Skywork

21. September 2018 16:55; Akt: 21.09.2018 17:11 Print

Bund überwies Pleite-Airline fast 2 Mio Franken

von S. Spaeth - Viel Steuergeld für Soldatentransporte: Skywork führte bis zur Pleite 156 Flüge für die Armee durch. Trotz Konkurs überlegt sich der Bund eine Klage.

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Ein Skywork-Grosskunde war der Bund. Nun zeigen Recherchen von 20 Minuten, wie viel Geld die Armee für die Flüge mit der Berner Airline ausgab. Bis zur Pleite Ende August stellte die gegroundete Airline von CEO Martin Inäbnit dem Bund 154 Flüge in Rechnung. Daraus ergibt sich ein Total von exakt 1'966'020 Franken. Weil der Bund nicht genügend eigene Transportkapazitäten hat, flog Skywork zweimal wöchentlich Schweizer Soldaten der Friedensmission KFOR nach Kosovo. In Kosovo sind gegen 190 Soldaten für die Friedensmission KFOR tätig, in Bosnien-Herzegowina rund 20 für EUFOR. Mit der Skywork-Pleite kam der Bund in eine schwierige Lage. Weil die Soldaten im Ausland weiterhin versorgt und transportiert werden müssen, brauchte die Armee eine Anschlusslösung. Wie ein Zuschlagsentscheid der Armasuisse zeigt, übernimmt die Transporte für die Schweizer Soldaten im Ausland demnächst Zimex Aviation. Bis Ende Jahr kassiert der Anbieter aus Glattbrugg vom Bund exakt 1'047'850 Franken. Bis anhin zahlte der Bund für die Skywork-Versorgungsflüge ins Ausland rund 240'000 Franken monatlich. Der neue Anbieter dürfte hingegen rund 350'000 Franken kosten. Die Berner Airline Skywork hat am 29. August 2018 den Betrieb eingestellt. Skywork flog im Sommer 22 Destinationen in Europa an. Mit dem Skywork-Konkurs verloren rund 100 Angestellte ihren Job. Als Grund für das Grounding gab Skywork gescheiterte Verhandlungen mit einem möglichen Partner an. Skywork gebe die Betriebsbewilligung freiwillig an das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) zurück, hiess es in einer Medienmitteilung von Ende August. Die Firma müsse auf Basis des Obligationenrechts wegen Überschuldung den Konkursrichter benachrichtigen. Mit der Stilllegung von Skywork verabschiede sich «die letzte echte Schweizer Linienfluggesellschaft vom Himmel». Die Geschäftsleitung von Skywork Airlines bedankt sich herzlich bei den Kunden für die Treue.

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Es war einer der letzten Flüge in der Geschichte von Skywork. Am Dienstag, 28. August flog die Airline für den Bund ein letztes Mal Soldaten, Material und Post vom Flughafen Basel in den Kosovo und zurück in die Schweiz. Verrechnet wurde für den Versorgungsflug knapp 30’000 Franken. Am Tag danach kam es zum Grounding, wenig später zum Konkurs der Fluggesellschaft.

Nun zeigen Recherchen von 20 Minuten, wie wichtig der Bund als Kunde für Skywork war. Seit Januar 2018 flog die Airline im Auftrag der Armee immer dienstags von Basel nach Pristina für 13’970 Franken, jede zweite Woche von dort weiter nach Sarajevo für 5290 Franken und zurück nach Basel für 12’260 Franken. Immer freitags ging es von Basel nach Pristina und zurück für rund 28'590 Franken. In Kosovo sind gegen 190 Soldaten für die Friedensmission KFOR, in Bosnien-Herzegowina rund 20 für EUFOR tätig.

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Bis zur Pleite Ende August führt die Airline für die Armee 156 Flüge durch, wie die 38 Rechnungen zeigen. Insgesamt stellte die Fluggesellschaft dem Bund Rechnungen über den Totalbetrag von 1’966'020 Franken, zu überweisen auf ein Skywork-Konto bei der UBS-Zweigstelle in Münsingen. Die finanziellen Details des Dreijahresvertrages waren bis jetzt geheim. Nun zeigt sich, dass es um rund 8,8 Millionen Franken gegangen ist. Weil die Schweizer Armee keine grösseren Flugzeuge zum Personen- und Materialtransport hat, wurde der Auftrag im Sommer 2017 öffentlich ausgeschrieben.

