Inserate für Ferienwohnungen

08. Dezember 2016 15:45; Akt: 08.12.2016 15:45 Print

Chalet-Schwindler wollen Touristen abzocken

von K. Wolfensberger - Auf Online-Plattformen locken Unbekannte mit günstigen Chalets und gefälschten Inseraten. Wer Geld vorab überweist, sieht es meist nie wieder.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

20-Minuten-Leser S. M.* will Weihnachten und Neujahr mit Freunden und Familie in einem Luxus-Chalet im Berner Oberland verbringen. Bei einer Recherche im Internet stösst er auf einer ausländischen Website auf ein sehr günstiges Angebot. Nur gut 125 Euro soll die Übernachtung pro Person kosten, dabei handelt es sich um eine absolute Luxus-Immobilie.

Umfrage
Wurden Sie auch schon Opfer von Betrügern?
21 %
76 %
3 %
Insgesamt 575 Teilnehmer

M.* kann sein Glück kaum fassen und bucht sofort. Doch kurz nach der Buchung wird er misstrauisch. Der Vermieter des Chalets möchte nicht nur die Kopien der Ausweise aller Gäste, sondern auch den gesamten Betrag für die Woche per Vorauskasse. M.* ist nicht bereit, die mehreren Tausend Euro ins Ausland zu überweisen.

Website ohne richtiges Impressum

Er beschliesst, selbst zu recherchieren, und findet das gleiche Chalet bei einem anderen Anbieter zu einem massiv höheren Preis. M.* realisiert: Hier wollen ihn wohl Schwindler um sein Geld bringen. Zum Glück ist es noch nicht zu spät. M. überweist kein Geld.

Eine Recherche von 20 Minuten zeigt, dass das Misstrauen von M. gerechtfertigt ist. Auf der Website von Slopechalets.com fehlt ein klares Impressum mit Adresse. Einzig eine englische Telefonnummer und eine E-Mail-Adresse werden angegeben, Anfragen von 20 Minuten werden innert gesetzter Frist nicht beantwortet.

Geld oft unwiederbringlich verloren

Ausserdem ergibt eine Domain-Abfrage, dass der Inhaber der Website die Firma Whoisguard aus Panama ist. Die Dienste von Whoisguard werden oft dann in Anspruch genommen, wenn eine registrierende Person ihre Identität verschleiern möchte – kein gutes Zeichen bei einem Buchungsportal.

Bucht man ein Fake-Angebot und verliert sein Geld, so ist dieses oft unwiederbringlich verloren, erklärt Jürg Stettler. Der Luzerner Touristik-Professor geht von einer hohen Dunkelziffer an Betrugsfällen im Bereich der Ferienwohnungsvermietungen aus.

Bekannte Plattformen verwenden

«Oft überweisen die Leute eher geringe Beträge, weshalb sich ein Verfahren gegen die Betreiber der Websites nicht lohnt», so Stettler. Da die meisten Schwindler vom Ausland aus operierten, sei es den Schweizer Behörden oft unmöglich, ihrer habhaft zu werden. Auch würden viele Fälle nicht der Polizei gemeldet und daher nicht erfasst.

Beim Verband Schweiz Tourismus kennt man das Problem ebenfalls. «Wir empfehlen deshalb Chalets und Ferienwohnungen auf Plattformen von anerkannten Vermittlern wie Interhome oder e-Domizil zu suchen und zu buchen», erklärt Sprecher André Aschwanden auf Anfrage von 20 Minuten.

Für sämtliche Probleme mit einzelnen Anbietern von Ferienwohnungen rate Schweiz Tourismus zudem zu einer Meldung an die regionalen Tourismus-Organisationen.

Konkrete Tipps der Polizei

Die Stadtpolizei Zürich liefert ausserdem konkrete Tipps, die es beim Mieten sowohl von Ferienwohungen als auch normalen Wohnungen zu beachten gilt:

• Wenn möglich nur bekannte und renommierte Wohnungsportale nutzen. Dort sind solche Inserate seltener anzutreffen.

