Nach Affäre Vincenz

18. Juli 2018 07:15; Akt: 18.07.2018 15:30 Print

Raiffeisen-CEO Patrik Gisel tritt zurück

Ende Jahr ist Schluss: Patrik Gisel gibt seine Funktion als CEO der Raiffeisen per Ende 2018 auf.

So kam es zum Rücktritt von Patrik Gisel: Die Chronik zum Raiffeisen-Skandal. (Video: Tamedia/SDA/Keystone)
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Bei der Raiffeisen-Gruppe kommt es zum nächsten Paukenschlag. Konzernchef Patrik Gisel wird sein Amt per Ende Jahr abgeben und aus der Bank ausscheiden. Mit diesem Schritt wolle er die öffentliche Debatte um seine Person beenden und die Reputation der Bank schützen, teilte die Bankengruppe am Mittwoch mit.

Gisel war in der Öffentlichkeit wegen der Affäre um das Geschäftsgebaren des früheren Raiffeisen-Chefs Pierin Vincenz wiederholt kritisiert worden.


Raiffeisen-Chef Patrik Gisel zu den Turbulenzen bei der Genossenschaftsbank. Video: SDA

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen Vincenz wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Der Banker soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Er sass deswegen während rund 15 Wochen in Untersuchungshaft.

Nachfolger gesucht

Vincenz war 17 Jahre an der Spitze von Raiffeisen und prägte die drittgrösste Bankengruppe der Schweiz massgeblich. Sein Nachfolger Gisel leitet die Bank seit Oktober 2015 und wird seine Funktion noch bis Ende 2018 wahrnehmen. Damit soll ein geordneter Übergang sichergestellt werden. Der Raiffeisen-Verwaltungsrat hat den Auswahlprozess für einen neuen Vorsitzenden der Geschäftsleitung bereits eingeleitet.

Die Suche erstreckt sich dabei nicht nur auf einen neuen Konzernchef. Anfang März hatte bereits Verwaltungsratspräsident Johannes Rüegg-Stürm wegen der «Affäre Vincenz» den Bettel hingeschmissen. Seither wird das Aufsichtsgremium interimistisch von Vizepräsident Pascal Gantenbein geleitet.

Die Integrität von Patrik Gisel steht für die Raiffeisen jedoch ausser Zweifel. Weder das im Juni 2018 abgeschlossene Enforcement-Verfahren der Finanzmarktaufsicht Finma, noch die Zwischenresultate der laufenden unabhängigen Untersuchung zur «Ära Pierin Vincenz» würden ihn aufsichtsrechtlich belasten, hält das Institut fest.

(bla/sda)