Fast Food

22. Oktober 2010 15:32; Akt: 22.10.2010 15:32 Print

Burger sorgen für dicke Gewinne

von Elisabeth Rizzi - Gesundheitsboom hin, Kampagnen her: Fastfood lässt die Kassen klingeln. Diese Woche erreichte die McDonald’s-Aktie sogar einen Rekordstand.

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Nestlé kann noch lange mit seinem neuen Institute of Health Sciences für gesunde Nahrung Werbung machen. Tatsache bleibt: Die triefenden Burger und knusprigen Pommes sind alles andere als eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Diese Woche vermeldete McDonald’s – das Schreckgespenst aller Müsliapostel – für das dritte Quartal einen erneuten Umsatzzuwachs von 6 Prozent weltweit. Der Nettogewinn stieg sogar um 10 Prozent. Das trieb den Aktienkurs der US-Burgerkette am Freitag auf den neuen Rekordstand von 78,44 Dollar.

Es ist keinesfalls so, dass nur die Amerikaner verfetten und die Asiaten zunehmend ihren Reis stehen lassen. Auch im gesundheitsbewussten Europa schnellten die Verkäufe von McDonald’s im letzten Quartal um 4,1 Prozent hoch.

Die Schweiz ist darin keinesfalls eine Slowfood-Insel. Im Gegenteil: 2009 besuchten 5,1 Prozent mehr Gäste das Schnellimbissrestaurant als noch ein Jahr zuvor. McDonald’s ist hierzulande gemessen am Umsatz (660 Millionen Franken für 2009) neuerdings sogar das grösste Gastronomie-Unternehmen. Die 148 Burger-Verkaufsstellen haben die Migros-Restaurants vom Spitzenplatz verdrängt.

McDonald's & Co hoch im Kurs

Nicht allein McDonald’s ist bei den Schweizern hoch im Kurs. Fast ein Drittel der Bevölkerung achtet laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) gar nicht auf die Ernährung. Und immerhin zwei Prozent der Eidgenossen bekennen sich gemäss einer Studie der European Business School (EBS) zum Fastfood-Restaurant als Favorit für die Nahrungsbeschaffung. Dabei gibt es laut der Untersuchung in der Schweiz klar gesündere Take-Away-Angebote als in Deutschland oder Österreich, so etwa gewürfeltes Obst oder Salate.

Kein Wunder also ist auch hierzulande der Anteil übergewichtiger Menschen im letzten Jahrzehnt rasant angestiegen. 37,7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind heute übergewichtig. Auch 15 bis 20 Prozent der schulpflichtigen Kinder sind zu dick.

Die direkten und indirekten Kosten, die das Übergewicht nach sich zieht, sind regelrecht explodiert. 2001 lagen sie noch bei 2,6 Milliarden Franken pro Jahr. Inzwischen sind es laut dem Bundesamt für Gesundheit bereits über 5,7 Milliarden Franken. Vor allem ins Gewicht fällt die Behandlung von vier hauptsächlich durch Übergewicht geförderte Krankheiten: Diabetes Typ2, Erkrankungen der Herzkranzgefässe, Knie- und Hüft-Arthritis und Asthma.

Lebensstil verlangt Fastfood

Dass Slow-Food, Bundesprogramme wie «Ernährung und Bewegung» und Gesundheitsoffensiven von Nahrungsgiganten wie Nestlé den Konsumenten die Lust auf Burger vergällen können, bezweifelt Heinrich von Grünigen, Präsident der Schweizerischen Adipositas-Stiftung. «Unsere Ernährung hängt vom Lebensstil ab. Dieser ist geprägt von Hektik. Und Hektik verlangt nach solchen Ernährungs-Angeboten», glaubt er. Man könne sich allein aus Zeitgründen nicht jeden Tag von gesundem Slow Food ernähren. «Das wäre eine Mischung zwischen Paradies und Schlaraffenland», so von Grünigen.

Immerhin ist ein Burger in Massen gemäss von Grünigen auch nicht das Falscheste. «Eine Pizza oder ein Wurst-Käsesalat sind sicher weniger ausgewogen, als ein normaler Hamburger», gibt er zu bedenken. Bei Ketten wie McDonald’s sei zudem die Sorgfalt bezüglich Nahrungsmittelsicherheit und Qualität der Zutaten hoch. Verbote und Verteuerungen von fetthaltigen Nahrungsmitteln seien der falsche Ansatz, ist er überzeugt, zumal ein gewisses Mass an Fett lebensnotwendig sei. «Allerdings», findet er, «ist es ein guter Weg, um das Bewusstsein der Konsumenten zu fördern, wenn auf dem Preisschild eines Nahrungsmittels auch prominent die Kalorienzahl angegeben wird.» Die Stadt New York hat 2008 als erste US-Stadt den Restaurantketten vorgeschrieben, genau das zu tun. Die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama sieht eine Ausdehnung auf das ganze Land vor. In der Schweiz gibt es keinen derartigen politischen Vorstoss.

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