Einschätzung

23. Februar 2012 13:48; Akt: 23.02.2012 14:06 Print

Brady Dougans letzte Schlacht

von Lukas Hässig - Der CS-Chef muss in diesen Wochen beweisen, dass seine Investmentbank noch etwas taugt. Wenn nicht, kriegt die Grossbank wohl bald einen neuen CEO - von aussen.

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Kommt CS-CEO Brady Dougan ins rudern? (Bild: Keystone)

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Nach aussen gibt sich Brady Dougan stoisch wie eh und je. Wenn man ihn lasse, werde er die Credit Suisse (CS) noch lange leiten. Ob man ihn lässt, hängt allein von Dougan selbst ab. Der geborene Investmentbanker ist just mit seiner eigenen Spezialität tief in die roten Zahlen gestürzt. Aus diesem Loch muss er rasch raus, sonst begräbt es ihn.

Es laufe jetzt wieder ganz anständig, meinte Dougan kürzlich. Ob das reicht, hängt von der Konkurrenz ab. Wenn Goldman Sachs, J.P. Morgan, Deutsche Bank und auch die UBS in ihrem Handelsgeschäft im ersten Quartal 2012 besser abschneiden, gehen Dougan die Argumente aus.

Brady, der clevere Karrierist

Dougans Stärke wird zu seiner Schwäche. Die CS war traditionell stärker aufs Investmentbanking fokussiert als die UBS. Sie hatte schon in den 1980er Jahren mit der Wallstreet-Bank First Boston einen grossen Fuss ins angelsächsische Big Banking gesetzt. Seither ist die CS dort ein Faktor.

Für seine Wahl zum CEO und Nachfolger des legendären Oswald Grübel vor fünf Jahren spielte Dougans Investmentbanking-Herkunft die entscheidende Rolle. Dougan überholte mit cleverem Lobbying in eigener Sache seine internen Konkurrenten, allen voran Konzernanwalt Urs Rohner und Winterthur-Sanierer Lenny Fischer, und liess die Rufe nach einem externen Spitzenmann verstummen. Der Grund war, dass die CS-Investmentbank auf allen Zylindern kraftvoll lief.

Dougans CS blieb lange unter dem Radar

Kurz nach seiner Stabsübernahme im Frühling 2007 brach die grosse Subprime-Krise aus. Obwohl auch die CS mit undurchsichtigen US-Hypothekenvehikeln Milliarden in den Sand setzte, steuerte Dougan unbeschadet durch den Sturm. Das Augenmerk war auf die viel stärker betroffene UBS gerichtet, die zuletzt zur Rettungsleine des Steuerzahlers greifen musste.

Beinahe unter ging, dass auch die CS auf dem Höhepunkt der Krise kurz nach dem Kollaps der Wallstreet-Ikone Lehman Brothers frisches Eigenkapital in Milliardenhöhe benötigte. Dieses schossen reiche Araber ein, deren Risiko ziemlich gering blieb. Das nötige Geld für die Kapitalspritze wurde den Scheichs in Form von Darlehen zugestreckt - von der CS selbst.

Da war Dougan in seinem Element. Faktisch zog sich die CS am eigenen Haarschopf zum Sumpf heraus, wie weiland Baron von Münchhausen. Mitten im heulenden Sturm war das für die Aufsicht in Bern okay, und die Medien waren zu stark mit dem Nahtod-Erlebnis der UBS beschäftigt, als dass sie das Konstrukt der CS-Investmentbanker kritisch durchleuchtet hätten.

Das böse Erwachen

Dougan schwebte auf Wolke 7, seine CS galt als jene Grossbank, die mit geblähten Segeln in Richtung «New Banking» auf- und davon eilte. Umso herber fiel die Enttäuschung aus, als die Zahlen zuerst bröckelten und dann einbrachen.

Nun fiel Dougan in Ungnade, das Vertrauen war weg. Offiziell hält Urs Rohner, der einstige Widersacher um den CEO-Job, der inzwischen auf den Präsidentenstuhl gehievt wurde und damit Dougans Boss geworden ist, nach wie vor zum Amerikaner.

Doch CS-Insider «riechen» Rohners Ungeduld. «Brady's Zeit läuft aus», sagt ein CS-Manager. Ein Ex-Tophshot der CS bringt das Dilemma auf den Punkt. «Dougan steht für Investmentbanking, und Investmentbanking kann aber nicht mehr die Zukunft der CS sein. Also ist Dougan für die neue Strategie mit Fokus Vermögensverwaltung der falsche Mann.»

Intern herrscht Wüste

Wer wäre der Richtige? Intern drängt sich keiner auf. Hans-Ulrich Meister hat einen steilen Aufstieg zum Chef der weltweiten Vermögensverwaltung geschafft. Doch die Integration der Tochterbank Clariden Leu sorgt für Unruhe. Meister lasse dort die Zügel schleifen, sagt ein CS-Kritiker.

