Weltkrieg der Währungen

06. März 2011 13:48; Akt: 06.03.2011 13:48 Print

China greift den Dollar an

von Sandro Spaeth - Peking reitet die nächste Attacke gegen Washington. Die chinesische Zentralbank will ihren Aussenhandel künftig in Yuan abwickeln, denn der Wirtschaftsgigant bastelt an der neuen Weltwährung.

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Die chinesische Währung Renminbi soll den Globus erobern (Bild: Keystone)

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Die alte Währungsordnung ist tot. Der Dollar – einst unbestritten die Leitwährung – schwächelt. Im Aufwind sehen sich hingegen die Chinesen. Für die Zentralbanker in Peking ist klar: Das vom Dollar dominierte Währungssystem ist ein Produkt der Vergangenheit. «Die Chinesen wollen den Dollar als Leitwährung ablösen», bilanzierte die Investorenlegende George Soros unlängst.

Dafür geht Peking immer wieder in die Offensive: Diese Woche hat die Zentralbank bekannt gegeben, dass alle chinesischen Exporteure und Importeure ihre Geschäfte mit ausländischen Partnern in diesem Jahr in der Währung Renminbi abwickeln können. Yuan nennt sich die Geldeinheit, Renminbi die Währung.

«Damit will China die internationale Bedeutung der eigenen Währung zu stärken», sagt der ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis zu 20 Minuten Online. Als Frontalangriff des Yuans auf den Dollar sieht der Frangulidis die Massanahme der chinesischen Zentralbank aber nicht: «Es ist aber ein weiterer Schritt in Richtung Liberalisierung», bilanziert der Ökonom.

Anleihemärkte geöffnet

Im vergangen Jahr gestattete es Peking bereits bei 67 000 Unternehmen, ihre Auslandgeschäfte in Yuan abzuwickeln. Zudem öffnete China die Anleihemärkte für gewisse ausländische Investoren. Der Vorteil: Firmen, die für ihre Warenlieferungen in Renminbi bezahlt werden, können das Geld gleich in dieser Währung anlegen.

Um den Yuan zur Leitwährung zu machen, braucht es laut dem ZKB-Chefökonomen aber eine freie Konvertibilität, doch davon sei Peking noch weit entfernt. Zwar hat der China die feste Bindung des Yuan an den Dollar Ende Juni 2010 gelockert, der Renminbi ist aber international nicht frei handelbar. Die Parteibosse in Peking wehren sich gegen den freien Tausch, weil sie eine starke Aufwertung fürchten. Das würde Chinas Produkte plötzlich massiv verteuern, die Wettbewerbsfähigkeit einschränken und Arbeitsplätze vernichten.

Noch bracht China die USA

Derzeit gibt es ein starkes Abhängigkeitsverhältnis zwischen China und den Vereinigten Staaten. Die USA stehen beim Reich der Mitte mit 1,16 Billionen Dollar in der Kreide. Sie sind auf chinesisches Geld angewiesen, um ihre riesigen Defizite zu finanzieren. Peking seinerseits ist auf den Kauf von US-Staatsanleihen angewiesen, weil damit der Renminbi tief gehalten wird. Dies haben die USA immer wieder scharf kritisiert und verlangt, dass China seine Währung aufwertet. China hat aber keine Eile.

Langfristig wird sich nach Ansicht von Chefökonom Frangulidis das Abhängigkeitsverhältnis zu ungunsten der USA verschieben. «Wenn Chinas Binnenkonsum stark genug ist, sind nur noch die USA auf die Chinesen angewiesen.» Damit werde neben Chinas geopolitischer Macht auch die Macht der Währung steigen.

Für viele Ökonomen ist klar: In 20 Jahren wird die Volksrepublik den USA den Rang als Wirtschaftsmacht Nummer eins ablaufen haben. «Die gewaltige wirtschaftliche Kraft Chinas und der chinesischen Finanzmärkte wird langfristig dazu führen, dass der Yuan zu einer der bedeutenden Währung aufsteigt.» Der Dollar sei wegen der gigantischen Verschuldung der USA langfristig in der schwächeren Position.

Fällt der Dollar ins Bodenlose?

Noch ist der Dollar aber die Weltwährung: Rund 90 Prozent des weltweiten Handels wird in der US-Währung abgewickelt. Dies liegt vor allem daran, dass Öl- und Rohstoffgeschäfte in Dollar getätigt werden. Auf Bergen von Dollars zu sitzen wird für die Verkäufer aber immer riskanter, denn in einigen Jahren hat die US-Währung womöglich noch die Hälfte des heutigen Werts, schreibt der Daniel D. Eckert in seinem Buch «Weltkrieg der Währungen». Diese Angst dürfte den Siegeszug des Yuan weiter verstärken.