Deutschland

08. August 2019 07:30; Akt: 08.08.2019 08:51 Print

Truthahn-Skandal holt Coop-Tochter ein

Wegen schockierender Bilder von rücksichtslosen Tiertransporten in Deutschland gerät die Fleisch-Verarbeiterin Bell in die Kritik.

Ein Video zeigt die verstörenden Verhältnisse.
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Der deutsche Verein Soko Tierschutz hat einen Skandal um den Transport von Truthähnen aufgedeckt. Die Tiere werden gepackt und brutal in einen Transporter geworfen. Dabei werden Hälse und Flügel eingeklemmt, wie auf einem Video des Vereins zu sehen ist. Anschliessend werden die Truthähne über 500 Kilometer von Ungarn nach Deutschland gefahren.

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Dafür verantwortlich ist laut der SRF-Sendung «10vor10» die Süddeutsche Truthahn AG, welche der Coop-Tochterfirma Bell gehört und ein Lieferant für den Schweizer Grossverteiler ist.

Gegenüber dem Sender ZDF sagte das bayrische Umweltministerium, dass die Vorwürfe untersucht und künftig Kontrollen durchgeführt werden. Bei «10vor10» zeigte sich Nadja Brodmann vom Zürcher Tierschutz schockiert. Die Behandlung und der lange Transport seien für die Truthähne eine Belastung.

Unangemeldete Kontrollen angekündigt

Die Süddeutsche Truthahn AG wurde 2016 von Bell übernommen und stand schon früher in der Kritik, wie SRF berichtet. 2014 wurde die schlechte Haltung der Truthähne angeprangert und Coop als Partner kritisiert. Der Grossverteiler versprach damals die Einführung von «tierfreundlichen Stallhaltungssystemen». Mittlerweile habe das Unternehmen das auch getan, sagt Sprecher Urs Meier zu 20 Minuten: «In den Coop-Supermärkten wird kein Trutenfleisch aus dem erwähnten Betrieb verkauft.»

Wie es bei SRF weiter heisst, reagiert Bell auf die Enthüllungen mit unangemeldeten Kontrollen bei den ungarischen Aufzuchtsbetrieben. Man habe überdies den betroffenen Betrieb vorläufig gesperrt.

Das meiste Trutenfleisch in der Schweiz stammt gemäss einer Statistik von der Eidgenössischen Zollverwaltung aus Ungarn und Deutschland. Gegenüber «10vor10» betont Bell, dass nur wenige der in Süddeutschland geschlachteten Truten aus Ungarn stammen würden. Ungarische Betriebe würden von einer unabhängigen Stelle kontrolliert.

(chk)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Claudia am 08.08.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Grossverteiler und Massentierhaltung

    Es geht doch gar nicht um die Frage esst ihr noch Putenfleisch , sondern ob man grundsätzlich Fleisch aus Massentierhaltung essen will. Wer solches Fleisch beim Grossverteiler kauft muss immer mit so etwas rechnen.Darum hört doch endlich auf ständig billiges Fleisch zu kaufen. Kauft doch regional bei Eurem Stadt/Dorfmetzget ein. Damit helft ihr den Tieren und der Umwelt .Aber ich befürchte dass es vielen Menschen egal ist ob einTier leidet- Hauptsache billig soll es sein-((

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  • Daniela am 08.08.2019 09:02 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist doch ganz einfach

    Hört endlich auf Fleisch aus Massenproduktion zu essen. Ich kaufe nur beim Dorfmetzger ein auch wenn das bedeutet nur einmal die Woche Fleisch auf dem Teller zu haben. Ich will guten Gewissens Fleisch essen das bedeutet das Tier soll ein gutes, artgerechtes Leben gehabt haben und möglichst stressfrei und schnell gestorben sein. Unser Dorfmetzger schlachtet selber, wird ständig kontrolliert. Ich kann da Fleisch von Tieren kaufen die auf den Wiesen ums Dorf gelebt haben. Für alles andere habe ich null Verständnis.

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  • Hühnerlader am 08.08.2019 08:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist keine Ausnahme sondern die Regel

    Leute das ist sicherlich keine Ausnahme, sondern die Regel. Ich gehe regelmässig in der Nacht helfen "Hühner laden": Da werden je 5 Hühner an den Beinen genommen und in eine Kiste gelegt, oder eben meistens eher geworfen. Bei 20'000 bis 25'000 Tiere pro Stall und eine Ladezeit von ca. 2h gibt es keine Zeit jedem Tier noch Lebewohl zu sagen oder dieses zu streicheln. Ich behaupte, so gut wie jedes Poulet welche man bei Migros oder Coop kaufen kann, wurde so verladen. Das ist die bittere Realität.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Schäbu am 08.08.2019 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    heuchlerisch

    Hier das grosse Entsetzen zeigen und dann in den Laden rennen und das billigste Fleisch kaufen. Ist dasselbe mit wie beim Klimaschutz. An Demos teilnehmen, anschliessend Flugticket kaufen. Alles blabla. Ich kaufe grundsätzlich nur Fleisch aus der Schweiz mit Label, mit der Hoffnung das ich vom Anbieter vera.. werde, was die Tierhaltung betrifft.

  • Ronald Mc Noland am 08.08.2019 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Profit über alles

    "Unsere Lieferkette wird ständig überwacht, und die Betriebe sind natürlich alle zertifiziert". Immer dieselben Ausreden der Grossverteiler und der Fleischindustrie. Ich weiss warum ich seit Jahren kein Fleisch mehr esse. Wenns um den Profit geht bleibt die Moral und das Tierwohl auf der Strecke. Ich hoffe die kommenden Generationen setzen diesem Verbrechen an den Tieren endlich ein Ende!

  • Wörni am 08.08.2019 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwürdig

    Das geht jetzt gar nicht. Ich hoffe sehr, dass Bell und Coop umgehend reagieren. Das hat nichts mit würdigem Umgang mit Tieren zu tun. Ich hoffe sehr, dass die Konsumenten kein Truthahn mehr kaufen. Das ist eine Riesen Sauerei.

  • Margrit Aegerter am 08.08.2019 18:59 Report Diesen Beitrag melden

    unermessliches Tierleid

    Alle paar Monate gibt es Schlagzeilen über gequälte Tiere, niemand ändert deswegen sein Konsumverhalten, was der einzige Weg zur Besserung wäre. Es geht zudem meistens um den Preis und jetzt halt weniger um Schwein als Geflügel, vor allem wegen der kulturellen Veränderung. Beide und viele andere Tierarten leiden millionenfach wegen der Menschen. Wir sind mitschuldig, können wenigstens bei uns selber anfangen, bewusst zu konsumieren. Das ist aber nicht gefragt, lieber vor allem, ob es nun halal ist oder koscher oder vegan usw. Es geht auch bei Pflanzen nur um Profit.

  • Lenard am 08.08.2019 18:26 Report Diesen Beitrag melden

    Ihr solltet mal sehen

    unter was für Bedingungen die über Subunternehmer eingestellten Fleischverarbeiter arbeiten und leben müssen. Und das hier in der Schweiz. Eine Schande! Unsere Behörden schliessen beide Augen und unternehmen NICHTS! Ich kaufe seit Jahren kein Fleisch mehr, von dem ich weiss, dass es von BELL kommt. Diese Firma ruiniert den Ruf des Landes genau so wie Nestle und die UBS.