Tankstellenshops

28. Juni 2013 15:39; Akt: 28.06.2013 15:59 Print

Bürgerliche wollen Wurst und Eier - rund um die Uhr

Dass der Staat bestimme, welche Produkte nachts verkauft werden dürften, sei als ob vorgeschrieben würde, wann ein Bedürfnis für sexuelle Aktivitäten zu bestehen habe, sagt das Ja-Komitee.

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Die Änderung der Regeln über die Nacht- und Sonntagsarbeit im Arbeitsgesetz würde Tankstellenshops erlauben, künftig rund um die Uhr sämtliche Produkte aus ihrem Sortiment zu verkaufen. (Bild: Keystone)

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Die bürgerlichen Parteien sehen die geplante Lockerung des Arbeitsgesetzes für Tankstellenhops nicht als ersten Schritt zu längeren Öffnungszeiten. Es gehe lediglich darum, absurde Regeln abzuschaffen, sagten die Vertreter des Ja-Komitees am Freitag vor den Medien in Bern.

Die Änderung der Regeln über die Nacht- und Sonntagsarbeit im Arbeitsgesetz würde Tankstellenshops erlauben, künftig rund um die Uhr sämtliche Produkte aus ihrem Sortiment zu verkaufen. Die Shops könnten in der Nacht ohne Sonderbewilligung Personal beschäftigen, wenn das Warenangebot in erster Linie auf die Bedürfnisse der Reisenden ausgerichtet ist.

Teile des Sortiments abdecken

Gewerkschaften und kirchliche Organisationen haben dagegen das Referendum ergriffen. Dafür sehe er keinen Grund, sagte Christian Lüscher (FDP/GE), auf dessen Initiative das Parlament die Gesetzesänderung beschlossen hatte.

Die betroffenen Betriebe dürften schon heute nachts Personal beschäftigen, müssten aber einen Teil des Sortiments abdecken. Dass der Staat bestimme, welche Produkte nachts verkauft werden dürften, sei absurd. Es führe dazu, dass die Konsumentinnen und Konsumenten die Wahl hätten zwischen schwammiger Pizza und alten Sandwiches.

Bevormundung der Konsumenten

Das Argument der Gegnerinnen und Gegner, das nächtliche Einkaufen von rohen Eiern oder Bratwürsten entspreche keinem echten Bedürfnis, lässt Lüscher nicht gelten. Das sei, als ob der Staat bestimmen würde, wann ein Bedürfnis für sexuelle Aktivitäten zu bestehen habe.

Alois Gmür (CVP/SZ) sprach von einer Bevormundung, die einer freien Marktwirtschaft unwürdig sei. Solche bürokratischen Überregulierungen schwächten den Wirtschaftsstandort Schweiz.

Kein Schritt zu längeren Öffnungszeiten

Die Befürchtung, dass bei einem Ja schweizweit 24-Stunden-Shops aus dem Boden schiessen, hält das überparteiliche Ja-Komitee für unbegründet. Betroffen seien nur Shops, die bereits heute durchgehend geöffnet haben dürften.

In urbanen Gebieten und an Autobahnen gebe es ein ausgewiesenes Bedürfnis, sagte Rosmarie Quadranti (BDP/ZH). Schichtarbeitende schätzten die Möglichkeit, ausserhalb der Geschäftszeiten kleinere Einkäufe zu tätigen. An den meisten anderen Orten würde der notwendige Umsatz nicht erzielt.

Aus Sicht des Ja-Komitees hat die geplante Änderung des Arbeitsgesetzes auch nichts mit den parlamentarischen Vorstössen und Beschlüssen für eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten zu tun. Was diese Pläne betreffe, seien sich nicht alle auf dem Podium einig. Bei den Tankstellenshops dagegen schon.

Nachtarbeit als Chance

Dass künftig - wie die Gegner befürchten - mehr Angestellte nachts arbeiten müssten, wollen die Befürworter nicht ausschliessen. Sie gehen zwar nicht davon aus, hätten allerdings nichts dagegen einzuwenden, wie Martin Bäumle (GLP/ZH) sagte.

Roland Büchel (SVP/SG) sieht Nachtarbeit auch als Chance. Es gebe Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die gerne in der Nacht oder sonntags arbeiten möchten, gab er zu bedenken. Er selbst habe dies während seiner Studienzeit getan. Die flexiblen Arbeitsstellen von Tankstellenshops seien gerade für Studierende und Alleinerziehende besonders attraktiv. Die heutige Sortimentsbeschränkung dagegen gefährde Arbeitsstellen.

