Renminbi vs. Dollar

20. August 2010 11:15; Akt: 20.08.2010 11:29 Print

China bastelt an der Weltwährung

von Sandro Spaeth - Das Reich der Mitte ist Exportweltmeister und bereits Wirtschaftsmacht «Nr. 2.». Nun soll auch die Landeswährung den Globus erobern. Das Ziel: Der Renminbi soll den Dollar als Weltwährung ablösen.

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(Bild: Keystone)

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Es war ein Meilenstein mit viel Symbolik, als China Ende Juni die feste Bindung des Yuan (Yuan ist die Geldeinheit, Renminbi die Währung) an den US-Dollar aufhob. Mit diesem Schritt konnte Chinas Zentralbank den Vorwurf der Währungsmanipulation teilweise entkräften. Denn vor allem die USA kritisierten ständig, China würde seine Exporte künstlich verbilligen.

Diese Woche hat China nun den nächsten Schritt gewagt und die Anleihenmärkte für gewisse ausländische Investoren geöffnet. «Das hat eine symbolische Wirkung», sagt ZKB-Ökonom Beat Schumacher, der sich vorwiegend mit den Ländern Asiens beschäftigt. Nun können Importeure nach China, die in Renminbi bezahlt wurden, ihre Verkaufserlöse erstmals gleich in dieser Währung anlegen.

Renminbi international etablieren

Die Volksrepublik hat sich zum Ziel gesetzt, den Renminbi als internationale Abrechnungswährung zu etablieren. Dafür hat das Land sein Pilotprogramm für die Abrechnung grenzüberschreitender Handelsgeschäfte in Renminbi ausgeweitet. Damit ist es chinesischen Unternehmen nun möglich, Importe- und Exporte in der chinesischen Währung abzurechnen – und nicht nur wie bisher in Dollar.

Die Abhängigkeit Chinas vom Dollar machte dem Reich der Mitte immer mehr Sorgen: «Ich glaube nicht, dass US-Staatsanleihen mittel- bis langfristig sicher sind», liess Ex-Notenbankberater Yu Yongding kürzlich verlauten und unterstrich damit die Verkaufsabsichten seines Landes. Derzeit hortet China US-Staatsanleihen im Wert von rund 840 Milliarden Dollar. Der Ex-Notenbanker befürchtet aber: Falls sich herumspricht, dass China aus den US-Staatsanleihen aussteigt, würden die Papiere rasch an Wert verlieren – und damit auch die Bestände Chinas.

Verdeckte Weltwährung

Um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren, arbeitet das Reich der Mitte am Aufstieg des Renminbi zur Weltwährung. Für Schumacher ist klar: «China hat kommuniziert, sich als Finanzplatz etablieren zu wollen und Hongkong als Offshore-Finanzplatz für den Remninbi aufzubauen», so Schumacher. Für Börsenexperte Alfred Herbert ist der Renminbi längst eine verdeckte Weltwährung: «Ansonsten würden die Amerikaner nicht ständig nach dessen Aufwertung schreien.» Für den «Cash-Guru» ist China bereits eine Finanzmacht. Die behutsame Öffnung der Märkte entspreche der chinesischen Philosophie.

Trotz «Glasnost» kontrolliert China seinen Kapitalverkehr sehr stark. «Die Regierung fürchtet sich davor, dass ohne Kontrollen sehr viel Geld zu- oder abfliessen könnte. Das gäbe enorme Währungsschwankungen», so ZKB-Ökonom Schumacher. Einerseits könnte China viel Geld zufliessen und der Renminbi würde stark aufgewertet. Die Exporte wären damit plötzlich teurer. Andererseits könnten auch viele Mittel abfliessen, was das chinesische Bankensystem in den Augen Schumachers noch nicht verkraften kann.

Langfristig soll sich der Renminbi nach dem Willen des Reichs der Mitte als Weltwährung etablieren. Für Schumacher ist dieses Szenario nicht abwegig: «In 15 bis 20 Jahren dürfte Chinas Wirtschaft jene der USA überholen. Damit wird auch der Renminbi weiter an Bedeutung gewinnen.»