Soldaten folgen im Bundesratsjet

Mit der Skywork-Pleite kam der Bund in eine schwierige Lage. Weil die Soldaten der Friedensmissionen weiterhin versorgt und transportiert werden mussten, setzte der Bund als Übergangslösung auf die Swiss, die slowenische Adria Airways und den Armee-eigenen Transportflieger Beech 1900D. Einmal flogen Soldaten sogar im Bundesratsjet, wie die «NZZ am Sonntag» kürzlich berichtete.

Nun hat der Bund eine neue Lösung gefunden. Wie ein 20 Minuten vorliegender Zuschlagsentscheid zeigt, übernimmt die Transporte für die Schweizer Soldaten im Ausland nun die Airline Zimex Aviation. Der Anbieter ist unter anderem für UNO-Organisationen im Einsatz. Der Vertrag dauert laut Armasuisse vorerst von Mitte September bis Ende November 2018 und hat ein Volumen von 1'047'850 Franken. Zum Deal kam Zimex ohne öffentliche Ausschreibung. Dies ist im Gesetz bei unvorhergesehenen Ereignissen und hoher Dringlichkeit so vorgesehen.

Bund erwägt Skywork zu verklagen

Bis anhin zahlte der Bund für die Versorgungsflüge ins Ausland rund 240’000 Franken monatlich. Der neue Anbieter dürfte hingegen rund 420’000 Franken pro Monat kosten. Etwas juristisch ausgedrückt heisst das: Durch den Konkurs von Skywork ist dem Bund ein Schaden erwachsen, weil er für die kurzfristig eingekauften Transportleistungen viel tiefer in die Tasche greifen muss. «Sollte dem Bund aus dem Konkurs von Skywork Schaden entstanden sein, wird der Bund seine Ansprüche geltend machen und Schadenersatz fordern», sagt Sprecherin Jacqueline Stampfli zu 20 Minuten. Letztlich habe Skywork den Dreijahresvertrag nicht eingehalten.

Ob von der gegroundeten Skywork allerdings noch etwas zu holen ist, wird sich weisen. Derzeit läuft das Konkursverfahren. Von den 38 Rechnungen hat der Bund noch nicht ganz alle bezahlt. «Als Skywork die Betriebseinstellung bekannt gab, hat der Bund einen Zahlungsstopp ausgesprochen», sagt Stampfli. Wie viel Geld Armasuisse vorerst zurückhält, will die Sprecherin aufgrund des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Der CEO des Flughafens Bern-Belp am Tag des Groundings

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meyer am 21.09.2018 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Bund vs. Gutscheine OVS

    Da muss ich aber lachen, bei OVS durften Kunden nicht mal Gutscheine einlösen wegen Konkurs und der Bund will Schadensersatz für nicht geleistete Leistungen! Da sieht man welch Leerlauf beim Bund besteht und diese Beamten wollen mehr Lohn, Vaterschaftsurlaub usw.

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  • Thomas Ernst am 21.09.2018 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Soldaten zurückholen

    Da sieht man mal wie teuer diese sinnlose Auslandsmission ist. Abbrechen und alle zurückholen. Dann braucht es bald keine Flüge mehr.

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  • b. b. am 21.09.2018 17:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    toll

    Toll und die SWISSAIR hat man einfach zu grunde gehen lassen!!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Stefan am 21.09.2018 22:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was will man da noch gross erwarten

    Der Bund lässt Schweizerairlines sterben zuerst die Swissair und jetzt die nöchste Airline. Aber den Banken die Rettet man komme was wolle. Traurig. Hätte der Bund der Swissair eine Finanzspritze gegeben wäre sie heute noch in der Luft.

  • Peps am 21.09.2018 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bund zu wenig kritisch

    Unsere Politik ist zu wenig kritisch

  • Don Logan am 21.09.2018 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    mit Steuergelder

    Toll, der Bund und damit wir Steuerzahler dürfen für Skywork aufkommen. Die Swissair hat man einfach in den Konkurs sausen lassen. Für Armeeflieger ist immer Geld da.

  • warum noch Klage und Forderungen? am 21.09.2018 22:23 Report Diesen Beitrag melden

    Skywork

    Erst Zuckerbrot, dann Peitsche. Der Bund wusste doch auf was er sich gefasst machen musste. 2 Millionen hat man schon für weniger verbraten. Eine nationale Fluggesellschaft im Kanton Bern ist es doch wert gewesen.

  • Christoph am 21.09.2018 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nervt gewaltig

    Schon vor einem Jahr habe ich gesagt skywork ist konkurs. Belp schliessen. Absolut nicht konkurrenzfähig. Wir haben 3 Flughäfen die in kurzer Zeit zu erreichen sind. Die Sturheit der Berner nervt. Aber dann beim Finanzausgleich die hohle Hand hinhalten und bei der Reithalle wegschauen