«House of Switzerland»

23. Mai 2019 04:48; Akt: 23.05.2019 04:48 Print

Bund zahlt für VIP-Lounge am WEF 140'000 Franken

von S. Spaeth - Die offizielle Schweiz sichtbarer machen: Das war ein Ziel des «House of Switzerland» in Davos. Nun zeigen Recherchen, was der Bund für seine Präsenz ausgegeben hat.

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Bundespräsident Ueli Maurer bei seiner Rede zur Eröffnung des «House of Switzerland» in Davos. Mit der offiziellen Schweizer Dependence will der Bund die Schweiz am WEF sichtbarer machen. Erstmals richtete die Schweiz in der VIP-Lounge des Hockey Clubs Davos (HCD) das «House of Switzerland» ein. Und liess sich den Auftritt einiges kosten. Allein für den Leuchtkasten, eine Art überdimensionierter Wegweiser fürs «House of Switzerland», gab der Bund 4887 Franken und 50 Rappen aus. Total belaufen sich die Ausgaben fürs «House of Switzerland» auf 137'977 Franken, wie aus der Abrechnung des Aussendepartements EDA hervorgeht. Im Bild: Bundesrat Ignazio Cassis (links) und Ueli Maurer. Doch sind 140'000 Franken für eine Lounge am WEF gerechtfertigt? «Die Schweiz hat dank Unterstützung der Gemeinde Davos bei den Mietkosten Vorzugsbedingungen erhalten», hiesst es beim Bund. Zudem betont der Bund, der finanzielle Aufwand fürs «House of Switzerland» sei verglichen mit den am WEF üblichen Preisen auf einem korrekten Niveau. Bundespräsident Ueli Maurer begrüsst im «House of Switzerland» die ukrainische Ministerin Oksana Markarova und Petro Poroshenko, den damaligen Präsidenten der Ukraine. Partystimmung! Während der vier Tage des Forums besuchten rund 1000 Personen das «House of Switzerland», darunter Poltiker, Staatssekretäre sowie CEOs und NGO-Vertreter. Ob Politiker und Firmenchefs auch 2020 im «House of Switzerland» networken, ist offen. «Wir sind mit dem Bund in Kontakt und gehen davon aus, dass wir die Räumlichkeiten wieder zur Verfügung stellen dürfen», heisst es beim HCD. Das «House of Switzerland» befindet sich im Stadion des Hockey Clubs Davos. Von der Lounge aus hat man eine gute Sicht aufs Spielfeld. Das «House of Switzerland» ist zu Fuss nur fünf Minuten vom Kongresszentrum entfernt. Im Bild: Die Klimaaktivistin Greta Thunberg. Zusätzlich zum «House of Switzerland» hatte die Schweiz im Davoser Kongresszentrum erstmals auch eine eigene Swiss Lounge. «Sie wurde Bundespräsident Ueli Maurer für seine bilateralen Arbeitstreffen kostenlos zur Verfügung gestellt», heisst es beim EDA.

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Was für andere Länder längst zum Standard gehörte, hatte die Schweiz als Gastgebernation während Jahren verschlafen: das WEF zur Selbstvermarktung nutzen. 2019 sollte sich dies ändern: Erstmals richtete die Schweiz in der VIP-Lounge des Hockey Club Davos (HCD) das offizielle «House of Switzerland» ein – zu Fuss nur fünf Minuten entfernt vom Kongresszentrum. In edler Holzatmosphäre mit Bar und Lounge-Sesseln trafen Bundesräte und Staatssekretäre auf internationale Gäste, Firmenbosse und Vertreter von NGOs.

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Nun zeigen Recherchen von 20 Minuten, wie viel Geld sich die Schweiz ihre Inszenierung hat kosten lassen: Allein die Miete der VIP-Räume im Eisstadion für eine Woche betrug 50'000 Franken. Hinzu kommen unter anderem Kosten von 40'000 Franken fürs Servicepersonal, 30'000 Franken fürs Catering, 8000 Franken für Umbauten sowie 3500 Franken für Sicherheitskräfte – insgesamt 137'977 Franken, wie Dokumente des Aussendepartements EDA zeigen.

Vorzugsbedingungen bei den Mietkosten

Der Bund zieht nach dem «House of Switzerland»-Pilotprojekt eine positive Bilanz. «Während der vier Tage des Forums besuchten 1000 Personen das ‹House of Switzerland› und nutzten es als neue Netzwerk- und Kommunikationsplattform», sagt EDA-Sprecher Pierre-Alain Eltschinger. Die neuen Räume hätten zudem zu einer einfacheren Abwicklung der bilateralen Treffen und zu mehr Sichtbarkeit der offiziellen Schweiz geführt.