Von der Investmentbank drängt sich, mal abgesehen von strategischen Überlegungen, aufgrund der Persönlichkeit kein CS-Topshot für den CEO-Job auf. Dougan habe es verpasst, starke Leute aufzubauen, sagt ein Ex-CS-Topshot. Das würde ihm nun als grösste Schwäche angekreidet. «Brady wollte nie starke Figuren um sich.»

Bleiben mögliche Externe. Soll es ein Schweizer sein, dann kommen einem die üblichen Verdächtigen in den Sinn: Hugo Bänziger, der Schweizer Risikochef in Diensten der Deutschen Bank, Axel Lehmann, Risikochef der Zürich-Versicherung und UBS-Verwaltungsrat. Oder dann Leute, die nach Dougans Machtübernahme bei der CS von Bord gegangen sind, wie Lenny Fischer, der heute eine kleine Handelsbank führt, oder Ulrich Körner, oberster Stabschef der UBS. Überzeugend ist die Auswahl noch nicht. CS-Präsident Urs Rohner steht vor schwierigen Wochen.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ob er nun gehen muss, oder sich halten kann. Dieser Mann hat schon lange ausgesorgt. Man müsste Bankenmanager direkt mit ihrem eigenen Vermögen an die Zahlen der Banken hängen. Verdient die Bank = Verdient der Manager, Verliert die Bank = Verliert der Manager sein (bis dato bei der Bank erwirtschaftetes) geld. – mMee

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carla b. am 23.02.2012 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    und?

    muss er dann seine boni zurückgeben?

  • Jessie J am 23.02.2012 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CS - AG kein Staatsbetrieb

    Die CS ist eine Aktiengesellschaft und darf ja wohl jedem Mensch zahlen soviel sie möchte... Hört auf zu jammern

  • T. Schüss am 23.02.2012 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremd

    Kein Mensch auf der Welt verdient solche Phantasielöhne, wie sie ein Herr Dougan abkassiert. Es zeigt sich einmal mal mehr, wie weltfremd diese Banken agieren. Es sind halt nur noch gemanagte Gebilde und keine Unternehmen mehr! Es fehlen wahre Unternehmer, die ihre Verantwortung wahrnehmen und nicht mit abgehobenen Salären rumprotzen müssen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jessie J am 23.02.2012 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CS - AG kein Staatsbetrieb

    Die CS ist eine Aktiengesellschaft und darf ja wohl jedem Mensch zahlen soviel sie möchte... Hört auf zu jammern

  • Ex-CS MA am 23.02.2012 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Brady wollte nie starke Figuren um sich

    Stimmt - aber nicht nur Brady, das zieht sich bis ganz unten durch. Schwache Vorgesetzte fördern keine Mitarbeiter weil diese ihnen "gefährlich" werden könnten. Daher gehen die wirklich fähigen Leute weg und werden durch Schaumschäger nach dem angelsächsischen Schema ersetzt. Die angebliche Karriere in der CS? - vergesst es! Zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer.

  • T. Schüss am 23.02.2012 19:09 Report Diesen Beitrag melden

    Weltfremd

    Kein Mensch auf der Welt verdient solche Phantasielöhne, wie sie ein Herr Dougan abkassiert. Es zeigt sich einmal mal mehr, wie weltfremd diese Banken agieren. Es sind halt nur noch gemanagte Gebilde und keine Unternehmen mehr! Es fehlen wahre Unternehmer, die ihre Verantwortung wahrnehmen und nicht mit abgehobenen Salären rumprotzen müssen.

  • monika am 23.02.2012 18:24 Report Diesen Beitrag melden

    goldener Fallschirm

    Das stört doch den Brady nicht. Sein Fallschirm wird sicher schön vergoldet sein.

  • Durchlauferhitzer am 23.02.2012 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe diese Typen so satt!

    Diese CEO's "verdienen" ein Schweinegeld mit der Begründung, man müsse so viel bezahlen sonst bekomme man keine Topmänner. Wenn wir anstelle diese Abzocker mit ihren über 70 Millionen Bonus 70 immer noch sehr gut bezahlte andere Personen einstellen würden sollte das die ach so magischen Fähigkeiten dieses Wunderkindes doch glatt wett machen. Zudem sollten alle COS als Strafe dafür das sie Arbeitsplätze ins Ausland verschachern mindestens 50% der Boni der letzten Jahre an das RAV abgeben müssen.

    • Nico Schnell am 23.02.2012 19:53 Report Diesen Beitrag melden

      Fehlt gar nicht!

      Dem stimme völlig zu. So oder so, wenn der Dougan morgen weg ist, ändert sich nichts, man wird ihn nicht mal vermissen - also rein von der Wichtigkeit her. Zudem sage ich schon lange: Wenn Unternehmen Saläre über einer Million auszahlen, so dürfen Sie keine Arbeitsplätze abbauen, dies sollte natürlich weltweit greifen.

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