Höherer Milchpreis

18. Juni 2018 20:48; Akt: 18.06.2018 20:48 Print

Das ändert sich für Konsumenten und Kühe

von Isabel Strassheim - Coop will die normale Pastmilch um 5 Rappen verteuern. Das sind die Folgen für Konsumenten, Bauern und Kühe.

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Auch herkömmliche Milch soll nicht ohne Extra auskommen: Der Detailhändler Coop fordert bessere Tierwohl-Standards und erhöht für Bauern und Konsumenten den Milchpreis: Für die Konsumenten wird die Pastmilch 5 Rappen teurer, kündigte Coop-Chef Joos Sutter in einem Interview mit der «SonntagsZeitung» an. Dafür sollen die Bauern 4 bis 6 Rappen mehr pro Kilogramm Milch erhalten. Das sind die Folgen für Konsumenten, Bauern – und Kühe:

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• «Wir begrüssen, dass Coop den Bauern einen höheren Milchpreis zahlen will», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin vom Konsumentenschutz, zu 20 Minuten. «Wenn wir als Konsumenten mehr zahlen müssen, wollen wir auch wissen, wo das Geld hingeht.» Ein wesentlicher Teil des Ladenpreises für einen Liter Milch gehe jedoch noch immer nicht an die Milchbauern. Stalder fordert von Coop und den anderen Detailhändlern, dass sie offenlegen, wer wie viel vom Verkaufspreis erhält. Die Erhöhung von 5 Rappen pro Liter für die Konsumenten bei Coop dürfte auch für einkommensschwache Familien kaum ein Problem darstellen. «Diese leicht höheren Lebenshaltungskosten sind vertretbar», sagt Stalder. Denn Lebensmittelausgaben machten normalerweise einen geringen Teil vom Familienbudget aus. Kosten für Miete, Versicherungen, Mobilität und Kommunikation spielten eine weit grössere Rolle.

• «Die Bauern freuen sich über einen höheren Milchpreis», sagt Jacques Bourgeois, Direktor des Schweizer Bauernverbands, zu 20 Minuten. Coop zeige, dass sich Preiserhöhungen auch beim Konsumenten durchsetzen lassen. Der derzeitige Milchpreis reiche für die Landwirte nicht aus, um ihre Kosten zu decken, sodass sie statt Gewinn zu machen noch drauflegen müssten. Wegen der höheren Standards müssten einige zwar noch zusätzlich investieren. «Für die Bauern sind die höheren Auflagen schon anspruchsvoll, aber wir wollen nachhaltig produzieren», betont Bourgeois. Schwierig sei es allerdings, dass jeder Detailhändler sein eigenes Milch-Label durchsetze und es keinen allgemeinen Standard gebe, was bei Konsumenten und Produzenten zu Unsicherheit führe. Zudem: Das von den Bauern selber initiierte Fair-Label für einen gerechten Milchpreis hätte eine gemeinsame Basis sein können. 80 Prozent der Milch von Schweizer Bauern gehen an Migros und Coop. Beide Detailhändler haben eine enorme Marktmacht, die Bauern haben kaum eine Alternative.

• Für die betroffenen der insgesamt 570'000 Schweizer Milchkühe bedeutet der neue Coop-Standard mehr frische Luft und Freiheit: Bauern müssen für Coop künftig ihre Milchkühe regelmässig ins Freie lassen – was bislang ohnehin bei gut 80 Prozent der Fall ist. Ausserdem müssen Bauern noch einen weiteren Tierwohlstandard des Bundes erfüllen, etwa eingestreute Liegeplätze oder ein rund um die Uhr zugänglicher Liegebereich. Für Migros-Milch gibt es dagegen andere Auflagen: Bauern müssen die Kühe mindestens zur Hälfte mit Wiesen- und Weidefutter füttern und Soja darf nur aus nachhaltiger Produktion verwendet werden. Zudem muss jeder Milchbauer zur Förderung der Biodiversität beitragen, also etwa einen Ökostreifen neben dem Monokulturacker belassen. Anders als Coop hat Migros den Bauern noch nicht bekannt gegeben, wie viele Rappen sie dafür pro Kilogramm Milch mehr erhalten werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Philipp Gressel am 18.06.2018 21:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    back to the roots

    man sollte wie früher einfach alle par tage zum bauern und für 1.-/L frische milch kaufen und zuhause kurz abkochen. hätten beide was davon... hab ich als kind immer gemacht. zu fuss jeden tag 2L mit dem milchchänneli, eigentlich könnte ich wieder damit anfangen...

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  • Möni am 18.06.2018 21:02 Report Diesen Beitrag melden

    aus der Region

    Im Säuliamt haben sich einige innovativen Bauern zusammen geschlossen und lassen ihre Milch in Bonstetten verarbeiten. Volg verkauft den Liter für knapp CHF 2.-. Auf diese Weise sollte man die Bauern unterstützen, ich würde auch 2.50 für einen Liter bezahlen. Hauptsache aus der Region. Die Grossverteiler sollten sich auch an solchen Aktionen beteiligen, das wäre Unterstützung.

