Grüne Welle

04. Oktober 2014 23:22; Akt: 05.10.2014 22:50 Print

Cola und Pepsi setzen auf Drinks mit Stevia

von Valeska Blank - Nach Coca-Cola erweitert nun auch Pepsi sein Sortiment durch ein mit Stevia gesüsstes Light-Getränk. Die Strategie mit dem natürlichen Süssstoff hat aber einen Nachgeschmack.

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Weniger Kalorien, weniger Zucker: «Pepsi True» wird mit Stevia gesüsst. Auch das grüne «Cola Life» erhält seinen Geschmack durch den natürlichen Süssstoff. Erstmals erhältlich war es in Südamerika. Das grüne Cola ergänzt das Sortiment des US-Getränkeherstellers um ein weiteres Produkt. Stevia rebaudiana - auf Deutsch Süsskraut oder Honigkraut -, ist eine Staudenpflanze aus Südamerika. Ihre Blätter enthalten Steviolglykoside, die süss schmecken. Mit einem Umsatzvolumen von rund 500 Millionen Litern pro Jahr ist Coca-Cola der grösste Produzent und Lieferant alkoholfreier Markengetränke der Schweiz Coca-Cola im Swiss-Design: Der US-Konzern generiert in der Schweiz laut einer Studie eine Wertschöpfung von 1,2 Milliarden Franken. Seit der Apotheker John Pemberton 1896 in Atlanta Coca-Cola erfand, hat sich die Coke-Flasche verändert. Zeitlos, schlicht und schön: Die Coca-Cola-Flasche aus dem Jahr 1915. Kanadische Coca-Cola-Werbung aus dem Jahr 1927. Bereits 1929 versuchte sich der US-Getränkehersteller im Reich der Mitte. Chinesische Coca-Cola-Werbung aus dem Jahr 1930. Ich bin auch ein Messgerät: Coca-Cola-Thermometer von 1930. Seit 1936 gibt es Coca-Cola auch in der Schweiz. 2010 füllte der Schweizer Ableger 410 Millionen Liter ab. Coca-Cola verspricht Qualität: US-Werbung aus dem Jahr 1951. Ende der Fünfzigerjahre gibt es weitweit 1700 Abfüllfirmen für Coca-Cola. Das Lifestyle-Getränk ist bereits in 100 Ländern erhältlich - auch in Italien. Amerikanische Coca-Cola-Werbung aus dem Jahr 1960. Wie fühlen Sie sich? Aussergewöhnliches Design: Argentinische Coca-Cola-Flasche aus dem Jahr 1996. Coke im African-Style: Südafrikanische Flasche von 1996. 2005 gestalteten fünf Designer im Rahmen des Projekts M5 bunte Coca-Cola-Aluflaschen. Coca-Cola hat heute einen Markenwert von 70 Milliarden Dollar. Heute werden weltweit täglich 1,6 Milliarden Cokes getrunken. Den Durstlöscher gibt es in über 200 Ländern.

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Bei den US-Getränkeriesen ist Grün das neue Rot. Coca-Cola hat mit «Coca-Cola Life» kürzlich eine mit Stevia gesüsste Version seines Klassikers auf den Markt gebracht. Das Getränk mit dem grünen Etikett soll «zu einem gesünderen Leben inspirieren», verspricht die Werbung.

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Nun lanciert auch Erzrivale Pepsi eine grüne Version seines Flaggschiffs: Es heisst Pepsi True und ist wie Coke Life neben Zucker hauptsächlich mit Stevia gesüsst. Durch diese Kombination enthalte es ein Drittel weniger Zucker und Kalorien, heisst es bei Pepsi. Gesundheitsbewusste Konsumenten sollen zusätzlich damit angesprochen werden, dass das Pepsi in der grünen Dose keinen Maissirup und keine künstlichen Süssstoffe wie Aspartam enthält.

