Mit Nordkorea

18. August 2013 21:09; Akt: 19.08.2013 08:39 Print

Bundesrat stoppt Schweizer Seilbahn-Deal

Der nordkoreanische Diktator Kim Jong-Un will ein Skigebiet bauen – mit einer Seilbahn aus der Schweiz. Der Bundesrat verhinderte dies in letzter Sekunde. Selbst Uno-Kritiker stützen den Entscheid.

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Auch Nordkorea will seinen Tourismus ankurbeln. Im Osten des Landes soll deshalb ein luxuriöses Skiresort entstehen mit 110 Pistenkilometern, Seilbahnen, Hotels und einem Helikopterlandeplatz.

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Die Seilbahn hätte nach den Plänen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Un aus der Schweiz kommen sollen.
Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» hatte die nordkoreanische Regierung für die Seilbahn einen Deal mit der Bartholet Maschinenbau AG Flums (BMF) über rund 7 Millionen Franken abgeschlossen. Die Firma hätte die Anlage in Einzelteilen an einen chinesischen Partner geliefert, dieser hätte die Montage vor Ort übernommen.

Bundesrat greift ein

Doch dazu kommt es nicht. Die BMF AG darf die Bauteile für die kombinierte Anlage aus Sessel- und Kabinenbahn nicht ins diktatorisch regierte Land liefern. Der Bundesrat stoppte den Seilbahn-Deal – wohl in letzter Sekunde.

Bereits am 5. Juni hatte der Seilbahnbauer das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) über sein Vorhaben informiert. Seit 2006 gelten UNO-Sanktionen gegen Nordkorea. Diese verbieten unter anderem den Export von Luxusgütern wie Juwelen und Rennautos.

Arbeitsplätze geschaffen

Gemäss dem Bericht riet das Seco dem Flumser Unternehmen vom Deal ab. Doch die BMF und ihr Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet ignorierten die Warnung. «Der Export wäre unproblematisch gewesen», sagte Bartholet der Zeitung. Die Zivilbevölkerung hätte die Anlage genauso wie das Regime nutzen können. Ausserdem wären durch den Bau der Seilbahn Arbeitsplätze entstanden.

Doch am 3. Juli erweiterte der Bundesrat seine Embargo-Liste gegenüber Nordkorea unter anderem mit dem Begriff «Infrastruktur-Installationen und Ausrüstungsgüter für Sportanlagen mit Luxuscharakter». Das Seco verneinte, diese Liste vor dem geplanten Deal entsprechend angepasst zu haben, bekräftigte aber, dass es sich beim geplanten Bau des Resorts offensichtlich um ein Prestige- und Propagandaprojekt des nordkoreanischen Regimes handle. Es sei unvorstellbar, dass die Anlage dereinst auch von der breiten Bevölkerung genutzt werden könne.

«Auch wirtschaftlich nicht unterstützen»

Der Embargo-Entscheid des Bundesrats stösst selbst bei Schweizer Uno-Kritikern auf Verständnis. «Nordkorea hat ein unmenschliches Katastrophen-Regime, das die Schweiz auch wirtschaftlich nicht unterstützen darf», sagt Walter Wobmann, Solothurner SVP-Nationalrat und ehemaliges Mitglied der Aussenpolitischen Kommission gegenüber 20 Minuten. Auch wenn es sich dabei nicht um Waffen handle, dürfe die Seilbahn nicht geliefert werden.

Roland Bartholet selber ist zwar enttäuscht vom Entscheid des Bundesrats, sagt aber zu 20 Minuten: «Wir haben den Entscheid zu respektieren.» Er kritisiert einzig, dass die Firma nicht schon in der Akquisitionsphase in dieser Dimension informiert wurde und ergänzt: «So hätten ein grosser materieller Aufwand und viel wertvolle Ressourcen eingespart werden können.»

Er ist überzeugt: Nordkorea werde sich die Tourismusdestination trotzdem bauen – mit oder ohne Schweizer Know-how. Die bereits fertig montierten Einzelteile versucht die Firma nun anderswo zu verkaufen.

(egg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marcel Chappuis am 18.08.2013 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz liefert lieber Kriegsmateria

    Die BMF AG hätten die Selbahn als Kriegsmaterial deklarieren sollen. Dann hätte der BR den Export erlaubt.

  • Kain E. Ahnung am 18.08.2013 22:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die Bahnen werden so oder so gebaut

    Tja, dann kommen jetzt halt die Chinesen, Russen oder vielleicht gar die Amis ins Geschäft und bauen die Bahn...

    einklappen einklappen
  • BB am 18.08.2013 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es war einmal eine neutrale Schweiz..

    Ich kann diese Entscheidung des Bundesrats ganz und gar nicht nachvollziehen. Seit wann kümmerts den Schweizer für wen unsere Firmen was machen? Bei Munition ist es uns ja auch egal, obs in die Hände des Volkes oder in die Hände eines blutrünstigen Diktator kommt. Neutrale Schweiz? Von wegen! Ade Bankgeheimnis, ade Neutralität, ade Helvetia! ich seh's schon..

Die neusten Leser-Kommentare

  • Patrick Schwarzer am 19.08.2013 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Waffen

    Waffen exportieren wir, im Wissen dass Sie dann gebraucht werden, siehe Syrien. Eine Seilbahn, obwohl in ein Diktatorisches Land nicht????

  • Nadja Graf am 19.08.2013 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschütteln

    kein weiteres wort nötig

  • Marco Weber am 19.08.2013 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    :--))

    ...und alles immer schön notieren was unser Chef sagt, sonst qualmts...

  • Souichi Sugano am 19.08.2013 02:33 Report Diesen Beitrag melden

    Bundesrat erneut versagt...

    Unglaublich was sich unser Bundesrat mit diesem Entscheid erlaubt hat. Es geht hier weder um Kriegsmaterial noch um Wissen oder sonstiges, was ein Problem sein koennte, nein, es sind Seilbahnen! Gut, auch Seilbahnen koennen Waffen Transportieren, oder sogar mit Luft-Boden Raketen ausgeruestet werden... Unser Bundesrat schaedigt erneut unsere Wirtschaft. Besten Dank auch...

  • Voll Kommenegal am 18.08.2013 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Naive Aussage von Herrn Bertholet

    "Gemäss dem Bericht riet das Seco dem Flumser Unternehmen vom Deal ab. Doch die BMF und ihr Verwaltungsratspräsident Roland Bartholet ignorierten die Warnung. «Der Export wäre unproblematisch gewesen», sagte Bartholet der Zeitung. Die Zivilbevölkerung hätte die Anlage genauso wie das Regime nutzen können. Ausserdem wären durch den Bau der Seilbahn Arbeitsplätze entstanden."