Industrie-Herrschaft

01. Mai 2019 22:11; Akt: 01.05.2019 22:11 Print

China verheimlicht jetzt seinen Masterplan 2025

von Isabel Strassheim - China plant nicht nur eine neue Seidenstrasse, sondern hat auch einen Industrieplan für 2025. Sein Name ist aber seit kurzem getilgt. Was bedeutet das?

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Chinas Soldaten stehen Spalier: Bundesrat Ueli Maurer diesen Montag in Peking als Gast des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. Am Verhandlungstisch in Peking: Die Schweiz will beim chinesischen Grossprojekt «Neue Seidenstrasse» mit den Ländern entlang der Route bei Handel, Investitionen und Projektfinanzierungen zusammen arbeiten. Kurz davor hatte Chinas Staatspräsident zum internationalen Treffen für das Seidenstrassen-Megaprojekt nach Peking eingeladen. Riesen-Inszeniereung: Zum Dinner bei dem Seidenstrassen-Forum sass der russische Präsident Wladimir Putin neben Chinas Präsident Xi Jinping. Ganz anders als das Seidenstrasse-Projekt wird Chinas Industrieplan «Made in China 2025» inzwischen offziell nicht mehr propagiert. Die Strategie aber dürfte weiter bestehen: China will weg von der einfachen Massenproduktion für den Westen. Die Chinesen wollen sich von anderen Billiglohnländern absetzen. Handarbeit soll in allen Industriebereichen automatisiert werden. Roboter von Kuka sollen bei der Industrieproduktion helfen. Die Chinesen haben die deutsche Firma 2016 übernommen. China bringt sich auch durch weitere Auslands-Zukäufe auf einen höheren Technologie-Stand: Ren Jianxin, Chef von Chemchina, fädelte 2016 die Übernahme des Schweizer Agrarchemikonzerns Syngenta ein. Auf der Medienkonferenz 2017 in Basel stellte er zusammen mit dem damaligen Syngenta-Chef Erik Frywald die gemeinsamen Pläne vor. «Made in China» soll nicht mehr für Plastikprodukte stehen, sondern für weltführende Technologie. So sieht es der Plan «Made in China 2025» vor. Chinesische Markenfirmen sollen bis 2025 die Welt mit eigenen Spitzenprodukten beliefern. Mit den Strafzöllen will US-Präsident Donald Trump Chinas Plan bekämpfen. Chinas Staatschef Xi Jinping und Donald Trump bei einem Treffen im November 2017 in Peking. (Archivbild) Trump spricht von «unfairem Handel». Damit meint er auch, dass China ausländischen Unternehmen verwehrt, chinesische Unternehmen ganz zu übernehmen. Trump droht, chinesische Einfuhren im Wert von 200 Milliarden Dollar mit einem Zollsatz von 25 Prozent zu belegen. Ab dem 23. August 2018 traten Strafzölle der USA auf chinesische Waren im Wert von 16 Milliarden Dollar in Kraft. Bei den von den Zöllen betroffenen Gütern geht es um Lebensmittel, Chemieprodukte oder Verbraucherprodukte von Hundefutter über Möbel bis hin zu Autoreifen, Baseball-Handschuhen und Kosmetik. Gedroht wird auch mit Strafzöllen auf Hightech-Produkte.

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Der Name war griffig: «Made in China 2025». Seit vier Jahren ist der Masterplan in Kraft. Er soll China zur grössten Technologiemacht der Welt machen. Noch vor kurzem wurde das Projekt in offiziellen Berichten lautstark gefeiert. Aber inzwischen taucht der Name so gut wie nicht mehr auf.

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Was ist passiert?
«Durch westliche Kritik wie etwa am Seidenstrassenprojekt ist Peking vorsichtiger geworden», sagt Anna Holzmann vom deutschen Mercator Institute for China Studies (Merics) zu 20 Minuten. Der Name «Made in China 2025» für den Industrie-Masterplan taucht inzwischen kaum mehr auf. In Regierungsreden, Dokumenten und den staatlichen Medien Chinas fällt der Begriff schon seit letztem Sommer nirgends mehr. Er wird nur noch im Zusammenhang mit dem US-Handelskonflikt und möglichen Zugeständnissen von chinesischer Seite, angesprochen.

Sind die Pläne beerdigt?
«Unsere Einschätzung ist, dass zwar der Name verschwunden ist, aber die Ziele weiterverfolgt werden», sagt Holzmann. Das meinst auch Benedikt Zoller von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaft: «Die Industrie-Strategie der Chinesen besteht meiner Ansicht nach weiterhin.»

Welches sind die Ziele?
China will von der Werkbank der Welt zur Technologie- und Forschungsmacht aufsteigen. In zehn Schlüsselsektoren wie Pharma, Auto, Raumfahrt, oder Künstliche Intelligenz soll es führend werden. Ausserdem sieht das Programm von Chinas Präsident Xi Jinpings vor, dass das Land unabhängiger von Importen werden soll: Bis 2020 sollen 40 Prozent der Schlüsselkomponenten und Ausgangsstoffen selbst hergestellt werden. Für 2025 war das Ziel, dass 70 Prozent aus China selbst kommen.

