Konjunktur

17. Januar 2020 04:19; Akt: 17.01.2020 05:50 Print

Chinas Wirtschaft wächst 2019 langsamer

Der Handelskonflikt mit den USA hinterlässt in der chinesischen Wirtschaft seine Spuren.

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Vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit den USA und einer allgemein schwächeren Konjunktur ist Chinas Wirtschaft 2019 so langsam wie seit fast 30 Jahren nicht mehr gewachsen. Nach 6,6 Prozent 2018 legte die zweitgrösste Volkswirtschaft im abgelaufenen Jahr nur noch um 6,1 Prozent zu, wie das Pekinger Statistikamt am Freitag mitteilte.

Jedoch zeigte sich zum Jahresende eine leichte Stabilisierung. Wie schon im dritten Quartal verzeichnete Chinas Wirtschaft im Zeitraum von Oktober bis Dezember ein Plus von 6,0 Prozent. Im ersten Quartal waren 6,4 und im zweiten 6,2 Prozent erreicht worden. Die etwas bessere Stimmung zum Jahresende dürfte laut Beobachtern auch mit der Entschärfung des Handelsstreit zwischen Peking und Washington zusammenhängen. US-Präsident Donald Trump hatten im Oktober eine Einigung über ein Teilabkommen verkündet, das in dieser Woche unterzeichnet wurde.

Das Abkommen sieht vor, dass sich beide Seiten nicht mehr mit zusätzlichen Strafzöllen überziehen. China hat sich zudem verpflichtet, seine Einfuhren aus den USA deutlich zu erhöhen.

Keine Entwarnung

Dass der Konflikt der alten Weltmacht und dem Aufsteiger China damit vorüber ist, glauben die meisten Beobachter jedoch nicht. Die Einigung verhindere vorerst zwar eine rasante Verschlechterung der Beziehungen. «Aber die zunehmende Rivalität zwischen den USA und China ist damit nicht ausgeräumt», sagte Max Zenglein vom China-Institut Merics in Berlin. Sie werde das Verhältnis auch künftig weit über Handelsfragen hinaus prägen. Mit einem schnellen, umfassenderen Folgeabkommen sei deshalb nicht zu rechnen. Unternehmen würden Schritte einleiten, um das politische Risiko in ihren globalen Lieferketten zu verringern.

Die Neuausrichtung der Wirtschaftsbeziehungen mit den USA bereitet der chinesischen Führung Kopfzerbrechen. Aber auch Daheim lauern Probleme, die gelöst werden wollen. Eine hohe Verschuldung belastet die Staatsfirmen. Gleichzeitig versucht die Regierung, das Land innovativer und produktiver zu machen.

Umstellung dringend nötig

«Die Umstellung auf ein nachhaltigeres Wachstumsmodell und die Bekämpfung der Risiken im Finanzsektor sind dringend notwendig, drücken aber auch das Wirtschaftswachstum», so Experte Zenglein.

Chinas Wachstum ist so langsam wie seit 1990 nicht mehr. Im internationalen Vergleich sind 6,1 Prozent Wachstum zwar weiter viel. Experten verweisen aber darauf, dass China als Schwellenland grossen Nachholbedarf habe, den Schwung erhalten und Arbeitsplätze schaffen müsse.

Immer wieder wird auch auf den Widerspruch zwischen der wachsenden staatlichen Kontrolle und der Notwendigkeit verwiesen, ein dezentrales und von Konsumenten getriebenes Wirtschaftssystem zu schaffen, um nachhaltiges Wachstum zu erreichen.

Stützungsmassnahmen haben 2019 schon dazu beigetragen, die chinesische Wirtschaft zu stabilisieren. Das wird sich auch 2020 nicht ändern. Schliesslich gilt es für Peking, in diesem Jahr ein wichtigstes Langzeitziel zu erreichen. Die Wirtschaftsleistung und das Einkommen der Chinesen soll bis Ende 2020 im Vergleich zu vor zehn Jahren verdoppelt werden.

Vor allem steht aber 2021 das 100. Jubiläum der Kommunistischen Partei an, da soll Chinas Stärke zelebriert werden. «Infolgedessen wird die Regierung einer sich verlangsamenden Wirtschaft noch mehr Aufmerksamkeit schenken», glaubt Zenglein.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Deng X. am 17.01.2020 07:08 Report Diesen Beitrag melden

    Zu behaupten, China hätte dazugelernt,

    wäre wohl vermessen. Frisch fröhlich weiter drauf los, als gäbe es kein morgen. Aber jetzt einfach begleitet von ein paar Schalmeienklängen.

  • Kain am 17.01.2020 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch 6.1%

    Nur noch 6.1%? Gewisse Länder wären froh wenn sie nur halb so viel Wirtschaftswachstum hätten. Nicht wahr, Donald?

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  • Queren Life am 17.01.2020 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chinaschrott

    Bitte nachhaltig Wachsen, was immer das auch sein soll.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Olivier Z. am 21.01.2020 19:35 Report Diesen Beitrag melden

    Entweder Oder - Up to us!

    Es gibt tatsächlich Leute, die immer noch von Schrott reden! Gerade weil China sich so gut entwickelt hat, will die "bald ehemalige" Supermacht überall mit ihrer letzten Kraft aufhalten, wie damals bei Japan. Aber diesmal geht es nicht um ein Winzling. Es würde nämlich schon völlig reichen, wenn China nur auf sein eigenes Land setzt. Das nennt man MASSIV. Ohne den Westen würde es auch gehen. Der Westen hat aber dann auch nichts mehr von China. Noch können wir da auswählen. Up to us! Die Zeit, in der wir nur profitieren können, ist definitiv ein für alle Male VORBEI!

  • felice am 17.01.2020 19:55 Report Diesen Beitrag melden

    Waaas, kein zweistelliges Wachstum mehr?

    Das BIP pro Kopf ist bei ca. $ 10'000 und wenn China unter 5% Wachstum hat, dann fühlt sich das dort so wie eine Rezession bei uns an.

  • B. Kerzenmacher am 17.01.2020 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wachstum

    Das für alle Weltbürger ist die wichtigste Tatsache, dass die Geburtenrate in China sinkt.

  • Kain am 17.01.2020 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch 6.1%

    Nur noch 6.1%? Gewisse Länder wären froh wenn sie nur halb so viel Wirtschaftswachstum hätten. Nicht wahr, Donald?

    • Pirat2222 am 17.01.2020 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kain

      Gemäss Bericht h\ngt China ja nich 1 Jahr zurück. Sonst würde es ja heussen "... wuchs langsamer.."

    • Marko M. am 17.01.2020 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kain

      Gesamtwirtschaftlich gesehen ist China immer noch ein Schwellenland und in solchen Ländern ist eine Wachstumsrate von 6,1 % ziemlich wenig. In einer Industrienation wie die USA wäre diese Rate gigantisch.

    • Timmeh am 17.01.2020 15:52 Report Diesen Beitrag melden

      Statistik 1x1

      Nur mal so als Beispiel. Um bei einem pro Kopf-BIP von 10'000 USD 5% zu wachsen, muss es um 500 USD ansteigen. Um dasselbe Wachstum bei einem pro-Kopf-BIP von 50'000 USD zu erreichen, müssten es schon 2'500 USD sein. Es ist ganz logisch, dass eine entwickelte Nation näher an einem Sättigungsmaximum ist und daher prozentual nicht so schnell wachsen kann wie ein Schwellenland.

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  • Sven am 17.01.2020 09:05 Report Diesen Beitrag melden

    Volkswirtschaft

    Wieviel beträgt die Abschreibung in %?