Übernahme

04. Februar 2016 18:36; Akt: 05.02.2016 16:00 Print

Chinesen kaufen auch Traditionsfirma Sigg

Für 16 Millionen Franken hat nach Medieninformatioen Haers Vacuum Containers den Trinkflaschen-Produzenten Sigg übernommen. Die Mitarbeiter seien heute informiert worden.

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Die urschweizerischen Sigg-Flaschen sind nicht mehr in Schweizer Besitz. 2003 wurden sie von derUS-amerikanischen Private-Equity-Gesellschaft The Riverside Company gekauft. Am 4. Februar 2016 wurde bekannt, dass sie in chinesische Hände gehen. Tags zuvor wurde bereits der Basler Agrochemie-Konzern Syngenta chinesisch. ChemChina heisst der Käufer. In den letzten Jahren wechselten schon andere prominente Schweizer Unternehmen die Hände und wurden chinesisch. So kaufte zum Beispiel die chinesische Jinsheng Group 2013 das Naturfasergeschäft von OC Oerlikon. Die Genfer Addax Petroleum (im Bild ein Büro in Lagos, Nigeria) ging schon 2010 für eine Milliardensumme nach China. Käufer war die Firma China Petrochemical mit Sitz in Peking. Auf dem Bild: Ein Werk der Firma in Nanjing, China. Der Schweizer Metallverarbeiter Swissmetal ist heute in chinesischer Hand, ... ... genau wie der Flughafendienstleister Swissport. Die Uhrenmarke Eterna ist heute ebenfalls in chinesischen Händen. Auch auf dem Schweizer Finanzplatz strecken die Chinesen ihre Fühler aus. So kündigte der chinesische Mischkonzern Fosun im Mai 2015 an, eine Niederlassung in Zürich eröffnen zu wollen. Auf dem Bild: Fosun-Chef Guo Guangchang. Im Fall von Syngenta wollte eigentlich bereits der amerikanische Konzern Monsante gerne zugreifen. Doch der ehemalige CEO von Syngenta, der Amerikaner Mike Mack, sperrte sich 2015 massiv gegen eine Übernahme. Im vergangenen Oktober trat er allerdings zurück. Dann war klar, dass Syngenta zum Verkauf steht. Nun erhielt ChemChina den Zuschlag. Noch vergangenes Jahr hatte der Verwaltungsratspräsident von Syngenta, Michel Demaré, in einem Interview mit «Finanz und Wirtschaft» erklärt, dass der Konzern in Übernahmeverhandlungen mit verschiedenen möglichen Partnern stehe. Monsanto kam nicht zum Zug, da ein Zusammenschluss mit dem chinesischen Konzern ChemChina weniger hohe regulatorische Risiken aufweist. Die Überschneidungen in den Geschäftsfeldern mit den Chinesen sind weniger gross. Syngenta forscht auch zu Weinreben. Hier werden die stärksten jungen Pflänzchen ausgewählt. Die Forschungsanlage in Stein AG gehört zu den drei wichtigsten weltweiten Entwicklungsstandorten des Konzerns. Syngentas Hauptsitz in Basel. Das Hochhaus gegenüber des Badischen Bahnhofs war früher die Ciba-Geigy-Zentrale. Der Agrochemiekonzern entstand 2000 aus Teilen von dessen Geschäft. So sehen im Forschungslabor wachsende Bohnen aus. Am Syngenta-Standort Stein AG arbeiten 300 Leute in der Entwicklung. In besonderen Klimakammern können die Bedingungen von nahezu jedem Ort der Welt simuliert werden. Demonstration im Mai 2015 in Basel gegen die beiden führenden Agrochemiekonzerne Monsanto und Syngenta. Der Protest richtet sich gegen Gen-Saatgut und Patente auf Pflanzen. Die Gentechnik ist nicht nur wegen Gesundheitsbedenken und unabsehbarer ökologischer Folgen umstritten, sondern auch, weil noch unklar ist, ob Bauern langfristig damit tatsächlich höhere Erträge ohne stetig zunehmenden Einsatz von Spritzmitteln erzielen können.

