Thomas Cook ist am Ende

23. September 2019 01:59; Akt: 23.09.2019 09:31 Print

600'000 Cook-Urlauber von Pleite betroffen

Die Regierung Grossbritanniens möchte nun mit der Rückführungsaktion «Matterhorn» gestrandete britische Urlauber zurückholen.

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Nach gescheiterten Gesprächen über eine Rettung des Reisekonzerns Thomas Cook hat das britische Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet. Unmittelbar betroffen von der Firmenpleite sind gegen 600'000 Touristen.
Der britische Touristikkonzern hat nach Angaben der Behörden das Geschäft eingestellt. Alle Flüge seien daher gestrichen worden, teilte die britische Flugbehörde in der Nacht auf Montag mit. Man starte eine Rückholaktion für Urlauber.

Auch die deutsche Cook-Tochter stellte nach eigenen Angaben auf Notgeschäftsführung um. Reisen am 23. und 24. September könnten nicht gewährleistet werden, der Verkauf von Reisen sei gestoppt worden.

«Das Unternehmen lotet derzeit letzte Optionen aus. Sollten diese scheitern, sieht sich die Geschäftsführung gezwungen, für die Thomas Cook GmbH, Thomas Cook Touristik GmbH, die BucherReisen & Öger Tours GmbH und möglicherweise auch weitere Gesellschaften einen Insolvenzantrag zu stellen», heisst es in der Mitteilung.

Damit wären auch Schweizer Touristen betroffen. Von den Schweizer Thomas-Cook-Niederlassungen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die Bemühungen um eine Rettung waren am Sonntag gescheitert. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte der Konzern am Montagmorgen auf seiner Website mit.

Filialen gehen zu

Der Schweizer CEO Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem «tief traurigen Tag» für den Konzern. Er selbst und der gesamte Verwaltungsrat bedauerten zutiefst, «dass wir nicht erfolgreich waren». Nach dem Insolvenzantrag müssen nicht nur alle Flüge des Unternehmens am Boden bleiben, sondern auch alle Filialen geschlossen werden.

Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt worden. Das Traditionsunternehmen mit Marken wie Neckermann-Reisen und der Fluglinie Condor benötigte das Geld, um in die Zukunft seines Geschäfts zu investieren.

Codename «Matterhorn»

Grossbritanniens Regierung kündigte die grösste Rückführungsaktion seit dem Zweiten Weltkrieg an, um die gestrandeten britischen Urlauber zurückzuholen. Betroffen sind rund 150'000 britische Urlauber.

Condor will weiterfliegen

Der Ferienflieger Condor versicherte kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Flugbetrieb weitergehe. «Condor Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group Insolvenz eingereicht hat», heisst es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen.

«Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit beantragt. Dieser wird derzeit von der Bundesregierung geprüft», heisst es.


Chinesische Besitzer sind enttäuscht

Der grösste Anteilseigner von Thomas Cook, das chinesische Firmenkonglomerat Fosun, zeigte sich enttäuscht über die Pleite des Reisekonzerns. Fosun hatte im vergangenen Monat eingewilligt, 450 Millionen Pfund in das Unternehmen zu stecken. Im Gegenzug erhielt der in Hongkong gelistete Konzernriese einen Anteil von 75 Prozent am Reiseanbieter Thomas Cook und 25 Prozent an der Flugsparte.

Fosun sei «enttäuscht», dass Thomas Cook und die beteiligten Geschäftspartner, Banken, Gläubiger und «sonstigen involvierten Parteien keine realisierbare Lösung» für eine Refinanzierung gefunden hätten, teilte Fosun der Nachrichtenagentur AFP mit.

Preiskampf und Brexit

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast.

Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso wie die anhaltende Unsicherheit um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft.

Der 1841 gegründete Reiseveranstalter Thomas Cook betrieb Hotels, Ferienressorts, Airlines und veranstaltete Kreuzfahrten. Von den 105 Flugzeugen im Konzern fliegen 58 für den deutschen Ferienflieger Condor. Weltweit hat Thomas Cook rund 21'000 Mitarbeiter in 16 Ländern.