Doch sind fast 140'000 Franken für eine Lounge am WEF gerechtfertigt? «Die Schweiz hat dank Unterstützung der Gemeinde Davos bei den Mietkosten Vorzugsbedingungen erhalten», so Eltschinger. Dadurch sei der finanzielle Aufwand verglichen mit den am WEF üblichen Preisen auf einem korrekten Niveau. Zudem hat der Bund seine Dependance auch Dritten zur Verfügung gestellt, etwa den Exportförderern von Switzerland Global Entreprise oder der UNO. Die Räume gab der Bund gratis, verrechnet wurde aber das Catering.

4900 Franken für Leuchtkasten

Ob Politiker und Firmenchefs auch 2020 im «House of Switzerland» networken, ist offen. «Wir sind mit dem Bund in Kontakt und gehen davon aus, dass wir die Räume wieder zur Verfügung stellen dürfen», sagt HCD-CEO Marc Gianola. Aus Bern heisst es: Der Bundesrat dürfte noch vor der Sommerpause entscheiden. Kommts zu keinem Deal, wird der HCD seine Lounge während des WEF anderweitig vermieten. Laut Gianola hat erst der Stadionumbau ermöglicht, den VIP-Bereich ab 2019 extern zu nutzen.

Treibende Kraft hinter dem «House of Switzerland» ist Präsenz-Schweiz-Chef Nicolas Bideau. Die Idee fürs Konzept stammt von den Olympischen Spielen, wo die Schweiz seit Jahren mit eigenem Haus präsent ist: «Der Trend, dass Länder die Vorteile der WEF-Plattform mit eigenen Nationenhäusern aktiv nutzen, nimmt seit Jahren zu», sagt der Botschafter. Darum habe auch die Schweiz die Möglichkeit diskutiert, die Präsenz am WEF zu verstärken.

Leuchtkasten für fast 5000 Franken

Zusätzlich zum «House of Switzerland» hatte die Schweiz im Davoser Kongresszentrum erstmals auch eine eigene Swiss Lounge. «Sie wurde Bundespräsident Ueli Maurer für seine bilateralen Arbeitstreffen kostenlos zur Verfügung gestellt», heisst es beim EDA.

Ein Blick auf die Ausgabenposten zeigt, dass der Schweiz für den Auftritt am WEF nichts zu teuer war. Für Blumen und Deko investierte der Bund 2320 Franken. Und den Leuchtkasten, eine Art überdimensionierten Wegweiser fürs «House of Switzerland», liess sich der Bund 4887 Franken und 50 Rappen kosten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • McEinstein am 23.05.2019 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja, und?

    Es wurde schon bedeutend mehr Geld für weitaus sinnloseres ausgegeben. 140K sind Peanuts. Denken Sie mal, wieviele Jobs in der CH von Exportprodukten abhängig sind, und wieviel Steuersubstrat diese kreieren.

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  • Ernst Eggenberger am 23.05.2019 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sponsoring oder selber berappen

    Solche Sachen kosten eben. Man will ja als Land die Gäste nicht im Kuhstall empfangen! Grosse Firmen würden das sicher Sponsern, aber wollen wir solche Korruptionsfällen?! Das wäre der falsche Weg.

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  • Andi am 23.05.2019 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    na und?

    Das ist doch eigentlich gar nicht viel. Wir müssen aufhören immer über alles motzen....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Loocka am 23.05.2019 18:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist doch ok

    Wir müssen uns dem Ausland so präsentieren, die Konkurrenz wird immer grösser...

  • d.l. am 23.05.2019 12:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht exakt

    Was zahlt der Bund? Der Bund bedient sich! Zahlen tut der Steuerzahler...

  • Was soll's am 23.05.2019 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Wir können es uns leisten

    und sollten es uns wert sein. Schliesslich ist die CH ein Land für das sich selbst China und die USA interessieren. Da wäre falsche Bescheidenheit doch unangebracht. Oder?

  • chrigu, am 23.05.2019 11:18 Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache man ist dabei,

    140000 Fr. gegenüber 6 000 Millionen für neue Flieger das sieht man kaum, aber 6 Millionen für die Sanierung des Flughafen Belp haben sie kein Geld.

  • Pablo am 23.05.2019 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Post

    Lieber so etwas als eine Poststelle (Wetzikon) die vor 2 Jahren neu eingerichtet wurde jetzt schon wieder zu renovieren. Mit Kinderecke, in einer Post wo man nie Kinder antrifft.

    • Tom Roth am 23.05.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pablo

      Kinder wollen eben Kinderecke zum spielen.

    • Jan am 23.05.2019 17:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pablo

      Die Post hat einfach zu viel Geld...

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