41,6 Millionen Franken

15. Dezember 2019 19:13; Akt: 15.12.2019 19:13 Print

Beamte bewerten sich gut und erhalten so mehr Lohn

von B. Scherer - Mitarbeiter vom Bund, die für ihre Arbeit gut bewertet werden, erhalten eine Lohnerhöhung. Das sei Verschwendung von Steuergeldern, kritisiert der Bund der Steuerzahler.

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Das Jahresgespräch für Bundesangestellte ist oftmals mit einer Lohnerhöhung verbunden: Wird die Leistung eines Mitarbeiters als sehr gut bewertet, wird der Lohn bis zu vier Prozent erhöht Gleichzeitig erhalten Angestellte des Bundes eine Lohnkürzung, wenn ihre Leistung als ungenügend eingestuft wird. Doch das passiert sehr selten, heisst es weiter: Nur 0,3 Prozent der Belegschaft gilt als Problemfall. Dagegen erhalten 96 Prozent der Beschäftigten eine gute Bewertung und damit einen höheren Lohn. So hat der Bund seinen Angestellten letztes Jahr 41,6 Millionen Franken mehr Lohn zugesprochen. «Das ist eine Verschwendung der Steuergelder», sagt Thomas Fuchs, Geschäftsführer vom Bund der Steuerzahler. Denn es könne fast nicht sein, dass alle Angestellten eine sehr gute Leistung erbringen. Weil es beim Bund kaum zu Kündigungen käme, müsse das Parlament das Lohnsystem überarbeiten und anpassen. «Das ist der Bund dem Steuerzahler schuldig», so Fuchs. Barbara Gysi, Präsidentin des Personalverbandes des Bundes verteidigt das Lohnsystem: «Es ist doch logisch, dass gutes Personal, gut bewertet wird und damit eine Lohnerhöhung erhält.» Beim Bund werde eine strenge Vorauswahl getroffen, damit nur fähiges Personal angestellt wird. Auch den Vorwurf, dass es kaum Entlassungen bei den Bundesangestellten gebe, weist Gysi zurück: «In den letzten Jahren wurden Stellen gestrichen und auch Mitarbeitende, die eine schlechte Leistung erbrachten, entlassen.» Erhalten Angestellte eine schlechte Bewertung, würde zudem Massnahmen ergriffen: «Die Mitarbeitenden werden gezielt gefördert, damit sie bessere Leistungen erbringen können.»

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Gegen Ende Jahr folgen in den meisten Unternehmen die Mitarbeitergespräche. Genauso läuft es auch beim Bund ab. Dabei ist das Jahresgespräch für Bundesangestellte oftmals mit einer Lohnerhöhung verbunden: Wird die Leistung eines Mitarbeiters als sehr gut bewertet, wird der Lohn bis zu vier Prozent erhöht, wie die «SonntagsZeitung» (Bezahlartikel) schreibt.

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Gleichzeitig erhalten Angestellte des Bundes eine Lohnkürzung, wenn ihre Leistung als ungenügend eingestuft wird. Doch das passiert sehr selten, heisst es weiter: Nur 0,3 Prozent der Belegschaft gilt als Problemfall. Dagegen erhalten 96 Prozent der Beschäftigten eine gute Bewertung und damit einen höheren Lohn. So hat der Bund seinen Angestellten letztes Jahr 41,6 Millionen Franken mehr Lohn zugesprochen. Damit hat jeder der 38'223 Mitarbeitern im Durchschnitt 1088 Franken mehr Jahreslohn erhalten.

Schützen sich die Mitarbeiter gegenseitig?

«Das ist eine Verschwendung von Steuergeldern», sagt Thomas Fuchs, Geschäftsführer vom Bund der Steuerzahler, im Gespräch mit 20 Minuten. Denn es könne fast nicht sein, dass alle Angestellten eine sehr gute Leistung erbringen. So werde in der Privatwirtschaft oftmals bis zu einem Viertel der Belegschaft als ungenügend eingestuft. Dass beim Bund so viele Angestellte sehr gut bewertet werden, erwecke den Eindruck, dass sich die Mitarbeiter gegenseitig schützen.

Weil es beim Bund kaum zu Kündigungen käme, müsse das Parlament das Lohnsystem überarbeiten und anpassen. «Das ist der Bund dem Steuerzahler schuldig», so Fuchs. Mit seiner Kritik steht er nicht alleine da: Vor allem bürgerliche Politiker bemängeln das Lohnsystem, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. So habe die Finanzkommission des Nationalrats den Bundesrat im September beauftragt, eine Entkopplung der Lohnentwicklung von der jährlichen Leistungsbeurteilung zu prüfen.

Schlechtes Personal wird gefördert oder entlassen

Barbara Gysi, Präsidentin des Personalverbandes des Bundes verteidigt das Lohnsystem: «Es ist doch logisch, dass gutes Personal gut bewertet wird und damit eine Lohnerhöhung erhält.» Beim Bund werde eine strenge Vorauswahl getroffen, damit nur fähiges Personal angestellt wird.