(chk/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sehnsucht 6 7 am 23.09.2019 04:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Dasselbe wie bei Air Berlin man lässt die Kunden auflaufen und zuguter letzt noch stehen. Ich war betroffen von der Pleite von Air Berlin und auch stehen gelassen worden . Solche Geschäftsmedhoden müssen dringendst rechtlich verfolgt werden und die Verantwortlichen gehören vor Gericht gestellt. Man wusste im Vorfeld genau was passiert und trotzdem werden munter Tickets verkauft . Bei der Pleite von Air Berlin ist keiner zur Verantwortung gezogen worden dasselbe wird wahrscheinlich auch bei Thomas Kook passieren.

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  • Anton am 23.09.2019 04:25 Report Diesen Beitrag melden

    Preisdumping

    Bereits die x-te Firma, die bei diesem Billig-Wettbewerb mit Flügen nicht mehr mithalten kann. Wann hat das endlich ein Ende, dass ein Flug so billig ist. Zahlen tun das am Ende eh wieder die Steuerzahler; entweder weil die Regierung einen Kredit vergibt oder weil eine Menge Menschen arbeitslos werden. So ganz nebenbei würde es dem CO2 Ausstoss gut tun, würden Flüge nicht zu solchen Dumpingpreisen angeboten.

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  • Thomas Koch am 23.09.2019 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier - eine Todsünde

    Wachstum, Wachstum, Wachstum! Kaufen, kaufen kaufen! Die hohe Schule der Wirtschaftskunde, gelehrt an der HSG. Hauptsache, die Manager-Boni sind schön fett und saftig...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Spyy83 am 24.09.2019 06:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gibt schlimmeres

    dieses gejammer mancher urlauber ist unerträglich. die angestellten der thomas cook gruppe wären froh, wäre nur ihr urlaub futsch. aber ihnen geht es um die existenz. kein job mehr und ob der lohn ausbezahlt wird, ist mehr als fraglich. unter umständen stehen auch noch die einzahlungen in die sozialinstitutionen aus. es ist ärgerlich, kein frage. aber hört auf zu jammern. ausserdem sind zumindest die schweizer kunden, die über ein schweizer reisebüro gebucht haben, finanziell abgesichert.

  • Andy am 23.09.2019 22:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    habe ich...

    echt GmbH (...begrenzteHaftung) gelesen?! Wohl noch mit einem eingetragenen Stammkapital vom minimum: 20'000.- ? ...ups!

    • Spyy83 am 24.09.2019 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andy

      die einzelnen unternehmensteile ja. aber es ist der mutterkonzern, der pleite ist und das ist keine gmbh.

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  • M.G. am 23.09.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3 Jahre ohne Brexit-Entscheid

    Diese Hängepartie hat Thomas Cook den Rest gegeben. Egal auf was sich Parlament und Regierung in London geeinigt hätten, es wäre für Firmen wie Thomas Cook immer besser gewesen. So aber weiss heute keiner was Ende Oktober sein wird, diese Unsicherheit ist wirtschaftlicher Harakiri.

    • Spyy83 am 24.09.2019 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @M.G.

      es ist immer einfach, die eigene unfähigkeit auf sachen wie brexit usw. abzuschieben. auch bei einem harten brexit, steht die welt danach nicht still.

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  • Ruedi am 23.09.2019 21:04 Report Diesen Beitrag melden

    Feriengäste bitte

    In der Schweiz spricht man von "Feriengästen" oder "Ferienreisenden", aber nicht von "Urlaubern". Urlaub hat bei uns eine andere Bedeutung als in Deutschland. (Mutterschaft, Militär). Wir sollten unsere Helvetismen pflegen. Die Medien wollen uns umerziehen. Wir sollten uns offenbar wie Deutsche ausdrücken. Unnötig. Wir haben eine eigene Sprachidentität, genau wie die Österreicher. Oder werden die jetzt auch umerzogen?

    • Roman Schärli am 23.09.2019 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ruedi

      Reden Sie nicht so geschwollen daher. Wir sind Schweizer seit etlichen Generationen und bei uns heisst es Urlaub.

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  • Thomas Meier am 23.09.2019 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts neues

    Es gab doch da mal früher die SWISSAIR. Die konnte das auch, und noch viel früher.