalls eng mit Tamoil arbeitet die Kiosk-Kette von Valora zusammen: Valora betreibt einen Grossteil der Tamoil-Tankstellenläden. Valora hat bis jetzt 35 Tamoil-Tankstellen in Avec-Shops umgewandelt. Die Unternehmensspitze sieht darin allerdings kein Problem. «Valora hat mit der Schweizer Niederlassung von Tamoil einen rechtsgültigen Vertrag und wir werden unseren Verpflichtungen entsprechend nachkommen», sagt Valora-Sprecherin Stefania Misteli gegenüber 20 Minuten Online.

(hpa)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Meier am 07.03.2011 08:06 Report Diesen Beitrag melden

    Was bitte

    soll es denn nützen nicht bei Tamoil zu tanken, wenn alle anderen Tankstellen in der Schweiz Tamoil Benzin in ihren Schläuchen führen. Wer Gaddafi wirklich mit einem Boykott treffen will, der nimmt die Bahn und lässt das Auto stehen! Alles andere ist nicht konsequentes Geschwätz.

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  • kein Bezin von Gadaffi am 07.03.2011 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    TAMOIL Bande

    Kaufe schon seit längerem kein TAMOIL Benzin mehr, wenn dies alle so machen würden werden sich Coop und Migros auch anders besinnen, aber eben es geht wiederum nur ums liebe Geld.

  • Josef Ehrsam am 07.03.2011 03:18 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es eine Liste?

    Ich möchte auch kein Benzin von Libyen kaufen. Aber wie kann ich feststellen welche Tankstellen ich meiden muss. Bei Tamoil ist das mir ja klar. Aber welche Tankstellen noch?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 07.03.2011 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Wen Boykottiert ihr wirklich?

    Und was bitte können all die Leute die da arbeiten und ihren Lohn erhalten dafür? Sollen die sich dann alle arbeitslos melden? Überlegt einfach mal wen ihr wirklich straft mit solchen sinnlosen Aktionen. Mal wieder das Fussvolk. Denjenigen welche die Grosse Kohle kassieren ist es doch egal ob paar Millionen aus der Schweiz weniger kommen oder nicht, die bemerken dies in ihrer Geldbörse noch nicht mal. Aber der Kassierer und der Verkäufer am Tankstellenshop allemal.

  • Autofahrerin am 07.03.2011 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    Bild

    Hat sich mal jemand in all der Ereiferung auf das Bild geachtet? Köstlich wie der Herr sich abmüht ;-)

  • maja naef am 07.03.2011 13:30 Report Diesen Beitrag melden

    kann auch Vorteil sein

    Ich denke für die Libyer ist es jetzt von Vorteil, das der Rest der Welt auf ihr Oel angewiesen ist. Niemand will Gaddafi, der muss weg, da sind sich die wichtigsten einig. Das heisst also die Aufständische bekommen Unterstützung.

  • Sinful Lust am 07.03.2011 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Boykott ist Richtig

    Was ich nicht ganz verstehe ist, dass MIGROS und COOP mit gutem Gewissen noch Treibstoff von Tamoil beziehen. Aber auch in den angeblich sozialen und suaberen Chefetagen hat die Gier nach Geld einzug erhalten.

  • jörg am 07.03.2011 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    wer übernimmt verantwortung?

    genau da liegt das problem. die grossen drücken sich davor verantwortung zu übernehmen, und für uns ist es mühsam konsequent gaddhafi-produkte zu umgehen. ich will nicht nur fairtrade-bananen, ich will mit gutem gewissen (soweit das beim öl überhaupt möglich ist) tanken ohne dieses regime zu unterstützen.