Vor allem Junge

30. August 2018 05:40; Akt: 30.08.2018 05:40 Print

Büroangestellte lesen Job-Mails schon im Bett

von R. Knecht - Vor dem Aufstehen einen Blick in die Mailbox vom Geschäft werfen – das ist für viele 18- bis 24-Jährige normal. Ratsam ist es aber nicht, sagt ein Personalexperte.

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Whatsapp, Hangouts oder Slack: Zwar gibt es im Vergleich zum herkömmlichen E-Mail längst viel modernere Kommunikationsmittel, doch das 45 Jahre alte Nachrichtensystem dominiert noch heute das Büro. Laut der jährlichen Umfrage der Software-Firma Adobe ist die am meisten genutzte Kommunikationsart mit Arbeitskollegen weiterhin das E-Mail: 72 Prozent der Befragten geben an, sich regelmässig per E-Mail auszutauschen. Bei nur 35 Prozent ist Instant Messaging eine regelmässig genutzte Methode.

Umfrage
Ich finde E-Mails ...

Auffällig ist der Umgang von 18- bis 24-Jährigen mit E-Mails auf dem Job-Account: 44 Prozent sind bereits in der Geschäfts-Mailbox, während sie noch im Bett liegen. 29 Prozent schauen Arbeits-E-Mails an, während sie frühstücken oder sich auf den den Arbeitsweg machen. Über alle Altersgruppen gesehen prüfen über 80 Prozent der Befragten ihre E-Mails ausserhalb der normalen Arbeitszeiten.

Beim Fernsehen und im Badezimmer

Besonders häufig bearbeiten die Befragten ihre E-Mails – ob beruflich oder persönlich – zudem während des Filmschauens und im Badezimmer. Ein Viertel findet, sie prüften ihre Mailbox viel zu oft und sollten reduzieren.

Pro Wochentag verbringen Büroangestellte im Schnitt über drei Stunden mit Mails. Das ist länger als bei der persönlichen E-Post (2,5 Stunden pro Tag). Zudem schauen über 80 Prozent aller 18- bis 24-Jährigen die Geschäfts-Mailbox auch während der Ferien an: 13 Prozent werfen oft oder sogar die ganze Zeit ein Auge auf die Arbeits-E-Mails.

So überstehen Sie nach den Ferien den Job-Alltag

Die E-Mail-Besessenheit hat die Popularität von «Inbox Zero» in die Höhe getrieben. Dabei handelt es sich um den Ansatz, E-Mails so schnell wie möglich nach Erhalt zu bearbeiten, sei es durch Löschen, Antworten oder Weiterleiten (siehe Box). Gery Bruederlin, Dozent und Personalexperte an der Fachhochschule Nordwestschweiz, findet den Ansatz gut, solange er nicht dazu führe, dass man nur noch E-Mails bearbeite: «Wir müssen lernen, E-Mails einfach zu löschen oder weiterzuleiten. Diejenigen, deren Bearbeitung etwas länger dauert, sollen nur während bestimmter Zeitfenster bearbeitet werden», sagt Bruederlin zu 20 Minuten.

Fast 70 Prozent der 18- bis 24-Jährigen geben an, «Inbox Zero» zu erreichen, 24 Prozent der Befragten halten das hingegen für unmöglich.

Angst, etwas zu verpassen

Das ständige Mailbox-Prüfen sei eine kulturelle Entwicklung, sagt Experte Bruederlin zu 20 Minuten: «Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir immer Zugriff haben – das ist nun Teil unserer Routine.» Ein Faktor könne auch sein, dass man denke, man verpasse sonst etwas.

Ratsam sei es aber in den meisten Fällen nicht, dauernd die Mailbox zu kontrollieren. Was gesund sei, müsse jeder für sich selbst entscheiden und sich die nötige Disziplin auferlegen. Bruederlin empfiehlt, nur an zwei bis drei bestimmten Zeitpunkten am Tag E-Mails zu beantworten, ausser es handelt sich um schnell zu erledigende Nachrichten.

Für die Studie von Adobe wurden insgesamt 1000 Büroangestellte in den USA befragt. Alle Befragten besitzen ein Smartphone.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • 4057 Basel am 30.08.2018 05:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stress lass nach.....

    aber woher ihr burnout kommt,wissen sie dann nicht....

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  • Pitri am 30.08.2018 06:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das kann ich bestätigen

    Ich bekam eine Zeitlang auch die Mails vom Geschäft auf mein Handy. Zu Beginn fand ich es noch praktisch, aber irgendwann, merkte ich, dass ich so, selten abschalten konnte.

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  • Tim am 30.08.2018 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bau

    Da arbeite ich lieber auf der Baustelle. Dort wird es schwierig die Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Man denkt nur selten am Abend an die Arbeit.

Die neusten Leser-Kommentare

  • El Comandatore am 30.08.2018 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtigkeit demonstrieren.

    Es ist leider weit verbreitet, dass gerade Verwaltungsangestellte und untere Kader ihre Wichtigkeit über solche unsinnigen Mails und anderes zu beweisen suchen. Kaum hat jemand eine Fimenmailadresse muss natürlich auch damit gespielt werden. Früher war der Schlüssel zur Cheftoilette ein Statussymbol, heute eben die Mailaresse.

  • T.M. am 30.08.2018 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kann warten im Minimum 24 Stunden

    Ist bei mir vorbei dieses immer auf dem neusten Stand sein. Habe ich früher auch gemacht, bedeutet nur ungesunden Stress. Ab 50 ist mir die Work Life Balance immer wichtiger, will schliesslich mein 3 Lebensdrittel noch geniessen können. Jedes Mail kann bis zum nächsten Tag warten, es gibt nichts was so eminent wichtig sein könnte das es gleichentags erledigt werden muss.

  • ein AN am 30.08.2018 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    na klar

    Der AN wird bezahlt für die Erbringung seiner Arbeitsleistung innerhalb der geleisteten Anwesenheit von bsp. 8h am Tag. Der AN soll sich am besten seine Zeiten notieren (check-in/Check-out). Wenn ich ausgecheckt habe, bin ich nicht mehr erreichbar bis ich am nächsten Tag wieder einchecke. Der Mensch verbringt ca. 70% seiner Zeit bei der Arbeit. Und das ist mehr als genug. Falls ein Chef das Gefühl hat ich müsse 24h am Tag erreichbar sein, dann muss ein neuer Vertrag her mit einem Lohn von mind. 10'000/Monat, + Bonus + 13ter + Spesen.

  • Büröler am 30.08.2018 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trennung

    Ich habe meine Job-Mail nicht mit dem Handy verbunden und auch meine Handynummer wird geschäftlich nicht gebraucht. Sobald Feierabend ist, will ich nichts mehr mit Arbeit zu tun haben.

    • Manolo Pignolo am 30.08.2018 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Büröler

      Ja mache ich auch so. Und das geht auch beim 10000 CHF pro Monat. Meine Bank kann problemlos mich jeder Zeit ersetzen...also ich verkaufe 42,5 Std meiner Zeit die Woche und das wars!

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  • Juio De Strauss am 30.08.2018 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir egal

    Habe ich auch früher, aber nun ist seit längerem Schluss. Handy wird zu Hause abgeschaltet und das Notebook bleibt im Auto. Mir ist meine Gesundheit lieber, als das irgendwelche Aktionäre haufenweise Geld bekommen. Auch wennnich selbst so einer bin und weiss, wieviel man ohne was zu machen bekommt. Sonst wir halt gegen den Erfolg gewettet.