Fielmann

16. Februar 2011 11:41; Akt: 16.02.2011 11:42 Print

Brillengigant will die Ohren erobern

von Alex Hämmerli - Fielmann bläst zur Offensive. Der Optiker will in jeder zweiten Schweizer Filiale eine Hörgeräteabteilung haben. Die neuen Pauschalbeiträge der IV spielen Fielmann in die Hände.

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Die deutsche Brillenkette Fielmann hat die Hörgeräte für sich entdeckt. In 50 seiner europaweit 650 Filialen verkauft der Optiker bereits Hörhilfen. Und in den kommenden Jahren sollen laut der «Welt» etliche dazukommen. Das Ziel der Europa-Konzernleitung: Bis 2014 soll jedes dritte Geschäft eine Akustiker-Abteilung haben.

Der Schweiz kommt dabei eine Vorreiterrolle zu. Schon heute haben 11 der 28 Filialen hierzulande eine Hörgeräteabteilung (also fast 40 Prozent). Die erste wurde bereits im Jahr 2000 eröffnet. «Mindestens jedes zweite Geschäft in der Schweiz soll künftig eine solche Abteilung haben», sagt Thomas Löhr, Chef von Fielmann Schweiz gegenüber 20 Minuten Online. Diese Vorgabe dürfte bereits dieses Jahr Realität werden: «Vier weitere Abteilungen werden voraussichtlich bis 2012 dazukommen.», bestätigt er.

Fielmann wittert das grosse Geschäft

Laut Löhr verkaufte Fielmann 2010 in der Schweiz rund 1500 Hörgeräte. Damit hat Fielmann einen Marktanteil von rund 2 Prozent. Pro Jahr werden hierzulande rund 70 000 Hörhilfen verkauft. Dabei halten kleine, unabhängige Akustiker rund 40 Prozent des Marktes. Meist ausländische Ketten haben einen Marktanteil von 60 Prozent. Fielmann rechne damit, dass man den Marktanteil in kurzer Zeit «mindestens verdoppeln» könne, so Löhr. Damit wäre der Optiker weiter als die Galenica-Tochter Amavita, die mit Standardgeräten bereits einen Marktanteil von 3 Prozent erobert hat.

Doch wieso ist der Schweizer Markt so interessant für Fielmann? Ein wichtiger Grund liegt in den immer noch hohen Preisen in der Schweiz. In der Branche munkelt man, zwei Drittel des Endpreises eines Hörgeräts gingen an die Zwischenhändler. Und die Preisdifferenz zwischen den Akustikern beträgt bis zu 30 Prozent, heisst es beim Schweizer Fachverband der Hörgeräteakustik, Akustika.

Tiefere Beiträge vom Bund

Die Preise dürften nun aber unter Druck geraten. Weil der Bund bislang zu wenig Bewegung im Markt sieht, will er ab 1. Juli ein Pauschalsystem einführen. Konkret finanzieren AHV und IV danach ein Hörgerät nur noch mit 840 Franken, beziehungsweise zwei mit 1650 Franken. Die bisherigen Höchstbeiträge liegen deutlich höher: Für schwere Hörstörungen betragen sie bis 3355 Franken. Der Bund will damit die durch Hörgeräte verursachten Kosten von heute 100 Millionen auf rund 70 Millionen Franken pro Jahr senken.

«Wir rechnen damit, dass wir davon profitieren werden, wenn die AHV- und IV-Beiträge eingedampft werden», sagt Löhr. Denn wie bei den Brillen gelte bei Fielmann auch bei den Hörhilfen die Tiefstpreis-Garantie. Soll heissen: Findet ein Kunde das gekaufte Gerät woanders zu einem tieferen Preis, gibt’s das Geld zurück. Fielmann nutzt beim Einkauf seine Grösse, um Mengenrabatte auszuhandeln. Diesen Vorteil spielt das Unternehmen aus, um preissensible Kunden anzulocken. «Bisher war der Preis bei den Hörgeräten für die Kunden kein grosses Thema», so Löhr, «das wird sich aber ändern, wenn die Leistungen des Bundes zurückgefahren werden.»