Bitterer Nachgeschmack

Ob Softdrinks mit Stevia wirklich gesünder sind, ist umstritten (siehe Box). Ernährungswissenschaftlerin Christine Brombach von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sieht darin aber eine mögliche Alternative zu Zucker: «Stevia hat Potenzial, vor allem weil die Konsumenten heute Wert auf natürliche Süssstoffe legen.»

Ein grosser Nachteil von Stevia sei jedoch der lakritzartige Nachgeschmack, der lange im Mund bleibe, so Brombach. Dieser sei bei Getränken und Lebensmitteln oft schwer zu überdecken. US-Konsumenten geben ihr recht. Sie beschwerten sich auf Facebook über das neuerdings mit Stevia gesüsste «Vitaminwater» des Coca-Cola-Konzerns – es schmecke «wie Chemikalien» oder Hustensirup.

Während neben den Konsumenten auch viele US-Analysten skeptisch gegenüber mit Stevia gesüssten Getränken sind, ist Lebensmittelanalyst Michael Winkler von der Zürcher Kantonalbank für den europäischen Markt optimistischer: «Der Erfolg der Zero-Getränke hat gezeigt, dass die Konsumenten bereit sind, für weniger Zucker und Kalorien beim Geschmack Abstriche zu machen.» Der Trend zu weniger Zucker in Lebensmitteln werde anhalten. Darum sei die Chance intakt, dass die neuen Cola- und Pepsi-Versionen genügend Abnehmer finden, so Winkler.

Schleichende Markteinführung

Pepsi wählt für die Markteinführung von Pepsi True einen ungewöhnlichen Weg: Es wird in einem ersten Schritt exklusiv über Amazon vertrieben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Damit will der Getränkekonzern die Nachfrage und die Herkunft der Kunden besser einschätzen können.

Coca-Cola will es noch langsamer angehen lassen: Coke Life war zuerst in Argentinien, Chile und Mexiko, danach in Grossbritannien erhältlich. Seit Kurzem steht es auch in einigen Teilen der US-Südstaaten in den Regalen. Ob und wann das Produkt in die Schweiz kommt, steht bis jetzt nicht fest.

Neues Segment

Eine 0,33-Liter-Dose Coke Life bringt es auf 89 Kalorien, eine Dose normales Cola auf 139. Die in den USA vertriebene 7,5-Unzen-Dose (ca. 220 Milliliter) von Pepsi True enthält 60 Kalorien, verglichen mit 100 Kalorien für ein reguläres Pepsi. Mit ihren Getränken mit mittlerer Kalorienzahl wollen die Hersteller die Lücke zwischen ihren Light- beziehungsweise Zero-Linien und den Klassikern mit dem vollen Kalorien- und Zuckergehalt schliessen.

Ein weiterer Grund für die neuen, «gesunden» Cola-Varianten dürften auch politische Vorstösse sein. In verschiedenen Ländern hat die Politik den Softdrink-Herstellern den Kampf angesagt. In New York ist ein Verbot von XXL-Softdrinks erst in letzter Minute durch einen Gerichtsbeschluss gescheitert. In Grossbritannien fürchten sich die Getränkehersteller vor der Einführung einer Zuckersteuer durch die Regierung.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia J. am 05.10.2014 03:39 Report Diesen Beitrag melden

    Noch gesünder...

    als Steviagesüsste Limonade ist Wasser. Ausserdem auch massiv billiger, zumal man das fast kostenlos aus dem Wasserhahn beziehen kann. Hatte früher viele Süssgetränke konsumiert. Seit einigen Jahren tue ich dies kaum noch. Habe ohne weitere Ernährungsumstellung 15kg abgenommen und bin mittlerweile mit meinem Körper ganz zufrieden :)

  • Michael am 05.10.2014 05:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Ideenreichtum der Konsumenten

    Statt überhaupt erst solche Getränke zu konsumieren sollten den Leuten bewusst werden, dass in der Schweiz das gesündeste Getränk zu Hauf vor ihrer Nase ist: Wasser, sogar aus dem Hahn... Mit einem Stück Limette, einigen Beeren oder Offentee 1h stehen lassen und das perfekte Getränk ist erschaffen. Ohne Süssstoffe, Farbe, anderen Zusatzstoffen und echt grün auch noch ohne Verpackung!

