Betriebsschliessung

07. Mai 2012 14:54; Akt: 07.05.2012 18:14 Print

Bundesrat will mehr wissen zu Serono-Aus

Wenn das liberale Arbeitsrecht der Schweiz Grund für die Massenentlassung bei Serono ist, würde Bundesrat Johann Schneider-Ammann dies «nicht akzeptieren».

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Bundesrat Johann Schneider-Ammann fällt es schwer, die Schliessung von Serono zu akzeptieren. (Bild: Keystone)

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Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat am Montag in Genf zusammen mit der Genfer Regierung die Unternehmensführung des Pharma- und Chemiekonzerns Merck sowie von dessen Pharmatochter Merck Serono getroffen, wie das Eidg. Volkswirtschaftsdepartement (EVD) mitteilte.

Ziel des Treffens sei es gewesen, in einem weiteren direkten Gespräch mehr über die Gründe für die angekündigte Schliessung des Merck-Serono-Hauptsitzes in Genf und den Stellenabbau zu erfahren, heisst es in der Medienmitteilung weiter.

Auch wollte sich der Wirtschaftsminister vergewissern, dass nicht das liberale Arbeitsrecht der Schweiz Grund für die Massenentlassung ist. Ein solches Argument würde er nicht akzeptieren, schreibt sein Departement

Die Genfer Regierung war mit ihrem Präsidenten Pierre-François Unger und Staatsrat François Longchamp an dem von Schneider-Ammann veranlassten Gespräch beteiligt.

Seitens des deutschen Chemiekonzerns nahmen Merck-Chef Karl- Ludwig Kley und Stefan Oschmann, Direktionsmitglied bei Merck und Chef von Merck Serono sowie Merck-Serono-Verwaltungsratspräsident François Naef am Treffen teil.

Die Gewerkschaft Unia verlangte von Schneider-Ammann in einem Brief, dass er sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einsetze. Zudem solle er dringlich einen Runden Tisch mit Vertretern von Merck, der Kantonsregierungen Genfs und der Waadt sowie Merck-Serono- Angestellten einberufen.

Schneider-Ammannn hatte die Schliessung von Merck Serono in Genf als harten Schlag für die Genferseeregion und den Wirtschaftsstandort Schweiz bezeichnet. Obwohl sich die Eidgenossenschaft nicht in die Entscheide eines Privatunternehmens einmischen dürfe, sei es schwer, die Schliessung zu akzeptieren.

Am Freitag hatte eine Betriebsversammlung von rund 700 Angestellte die Schaffung von Arbeitsgruppen beschlossen, welche den Entscheid von Merck genauer unter die Lupe nehmen, den Sozialplan verbessern und Alternativvorschläge entwickeln sollen.

Merck Serono baut in Genf und in der Region 1250 Stellen ab, 500 durch Entlassungen und 750 mit Verlegungen ins Ausland. Erhalten bleiben rund 800 Stellen in der Produktion im Kanton Waadt. Der Entscheid wurde vor rund zwei Wochen bekannt.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rocky am 07.05.2012 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Wie naiv ist der Bundesrat eigentlich? Das ist doch eine altbekannte Tatsache: Wenn ein international tätiger Konzern Leute entlassen muss, so tut er dies am besten in der Schweiz, denn hier ist mit der geringsten Gegenwehr zu rechnen. Kein Betriebsrat wie in Deutschland, schwache Gewerkschaften, und bloss schulterzuckende Politiker...

  • soso am 07.05.2012 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    dssd

    Das lockere Arbeitsrecht mit Try and Hire-System dürfte dem Löwenanteil für die Kündigungen entsprechen.Aber wie ich schon in früherem Leserbrief geschrieben habe,glaube ich nicht,dass der Wirtschaftsminister viel ausrichten kann, da es kein Staatsbetrieb sondern sich das Szenario in der Privatwirtschaft abspielt, was dem Wirtschaftsminister allerdings nicht das Recht nimmt, sich darüber zu ärgern.

  • Peter Brand am 07.05.2012 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verwalter statt Macher

    BR Schneider kann jetzt, wo es entschieden wurde, nichts mehr tun. Schneider hätte besser früher mehr für den Wirtschaftsstandort getan, sodass wir konkurrenzfähig bleiben aber das schafft er einfach nicht. Schneider ist ein Verwalter und kein Macher.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Mayer am 07.05.2012 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    schön Redner

    unser Bundesrat Schneider mag ein guter Pfarrer und Prediger, darum hat er, der Wirtschaft den Rücken gedreht. Die Wirtschaft befiehlt und predigt nicht.

  • Peter Brand am 07.05.2012 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Verwalter statt Macher

    BR Schneider kann jetzt, wo es entschieden wurde, nichts mehr tun. Schneider hätte besser früher mehr für den Wirtschaftsstandort getan, sodass wir konkurrenzfähig bleiben aber das schafft er einfach nicht. Schneider ist ein Verwalter und kein Macher.

  • soso am 07.05.2012 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    dssd

    Das lockere Arbeitsrecht mit Try and Hire-System dürfte dem Löwenanteil für die Kündigungen entsprechen.Aber wie ich schon in früherem Leserbrief geschrieben habe,glaube ich nicht,dass der Wirtschaftsminister viel ausrichten kann, da es kein Staatsbetrieb sondern sich das Szenario in der Privatwirtschaft abspielt, was dem Wirtschaftsminister allerdings nicht das Recht nimmt, sich darüber zu ärgern.

  • J. Ishariot am 07.05.2012 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Was für eine Aussage...

    BR Schneider-Amman respektiert also das bestehende Schweizer Gesetz nicht? Sehr interessant. Er kann da ja auch Notrecht geltend machen, das machen wir ja mittlerweilen bei allen Unpässlichkeiten.

  • Ueli am 07.05.2012 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Aber Hallo ....

    ... jetzt erwacht der Schneider-Ammann doch noch aus dem Tiefschlaf.

    • René Zwicky am 08.05.2012 11:17 Report Diesen Beitrag melden

      Erwacht schon, aber viel zu spät

      lieber Ueli, dieser BR sollte raschmöglichst zurücktreten und wieder in seiner Firma den ursprünglichen Job machen. Dieser Mann ist einfach als BR überfordert. In diesem Falle hier hat er überhaupt nichts mehr zu sagen. Die Firma wurde seinerzeit an die Merck-Konzern verkauft. Es wäre zu blauäugig anzunehmen, dass sich eine ausländische Firma mit den Gegebenheiten der CH auseinandersetzt und Rücksicht auf die Befindlich- keiten einer CH-Regierung nimmt.

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