Auch den Vorwurf, dass es kaum Entlassungen bei den Bundesangestellten gebe, weist Gysi zurück: «In den letzten Jahren wurden Stellen gestrichen und auch Mitarbeitende, die eine schlechte Leistung erbrachten, entlassen.» Erhalten Angestellte eine schlechte Bewertung, würde zudem Massnahmen ergriffen: «Die Mitarbeitenden werden gezielt gefördert, damit sie bessere Leistungen erbringen können.»

27 Millionen Franken Prämien verteilt

Fast die Hälfte der Bundesangestellten haben ihr Lohnmaximum erreicht. Trotz guter Bewertungen kann dann nicht mehr mit einer Lohnerhöhung gerechnet werden. Zur Motivation werden in diesem Fall Prämien verteilt. 20 bis 40 Prozent und in einigen Fällen sogar die ganze Belegschaft erhalten solche Geldprämien: Letztes Jahr kosteten diese Prämien den Bund rund 27 Millionen Franken.

«Das ist nicht zulässig: Diese Prämien sollten Angestellte nur erhalten, wenn sie eine Zusatzleistung erbracht haben», sagt Fuchs vom Bund der Steuerzahler. Als «nicht ideal» beurteilt auch Barbara Gysi vom Personalverbandes des Bundes die Leistungsprämien. Allerdings: «Das Prämiensystem ist eine Annäherung an die Privatwirtschaft.» Denn vonseiten bürgerlicher Politiker seien solche Prämien, die als Anreiz für eine bessere Leistung bezahlt werden, gewünscht worden.«Und jetzt kritisieren genau diese das System.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sepp am 15.12.2019 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Top

    Ja klar, sind alles top Mitarbeiter, darum wurden auch schon mehrmals hunderte von Mio. bei IT-Projekten in den Sand gesetzt.

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  • Zürich Stadt am 15.12.2019 22:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadt Zürich

    Bei der Stadt die gleiche Prozedur! Was da alles geschummelt wird ist pervers! Ich würde so gerne auspacken jedoch habe ich enorm angst das ich am Schluss der Verlierer bin!

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  • Phil am 16.12.2019 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Krähe.....

    hackt der anderen kein Auge aus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Roli70 am 26.12.2019 13:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und die entscheiden dann über andere

    die letzten 12 Jahren ging meine Rente insgesamt um Fr 1.45/ Monat rauf, Wahnsinn. Bei meiner Frau wurde seit 2012 nur gespart, d.h. Lohn gleich dafür Nebenleistungen storniert oder stark abgebaut. Jetzt mit 2 Einkommen sind wir mittlerweile nur um die Fr. 120.- pro Monat höher als das Existenzminimum. Arbeiten macht so keinen Spaß mehr. Mindestlohn und Mindestrente sollte die Schweiz endlich einführen. Ein Lohn um die 3500 Brutto inkl. Schicht ist Ausbeutung. Danke Airport ZH.

  • Freier Mensch am 20.12.2019 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kandelaber gibt es zur Genüge

    für alle überflüssigen Staatsangestellten.

  • avenarius2812 am 19.12.2019 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Prämien für unmotivierte Angestellte

    Aha, zur Motivation werden Prämien an die Bündler verteilt .... Die haben alle so viel Kohle, dass sie nur noch mit zusätzlich Kohle heiss werden. Ohne uns Steuerzahler läuft da gar nichts. Don't forget !

    • @Stell@rt am 30.12.2019 07:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @avenarius2812

      Ja, wenn es da alle so toll haben dann würde ich mir sofort eine solche Stelle suchen. Mir scheint das Sie neidisch sind.

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  • Bieler am 18.12.2019 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    schlimme Schicht

    Besonders Beamtemtun des Kantons Bern ist schlimm...

    • Pelillo am 29.12.2019 21:24 Report Diesen Beitrag melden

      Lohn

      Warum gehen wir nicht auf strassen wie aktuell frankreich jetzt tut? Wer hält hier zusammen?

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  • büntelet am 18.12.2019 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    bin im bilde

    noch frappanter sind die internen unterschiede. schlechte noten nur in den unteren lohnklassen. das kader beurteilt sich nie schlecht und zügelt alle bonuszahlungen ab. man sollte schon differenzieren. auch wenn der höchst mögliche lohn einer lohnklasse erreicht ist, gibt es null prozent für alle noten, also über jahre nix und man verdient von jahr zu jahr weniger. beim bund unbedingt eine kaderstelle avisieren: prakt. unkündbar, einzelbüro, boni, div. anlässe ex muros. für das nicht kader gelten lidl konditionen: arbeit, miese chefs, überwachung, ausnutzung, kündigungsdrohungen.