Was tut sich in China konkret?
Der Staat fördert die heimische Wirtschaft mit umgerechnet über 1,5 Milliarden Dollar zwischen 2017 und 2019, so Benedikt Zoller.

Welche Rolle spielt der Handelsstreit mit den USA?
Die USA haben ihre Strafzölle gegen China auch gezielt auf Produkte verhängt, die die zehn Schlüsseltechnologien der Chinesen treffen, sagt Benedikt Zoller.

Wie stehen die Chance für China als Technologiemacht?
In allen zehn Schlüsselsektoren dürfte China es nicht schaffen, weltweit die Nummer eins zu werden. Laut Benedikt Zoller von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften könnte es aber in einigen Bereichen durchaus zur führenden Nation aufsteigen. «In der Raumfahrt und im Flugzeugbau kann ich mir das vorstellen, nicht aber in forschungsintensiven Branchen wie der Pharmaindustrie» sagt Zoller. Was wahrscheinlich ist: China wird schon bald die mit Abstand grösste Wirtschaftsmacht werden. Derzeit steht es noch hinter den USA an zweiter Stelle. Und seine Bevölkerung von über einer Milliarde dürfte aus de Armut befreit werden, wie dies das Regierungsziel für 2020 ist.

Tut sich auch etwas bei den Bedingungen für westliche Firmen in China?
Noch dieses Jahr will Tesla seine Fertigung in Shanghai starten. Es ist der erste Ableger eines westlichen Unternehmens, der ohne Joint Venture mit einer chinesischen Firma zugelassen wurde. «Da gibt es im Moment Bewegung bei den Chinesen», sagt China-Experte Benedikt Zoller.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tummi lüt am 01.05.2019 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    Naja china ist klug die haben schon vieles vieles aufgekauft und wir dummen westlichen verscherbeln all die lang aufgebauten firmen einfach .

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  • S. Owas am 01.05.2019 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Insider

    Ich arbeite bei Huawei, vorher einige Jahre bei einem amerikanischen Unternehmen. Die Art und Weise wie gearbeitet wird, ist extrem verschieden. Die Amis mit ihren leeren Marketing-Versprechungen müssen sich nicht wundern, dass sie überholt werden.

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  • Dumby am 01.05.2019 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlechter Plan

    Und wir sollen die Seidenstraße bauen helfen um unsere eigenen Technologien zu opfern ?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ich bin rechts und das ist gut so am 03.05.2019 00:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn wir

    mit chinesischer Hilfe deislamisiert werden, soll es mir recht sein.

  • Büezer 62i am 02.05.2019 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War 2 x dort

    das erste mal 1992, da war eine riesen Aufbruchstimmung, nagelneue Fabriken auf der grünen Wiese, alle Strassen nur Baustellen. Dann 2009, habe China nicht wieder erkannt, Autobahnen auf 3 Stockwerken, in den Fabriken die neueste Technologie, die Horden von Velofahrern vom 1. Besuch verschwunden und viele mit Elektroscootern unterwegs und natürlich Autos überall. Keine Frage die werden Weltbeste!

    • Patrick am 03.05.2019 00:21 Report Diesen Beitrag melden

      Einfach bewundernswert

      Sie sollten wiedermal nach China. Die Veränderungen der letzten 10 Jahren sind noch krasser! Von Velo zum Auto und jetzt sind Velos wieder voll IN. Nach einer anfänglichen Anpassungsphase bin ich ein richtiger China-Fan geworden. Das fremde Gefühl war schnell weg. Ich weiss jetzt die Vielfältigkeit von China so richtig zu schätzen - Vom Reichtum der Tradition bis zur super moderne Seite Chinas!

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  • Mensch am 02.05.2019 21:10 Report Diesen Beitrag melden

    Beängstigend

    Ich finde China und seine Pläne bedrohlich.

    • Mirjam D. am 03.05.2019 00:28 Report Diesen Beitrag melden

      Ehrlich

      Wir finden so oder so alles bedrohlich. Schon ein 20-Stockwerk hohes Gebäude kann uns eine Bedrohung auslösen. Da lachen sich die Chinesen krumm, wenn sie davon mitbekommen!

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  • Gattegatt am 02.05.2019 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwellenland?

    Streicht bitte endlich jemand China von der Liste der "Schwellenländer"? Dann würden vielleicht endlich mal gleich lange Spiesse im globalen Poker gelten!

    • W. Inglin am 02.05.2019 21:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gattegatt

      Ich dachte, die wären ein Entwicklungsland. Die entwickeln doch laufend so neue Sachen und so!

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  • huschmie am 02.05.2019 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chinesen schauen für China

    Die Chinesen kämpfen ganz offiziell für ihre eigenen Interessen. Im Westen ist das immer mehr verpöhnt. "Switzerland first" würde gar nicht gut ankommen.