Internet-Warenhaus

30. April 2018 16:09; Akt: 30.04.2018 19:48 Print

Coop stellt Online-Marktplatz Siroop ein

von S. Spaeth - Die Dominanz von Amazon war zu gross: Coop lässt das einst zusammen mit der Swisscom lancierte Start-up Siroop sterben. 180 Mitarbeiter sind betroffen.

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Etwas mehr als zwei Jahre nach der Lancierung wird klar: Coop zieht dem Marktplatz Siroop den Stecker. Coop wird die Plattform Siroop per Ende Jahr einstellen und künftig allein auf das Online-Format Microspot setzen. Laut Expertenschätzungen hat Siroop im letzten Jahr über 60 Millionen Franken Umsatz erzielt. Auf dem Online-Marktplatz sind derzeit rund 500 Händler vertreten. Ambitioniertes Ziel: Als Coop und Swisscom die Plattform Siroop lancierten, lautete das Ziel: «Wir wollen der beliebteste Onlinemarktplatz sein und das beste Shoppingerlebnis der Schweiz bieten.» Palkatwände, TV-Kampagnen, riesige Transparente: Siroop hat viel Geld in den Aufbau der Marke gesteckt. Und mit dieser Werbung handelte sich Siroop sogar eine Rüge der Lauterkeitskommission ein. Es fehle der natürliche Zusammenhang zwischen dem Mann und dem Bügeleisen. Zudem werde der Mann als willenloses und manipulierbares Objekt dargestellt. Dle Lancierung von Siroop ware eine Kampfansage an Amazon ... ... und an die Plattformen Digitec und Galaxus. Die digitalen Warenhäuser sind schon seit 2010 am Start und gehören der Migros. Der Plan von Siroop: Produkte von nationalen Händlern, reinen E-Commerce-Anbietern und lokalen Geschäften auf einem einzigen Marktplatz zu vereinen Bereits im Sommer 2015 hatten Coop und Swisscom das gemeinsame Projekt eines digitalen Marktplatzes erstmals bestätigt. Damals war der Name noch geheim. In Siroop integriert haben die beiden Partner Swisscom und Coop ihre jeweiligen Kernkompetenzen: Coop jene aus Handel, Vermarktung und Logistik, Swisscom jene aus dem Bereich Digitalisierung und E-Commerce. Siroop wollte die Schweizer Alternative sein, denn die bei Amazon bestellten Waren kommen oft aus Deutschland: Im Bild das Distributionszentrum in Bad Hersfeld.

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Erst vor zwei Wochen hat Coop angekündigt, den zusammen mit der Swisscom lancierten Marktplatz Siroop vollständig zu übernehmen. Nun sind die Zukunftspläne durchgesickert: Der Detailhändler wird das Online-Warenhaus, das im Jahr 2016 als Amazon- oder Digitec-Galaxus-Rivale lanciert worden war, nicht weiterführen. Dies hat 20 Minuten aus Mitarbeiter-Kreisen erfahren. Für das Start-up Siroop sind in Zürich rund 180 Personen tätig.
 
Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt Coop-Mediensprecher Urs Meier den Sachverhalt: «Wir werden die Plattform Siroop per Ende Jahr einstellen und künftig allein auf das in der ganzen Schweiz etablierte Online-Format Microspot setzen.» Laut Meier wurden am Montagnachmittag Mitarbeiter und Händler über den von der Coop-Unternehmensleitung gefällten Entscheid informiert. «Leider ist es uns nicht gelungen, in der kurzen Zeit nach der Lancierung die Plattform genügend voranzutreiben.»

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Mitarbeiter sollen weiterbeschäftigt werden

Klar ist: Coop und Swisscom haben in den letzten zwei Jahren eine riesige Summe in Siroop-Marketingaktivitäten investiert – von grossen Plakaten am Strassenrand über TV-Spots bis zur Online-Werbung. Wie viele Millionen ausgegeben wurden, um die Marke bekannt zu machen, will Coop nicht bekannt geben. Das Unternehmen weist aber darauf hin, dass die in Siroop investierten Mittel nicht verloren sind. «Wir haben zu einem Teil sicher auch Lehrgeld bezahlt. Das erworbene technische Know-how können wir nun aber gut für die Weiterentwicklung von Microspot einsetzen», erklärt Coop-Sprecher Meier.
 