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  • Kägi am 05.10.2014 00:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Woher kommt nun der Zucker?

    Stevia mag ja besser und gesünder sein als Chemische Süssstoffe oder Zucker. Aber so oft wird vergessen, dass Zucker auch absolut pflanzlich ist!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Elsa am 05.10.2014 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stevia macht impotent

    Stevia macht impotent. Männer vor allem.

  • Argus am 05.10.2014 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Zur Bitterkeit von Stevia

    Aus eigener Erfahrung und auch aus den Kommentaren hier lässt sich darauf schliessen, dass nicht alle gleich empfindlich auf die Bitterkeit von Stevia sind. Das hat wohl genetische Ursachen. Es erstaunt mich bloss, dass noch niemand darauf gekommen ist. Googeln unter Phenylthiocarbamid hilft.

  • Oliver am 05.10.2014 15:33 Report Diesen Beitrag melden

    Life in London

    Habe Coke Life gestern probiert. Schmeckt wie Light oder Zero. Ich frage mich allerdings weshalb es neben überhaupt noch Zucker braucht?? Trinke aber sowieso fast nie Coke und wenn, dann nur das Originale.

    • Andi L. am 05.10.2014 20:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      darum braucht es Zucker (Gesetz!)

      weil die Zuckerlobby bislang erfolgreich verhindert, dass ein Getränk nur mit Stevia gesüsst sein darf. Die abstruse Begründung des BAG ist Blödsinn. Insbesondere aus dem asiatischen Raum gibt es Langzeiterfahrungen.

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  • Marie am 05.10.2014 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Die Werbelüge des Jahrhunderts!

    Stevia rein pflanzlich? Dafür gehört also ein Preis verliehen, für die Werbelüge des Jahrhunderts! Der Stoff ist pflanzlichen Ursprungs, ja, war mal eine Pflanze, der ungesunde weisse Zucker ebenso. Aber auch das Stevia wurde in chemischen Verfahren so verändert, dass es nichts mehr mit der Pflanze gemeinsam hat. Aber kaum sagt die Werbung, es WAR mal eine Pflanze, glauben alle, es sei gesund. Das Gesündeste ist immer noch Wasser und Tee, ohne Aromen, wohlgemerkt. Da wurde nicht chemisch daran rumgedoktert. Die Wahrheit ist unbequem, aber das beste Getränkt ist immer noch: Wasser!

    • Erik Schiegg am 05.10.2014 15:00 Report Diesen Beitrag melden

      Wasser

      Vielleicht mit etwas natürlichem Malzzucker versetzt, welcher jedoch durch Hefe wieder vollständig abgebaut wird. Dann sind wir uns einig. O-zapft is!

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  • baba am 05.10.2014 12:48 Report Diesen Beitrag melden

    von wegen gesünder! Lachhaft!

    Gerade gelesen: Damit der Eigengeschmack verloren geht, wird Stevia industriell verarbeitet. es werden die süßen Moleküle, das Steviol, der Pflanze entzogen. Ab da kann es leichter verarbeitet werden, muss aber als Zusatzstoff E960 gekennzeichnet werden. Man sollte die Kalorienarmut nicht als Freibrief nehmen, alles damit zu süßen. Denn die Geschmacksknospen gewöhnen sich schnell an die Süße und wollen die Intensität dann weiter steigern. Laut Lebensmittelbehörde sollte der tägliche Konsum von E960 vier Milligramm pro Kilo Körpergewicht nicht übersteigen. also bei 60kg nicht > 0.24Gr/Tag!!