Das Ja-Komitee steigt mit dem Slogan «Bratwürste legalisieren» in den Abstimmungskampf. Das Plakat zeigt eine erhobene Hand mit einer Bratwurst. Eine grosse Kampagne ist laut Bäumle indes nicht geplant. Den Befürwortern stünden «einige Hunderttausend Franken» von Wirtschaftsverbänden zur Verfügung. Das Stimmvolk entscheidet am 22. September über die Änderung des Arbeitsgesetzes.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ernst am 29.06.2013 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    dass Menschen zu diesen Zeiten arbeiten

    Es geht nicht um die Freiheit, sondern darum, dass Menschen zu diesen Zeiten arbeiten müssen! Die bürgerlichen können von mir aus am 2 Uhr am Morgen so viel Bratwurst essen wie sie wollen. Doch für diese Freiheit soll nimand gezwugen werden (auch nicht wirtschaftlich) zu arbeiten!

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  • Bruno am 28.06.2013 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht jeder hats so locker

    Wenn eine Tankstelle schon Nachts offen hat, ists lächerlich einen Teil des Sortiments abzudecken. Es soll ja jedes Geschäft entscheiden können wie lange es offen hat und Nachtschichtjobs sollen auch freiwillig sein. Wenn ich zB wie vor einem Monat 4 Wochen lang wegen Termindruck von Mo bis Sa von 7:00 bis 21:30 arbeite und allein lebe, bin ich froh, wenn ich nach der Arbeit noch einkaufen kann, denn die Stunde Mittagszeit brauch ich zum was essen. Oder sollte ich jede Nacht im Mc Donalds essen gehen?

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  • Realist am 30.06.2013 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergesst ihr nein sager nicht etwas?

    Ist euch allen eigentlich bewusst wie viele menschen in der schweiz bereits an wochenenden und in der nacht arbeiten??! Wenn dann müsste mann nacht- und sonntags arbeit überall begrenzen.. Aber ihr wollt ja auch sonntags schön im restaurant essen und auf die notfallstation des spital bei einem unfall auf der heimfahrt will wohl auch keiner verzichten.. In vielen wirtschaftsgebieten kann und will man schon lange nicht mehr ohne 24/7.. Ich selbst arbeite auch schicht.. Und dies ebenfalls ohne gute entlöhnung.. Entweder wird der sonntag wieder allgemein familientag für alle, oder ja zu 24/7

Die neusten Leser-Kommentare

  • Realist am 30.06.2013 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergesst ihr nein sager nicht etwas?

    Ist euch allen eigentlich bewusst wie viele menschen in der schweiz bereits an wochenenden und in der nacht arbeiten??! Wenn dann müsste mann nacht- und sonntags arbeit überall begrenzen.. Aber ihr wollt ja auch sonntags schön im restaurant essen und auf die notfallstation des spital bei einem unfall auf der heimfahrt will wohl auch keiner verzichten.. In vielen wirtschaftsgebieten kann und will man schon lange nicht mehr ohne 24/7.. Ich selbst arbeite auch schicht.. Und dies ebenfalls ohne gute entlöhnung.. Entweder wird der sonntag wieder allgemein familientag für alle, oder ja zu 24/7

  • alice am 30.06.2013 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein zu 24/7 

    meint ihr es werden mehr Leute eingestellt. nein das ist nicht so. Man arbeitet einfach mit den Leuten die man hat einfach andere Schichten. wenn das Geschäft 24/7 offen hat verdient es nicht mehr es verteilt sich nur auf den Tag. die meissten Geschäfte schauen auf die Kosten und Arbeiter sind teuer also werden sicher nicht mehr Personal eingesetzt.

  • Ilona am 30.06.2013 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Engstirnig

    Ich bin sehr dafür, dass Läden länger geöffnet sind - oder sogar die ganze Nacht ( wobei dies nicht umbedingt nötig wäre) Man muss es nur so gestalten, dass kein Verkäufer dazu genötigt wird, plötzlich die Nachtschicht zu schieben. Es gibt sicherlich viele Leute, die nachts arbeiten würden - natürlich für mehr Geld! Wer überhaupt denkt dann da an all anderen, die jetzt schon seit Jahren für die Industrie Nachtschicht schieben!? Das ist mitlerweile ganz normal....sollte dann für Verkäufer auch funktionieren......

  • Kurt Balmer am 30.06.2013 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Befürworter sollen in Tankstellen ...

    Dann sollten dann aber genau die Befürworter in den Tankstellen nachts arbeiten gehen. Oder sind diese Bubis sich dann zu schade?

  • J-P am 30.06.2013 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruhezeit

    Wenn man unbedingt gemeinsame Ruhezeit aufgeben will, die man mit der Familie hat.