Entlassungen soll es durch das Aus von Siroop nicht geben. Den 180 betroffenen Siroop-Mitarbeitern wird laut Meier in der Organisation von Microspot, bei Coop oder bei der Swisscom eine Stelle angeboten. Laut Expertenschätzungen hat Siroop im letzten Jahr über 60 Millionen Franken Umsatz erzielt. Auf dem Online-Marktplatz sind derzeit rund 500 Händler vertreten.
 
Laut 20 Minuten vorliegenden Informationen plant Coop, Microspot zu einer Art Microspot Plus auszubauen. Will heissen: Die als Elektronik-Online-Shop bekannt gewordene Plattform soll deutlich erweitert werden. Man befinde sich noch in der Planungsphase, so Meier. Es sei aber angedacht, mit ausgewählten Siroop-Händlern auch auf Microspot.ch zusammenzuarbeiten. «Wir wollen das beste aus beiden Plattformen zusammenführen», gibt sich Coop zuversichtlich.

Hohe Investitionen im Online-Business

Die Anzeichen, dass Coop bei Siroop die Notbremse ziehen könnte, verdichteten sich bereits vor rund einer Woche. Es kursierten Meldungen, wonach in einer Übergangsphase der Betrieb von Siroop reduziert werde. Dazu sagt Meier: «Wir lassen die Plattform noch bis Ende Jahr weiterlaufen, damit es für die Händler einen geordneten Ausstieg oder Übergang gibt.» Zudem werde Coop die Marketingaktivitäten für Siroop einschränken.

Noch an der Jahresmedienkonferenz Mitte Februar liess Coop verlauten, mit Siroop alles in allem gut unterwegs zu sein. Man habe innert nur zwei Jahren 400'000 Kunden gewonnen und über eine Million Artikel ins Sortiment gebracht. Auf die Nachfrage von 20 Minuten, wie es bei Siroop mit dem Geldverdienen aussehe, hiess es bei Coop: «Das ist noch nicht der Fall. Bei einem Online-Business muss man zuerst viel investieren. Bis Siroop Gewinn macht, kann es noch einige Jahre dauern.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ronnie R am 30.04.2018 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gut so

    auch okay dann muss man die dumme und nervige Werbung nicht mehr sehen.

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  • Alexander Uster am 30.04.2018 16:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sirup oder Siroop?

    schon diese Werbung konnte mich nicht ansprechen!

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  • Pepipeter am 30.04.2018 16:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Ja, bei der Werbung!!!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • wauti am 01.05.2018 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe sogar den Sender gewechselt...

    ...wenn diese blöde Werbung lief... Ich habe die Message nie verstanden, ich bin wohl nicht der einzige!!!

  • wauti am 01.05.2018 19:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwundert mich nicht...

    ... bei dieser blöden Werbung, die keiner versteht... wer diese Werbung kreiert hat, soll nochmals in den Kindergarten.

  • Dani Metzger am 01.05.2018 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Amazon oder was?

    Naja, Dominanz von Amazon. In der Schweiz gibt es auch noch Digitec Galaxus, Brack, Ricardo und andere. Ein frecher Marketing-Gag und viel Fernseh-Werbung alleine genügen offenbar noch nicht. Wen wollte man eigentlich mit dieser Siroop-Planscherei ansprechen? Wohl eher ausgeflippte Teenies, darum haben sie auch alle Kunden gleich geduzt...

  • Ein Stein am 01.05.2018 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Ein internes Riesenschlamassel...

    Ich war vor zwei Jahren dort zu einem Vorstellungsgespräch im Customer Service. Ich habe niemals wieder einen Betrieb kennengelernt, der so plan-, konzept-, und ziellos vor sich hinarbeitet. Strukturen haben KOMPLETT gefehlt und die Führung war genauso überfordert wie die zahlreich aufgestockten Mitarbeiter. Zum Abschied sagte mir der Head of Customer Service noch, seine Ambition wäre der beste Customer Service der CH aufzubauen, ob Ironie oder Wahrheit sei jetzt mal dahingestellt. Und das beste an der Geschichte: Ein anderer Kandidat wurde schlussendlich für die Stelle berücksichtigt!! =)

  • Nötzli am 01.05.2018 15:54 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo: Dumme Werbung

    War ja auch die unsympatischste und dümmste Werbung die ich je sah