• Niemals Geld im Voraus bezahlen.

• Niemals Geld über einen Geldtransferservice überweisen, wenn man eine Gegenleistung erwartet und die Person nicht persönlich kennt.

• Wenn möglich auf anderem Weg überprüfen, ob an der angegebenen Adresse wirklich eine (Ferien)-Wohnung zu vermieten ist, indem man zum Beispiel einen Bewohner des Hauses anruft.

• Eine Wohnung immer besichtigen, bevor man etwas bezahlt.

• Vorsicht bei Vermietern, die angeblich nicht erreichbar sind, den Schlüssel per Post schicken wollen oder eine Wohnung ohne vorherige Geldüberweisung nicht zeigen wollen.

*Name der Redaktion bekannt.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus Strähl am 08.12.2016 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neujahr 2013

    Schaut mal auf das Datum 2013-2014? Wie alt ist dieser Post bitte?

    einklappen einklappen
  • marko 31 am 08.12.2016 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier

    Geld regiert die Welt

    einklappen einklappen
  • Wädi am 08.12.2016 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Würde nie im voraus bezahlen .

    Wer Geld überweist ohne die Ware zu haben ist selbst Schuld wenn er diese Kohle verliert.Und bei Mietwohnungen muss man sich auch vor Ort erkundigen ,nicht über Internet dort tummeln sich viele Gauner.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • is am 09.12.2016 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch die Gegenseite betrachten

    Als ehemalige Vermieterin von 2 FW in der Zentralschweiz mit Mietern vorwiegend von Uebersee: USA, CDN, AUS,NZ..etc ist es nicht möglich, dass die Mieter vorgängig die FW vorher besichtgen. Mieter und Vermieter wollen sicher sein, dass die Wohnung nicht anderweitig besetzt ist oder der Vermieter will sicher sein, dass der Mieter auch kommt. Also macht man einen offiziellen rechtsgültig zu unterzeichneten Vertrag und vereinbart eine Anzahlung per Kreditkarte. Das gibt eine gewisse Sicherheit. Ein uunseriöser Vermieter hätte dann sehr schnell Robleme mit der Kreditkartenfirma. Amerikaner und auch die anderen machen sehr ungerne BankUeberweisungen. Die in Usa üblichen Scheckzahlungen sind für uns CH sehr uninteressant da grosse Abzüge. Ich hatte in all den Jahren eigentluch nie ein Problem und hatte mitgegen 800 verschiedenen Mietern zu tun. Ohne Anzahlung würde ich nue eine möbilierte Wohnung übergeben und die Restzahlung bei Uebernahme. Einer hat sich nämlich ohne Zahlung bei Nacht und Nebel davon geschlichen. Also lernt man.

  • Nestor Napator am 08.12.2016 20:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viel des Guten

    Es genügt schon dass die wahren Schweizer Hotel die Turisten abzocken. Jetzt wollen auch noch die Schwindler das Gleiche machen. Es ist zu viel des Guten.

  • Rolf am 08.12.2016 19:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alles nur für Werbe-Plattform inzeniert

    Die Preise sind sowieso um 50% viel zu hoch

  • Alesandro Pianari am 08.12.2016 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pravo

    Einteils richtig so es sind nur die Schnäppchen Jäger die da hinein laufen. Geiz ist geil. Vielleicht wäre Halt Interhome besser aber man will sparen.

  • Dadone am 08.12.2016 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fast reingefallen...

    Ich habe vor einem Jahr eine Willa in Ovronnaz gebucht. Nach kurzer Recherche habe ich herausgefunden, dass die Willa gar nicht existiert. Erst als ich es zweimal an E-Domizil gemeldet haben, haben Sie schnell reagiert und rechtliche Schritte unternommen. Was danach passier ist weiss ich leider nicht. Mein Tipp: Google Maps checken, Kommentare/Bewertungen lesen, telefonieren und bei einem Verdacht auf Betrug, melden und ein anderes Objekt wählen.