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Der chinesische Hersteller Haers kauft von der New Yorker Beteiligungsgesellschaft Riverside das Schweizer Traditionsunternehmen Sigg. Dies berichtet die Sendung «Schweiz aktuell» des Senders SRF. Der Kaufpreis soll 16,1 Millionen Franken betragen. Die Mitarbeiter seien heute informiert worden. Seit längerem gab es Gerüchte, dass die chinesische Firma an Sigg interessiert sei.

In einer Börsenmitteilung bestätigt Haers einen Aktienkaufvertrag: «Die Akquisition ist im Einklang mit der Internationalisierungsstrategie von Haers und ist ein wichtiger Schritt zur Beschleunigung der Expansion des Geschäftes mit hochwertigen Trinkflaschen. Es ermöglicht der Unternehmung eine international bekannte Produzentin von hochwertigen Trinkflaschen zu werden.»

Zukunft der Mitarbeiter unklar

Sigg-CEO Stefan Ludewig ist laut SRF eben erst von den Verhandlungen aus China zurückkehrt. Er hofft, dass der Verkauf bis Ende Februar abgeschlossen ist. Ob Stellen abgebaut werden, ist noch unklar. Ludewig hofft aber, dass alle Mitarbeitenden weiter beschäftigt werden können.

Die Firma Sigg mit Sitz in Frauenfeld stellt die bekannten Aluminium-Flaschen her. Das Unternehmen ist in 40 Ländern tätig. Am Hauptsitz arbeiten rund 65 Angestellte. Die Firma hat jüngst ihr Sortiment erweitert. Seit kurzem vermarktet sie beispielsweise auch eine Glasflasche.

(dia)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jamira01 am 04.02.2016 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier der neuen Generation...

    Beschämend, dass alle schweizer Traditionsunternehmen verkauft werden. Das Ende der Schweizer Qualität steht uns bevor..

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  • Susi Sorglos am 04.02.2016 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aus Verkauf

    Das Matterhorn würde bestimmt auch einen guten Preis erzielen.

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  • Legamedär am 04.02.2016 18:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Adieu Schwiiz

    Nur 16mio?! Da hätten sich sicher Schweizer finden lassen, die zusammenlegen...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Visionär am 06.02.2016 18:06 Report Diesen Beitrag melden

    Nur weiter so...

    Ausverkauf der Schweiz für das schnelle Geld für wenige Profiteure....

  • MFS am 06.02.2016 15:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Und wieder fragt sich keine(r): warum? Die Chinesen kaufen nur das Beste oder Schwächste -- das Beste finden sie in USA und Deutschland und bezahlen viel Geld ... mit dem restlichen Taschengeld kaufe sie ein paar billige Schweizer Unternehmen, deren Inhaber keine arbeitswilligen, guten Mitarbeiter mehr haben oder deren verwöhnte Erben keine Lust zur Verantwortung und zur Arbeit haben.

    • Markus am 07.02.2016 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MFS

      Ich fürchte Sie haben recht. Leider...wusste nicht dass Sigg für so wenig zu haben war

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  • MFS am 06.02.2016 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vierte Generation

    Ihr kennt alle die Generations-Geschichte: die erste Generation erfindet, die zweite macht daraus ein Unternehmen, die dritte macht es gross und die vierte ... verspielt, verramscht, verscherbelt ... Wir leben in der vierten Schweizer Generation ... Zum Glück gehöre ich zu der Seite, die diese Unternehmen an die Chinesen, Russen etc. verkauft ... ist ein echt gutes Geschäft ...

  • Henriette am 05.02.2016 19:31 Report Diesen Beitrag melden

    Aktionen vor dem Finanzcrash

    Das Problem ist ein bevorstehender Finazcrash, alle die viel Geld oder eine gute Firma ihr eigen nennen wollen noch retten was zu retten ist. Siehe Goldpreis er steigt.

  • Urs Vetterli am 05.02.2016 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Firlifraz

    Verkauft doch die ganze Schweiz,mit den Bundesräten,dann muss ich micht mehr ärgern.