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  • Don Vito Corleone am 18.06.2018 21:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vor ca. 25 - 30 Jahren

    kostete Milch zwischen CHF 1.75 bis CHF 1.85 und somit ist Milch viel zu billig. Der Bauer bekam damals über 1 Franken pro Liter und heute ist es fast nur noch die Hälfte! Und da wundert sich der Bürger warum man Bauern subventionieren muss wenn sie für ihre Arbeit nur noch die Hälfte bekommen! Ich hoffe der Aufschlag kommt auch beim Produzenten an!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lorenz Hess am 19.06.2018 12:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heidi

    Unsere Bauern schauen auf das Tierwohl ,

    • Susi N am 25.06.2018 09:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lorenz Hess

      Leider bei weitem noch nicht alle, genauer hinsehen bitte

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  • Bruno am 19.06.2018 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    OPEC Taktik

    Schaut doch mal die OPEC an Liebe Bauern. Wenn die mehr Geld haben wollen senken sie die Fördermenge und weltweit steigen die Kobsumentenpreise. Bei der Milch aber wird immer mehr produziert um sinkende Preise aufzufangen. Logischerweise sinkt bei Überproduktion auch die Bereitschaft mehr für den Liter zu bezahlen. Dafür bräuchte es aber Solidarität unter den Bauern, vor Allem die Grossproduzenten müssten den Kleinen helfen. Tun die aber nicht, das eigene Hemd ist eben näher.

  • Bäuerin am 19.06.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wiso haben wir so ein schlechtes Image

    Fakt ist das praktisch alle (kleinen Bauern, bis ca. 30 Kühe) die Auflagen bereits jetzt schon erfüllen! Sie müssen es jetzt einfach amtlich ausfüllen... oder wie viele Betriebe kennen sie wo die Kühe 24h am Tag 7 Tage pro Woche im Stall stehen?? Bzgl. all diesen Antibiotika gegern, wir haben Vorschriften in der Landwirtschaft! Genauso wie sie an einer roten Ampel halten müssen, müssen wir die Absetzfrist der Antibiose einhalten und dabei wird die Milch nicht verwendet! Subventionen müssen sein, leider! Würde jeder Bauer für seine Produkte so viel erhalten wie sie wert sind so würde man weniger Subventionen brauchen, übrigens auch der meiste Wunsch von vielen Bauern, denn auch wir sind nicht gerne abhängig vom Staat! P.S. jeder der findet wir Bauern erhalten zu viel Geld darf sich gerne bei mir melden für 1-2 Wochen "einblick" in unser Leben und mithelfen! Zeitlich immer verfügbar wir sind 365 Tage im Jahr am Arbeiten...

    • Rahel am 19.06.2018 15:11 Report Diesen Beitrag melden

      Schaut nach vorne liebe Bauern..!!

      Das Problem bei den Bauern ist nicht das was sie für Produkte erhalten, sondern dass für die Produktion selbst zu viele Resourcen verschwendet werden. Googlet mal nach Hands Free Hectar für Ackerbau oder fully automated milk production. Produktionskosten sind dadurch um bis zu 40% reduziert worden, da der Bauer keine Zeit mehr mit langwierigen und repeditiven Tätigkeiten mehr verschwendet, sondern sich um das wichtige kümmern kann, während Maschinen teure Arbeitskräfte ersetzen. Ich sehe aber ein dass ohne Unterstützung des Staates bei der Finanzierung solcher Systeme nichts machbar ist.

    • Mädiii am 19.06.2018 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rahel

      oft haben wir aber noch viele betriebe, wir eingeschlossen wo noch viel handarbeit dabei ist... denn für Teure maschinen welche diese arbeit abnehmen (Melkroboter/Heukranen/etc.) hat man entweder nicht das Geld oder der Platz, Stalleinrichtung fehlt...

    • Vreneli vom Lindenberg am 25.06.2018 14:20 Report Diesen Beitrag melden

      pro CH Bauern und Bergbauern

      @Danke liebe BÄUERIN für Ihren fundierten Bericht. Ich zweifelte noch nie an der Glaubwürdigkeit von unseren Bauern. Ich zolle vor allem jenen grossen Respekt und erwähne es immer wieder, auch wenn es selten freigeschaltet wird. dass wir die schöne Landschaftspflege auch den Bauern zu verdanken haben. Es wäre eine Verwaldung und Verbuschung ohnegleichen, danke!

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  • Andi Wand am 19.06.2018 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    anschauen und nachdenken

    Vor ein paar Tagen kam bei SRF eine sehr gute Doku: Das System Milch.

    • Rahel am 19.06.2018 15:24 Report Diesen Beitrag melden

      Auf BBC auch..

      Super Reportage über vollautomatisierte Farmen und Milchbetriebe. Der Bauer braucht nur noch die Administration und die Logistik zu erledigen und die Maschinen und Prozesse zu überwachen. Grundinvestition ist gross, aber die Kosten generieren Steuererleichterungen und sind nach 5 Jahren (zumindest in den UK) amortisiert. Danach fallen nur noch gelegentliche Wartungskosten an, die aber einen Bruchteil der Ersparniss ausmachen.

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  • Teutates am 19.06.2018 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist wieder mal Märchenstunde angesagt

    Sehr sehr, witzig und lachhaft! Wer soll das alles überprüfen? Die Konsumenten? Nur Kälber trinken Kuhmilch.