Börsen-Reaktion auf Coronavirus

24. Februar 2020 11:17; Akt: 24.02.2020 13:23 Print

Franken auf höchstem Stand seit Juli 2015

Erstmals zeigen sich die Auswirkungen des Coronavirus deutlich an den Finanzmärkten. Die Kurse sind weltweit ins Rutschen geraten.

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Aus Angst vor den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung für die globale Wirtschaft sind die Anleger am Montag in Scharen in den als «sicheren Hafen» geltenden Schweizer Franken geflüchtet. Der Franken stieg zur Hauptexportwährung Euro auf den höchsten Stand seit mehr als viereinhalb Jahren. Die Gemeinschaftswährung kostete mit 1,0604 Franken so wenig wie zuletzt im Juli 2015.

Anlagen mit höherem Risikocharakter wie Aktien dagegen wurden aus den Depots geworfen. Die Schweizer Börse stürzte im Einklang mit anderen wichtigen Handelsplätzen ab. Der Leitindex SMI fiel in der Spitze um 3,6 Prozent auf 10.715 Punkte - das ist der grösste Tagesverlust seit August 2015.

Die Neuinfektionen ausserhalb Chinas bringen das Erholungsszenario der Märkte ins Wanken, erklärten die Analysten der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Aktienmärkte weltweit auf Talfahrt

Das Coronavirus schlägt somit mit etwas Verspätung verstärkt auf die Finanzmärkte durch. Die bisher gezeigte Sorglosigkeit ist verflogen, so dass die Kurse an den Aktienmärkten weltweit ins Rutschen geraten sind. Aufwertungsdruck gibt es dagegen auf sichere Anlagen wie Gold oder den Franken.

Bereits vor dem Wochenende war die Stimmung nach zwei aufeinanderfolgenden Minustagen angeschlagen, nach den neuesten Meldungen über die Ausbreitung des Virus in Südkorea und Italien hat sich das Abwärtstempo zum Wochenstart aber deutlich beschleunigt. Die Kurstafel am Schweizer Aktienmarkt ist am Montag tiefrot gefärbt.

Stärkster SMI-Verslust seit Ende 2018

Der SMI sackte in der ersten Handelsstunde um rund 3 Prozent auf noch knapp 10'800 Punkte ab. Er hat damit im Vergleich zum Freitagabend über 300 Punkte verloren - entsprechend ist auch der als «Angstbarometer» bekannte Volatilitätsindex VSMI um über einen Drittel angestiegen. Einen ähnlich deutlichen Einbruch erlitt der hiesige Leitindex zuletzt Ende 2018.

Die Investoren trennen sich insbesondere von Aktien aus dem Luxus- und Reisesektor, oder bei denen sie eine grosse Abhängigkeit vom asiatischen Wirtschaftsraum sehen. Neben AMS (-6,5%) sind dies etwa auch Richemont (-5,5%), Swatch (-6,2%) oder die Aktien des Reisedetailhändlers Dufry (-7,3%).

Im Bereich von knapp unter oder leicht über 5 Prozent liegen die Verluste von weiteren konjunktursensitiven Aktien wie Kühne Nagel, Adecco oder Logitech oder von Industrieschwergewichten wie Oerlikon, Georg Fischer, Bucher Industries oder Sulzer.

Auch der Dax in Deutschland oder der französische Leitindex CAC büssten über 3 Prozent ein, in Asien ging es zuvor vor allem in Südkorea markant nach unten.

Angst vor wirtschaftlichen Folgen

Die Entwicklung am Wochenende habe den Investoren vor Augen gehalten, dass es zu früh war, das Thema Coronavirus und die möglichen wirtschaftlichen Folgen als eingegrenzt zu betrachten, hiess es in Händlerkreisen.

Vor allem die Ausbreitung des Virus auf weitere asiatische Länder und die ersten Todesfälle in Europa haben am Wochenende die Schlagzeilen beherrscht. Investoren sind ob der Ausbreitungsgeschwindigkeit verängstigt. Entsprechend sind sichere Häfen wie der Goldpreis, der US-Dollar und auch der Schweizer Franken gefragt.

Das Euro/Franken-Währungspaar hat über Nacht kurz die Marke von 1,06 Franken unterschritten, was dem tiefsten Kurs seit Sommer 2015 entspricht. Der Goldpreis hat einen siebenjährigen Höchststand und kostete pro Feinunze zuletzt nur noch geringfügig weniger als 1'700 US-Dollar.

(scl/sda)