2. Beschattung

23. Dezember 2019 08:00; Akt: 23.12.2019 09:51 Print

CS-Chef Thiam soll wieder von nichts gewusst haben

Die Grossbank gibt die weitere Beschattung eines Top-Managers zu. In der Chefetage hat das aber keine Folgen.

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Bei der Credit Suisse hat es eine weitere Beschattung gegeben. Konsequenzen für Konzernchef Tidjane Thiam und Präsident Urs Rohner werden allerdings keine angekündigt.

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Konkret hätten sich Medienberichte bestätigt, dass nicht nur Top-Manager Iqbal Khan vor seinem Wechsel zur Konkurrentin UBS observiert wurde. Auch der damalige Personalchef Peter Goerke sei im Auftrag der Bank im Februar 2019 «während einigen Tagen» von einer Drittfirma beschattet worden, teilte die Credit Suisse am Montag mit.

Nicht die Wahrheit gesagt

Dies ist die Erkenntnis eines neuen Untersuchungsberichts, den die Bank zusammen mit der Anwaltskanzlei Homburger erstellt hat. Präsident Rohner hatte die die Überwachung Khans im Oktober noch als «isoliertes Ereignis» bezeichnet.

Seine damalige Aussage beruhte laut der jetzigen Mitteilung jedoch auf falschen Annahmen. Denn in einer ersten Untersuchung, die ebenfalls mit der Anwaltskanzlei Homburger durchgeführt wurde, hätten die verantwortlichen Personen bei der Frage nach weiteren Beschattungen «nicht wahrheitsgetreu Auskunft gegeben und die Beschattung Peter Goerkes verschwiegen», so die Mitteilung.

Zudem seien die Verantwortlichen darauf bedacht gewesen, «keine nachweisbaren Spuren» in den Systemen der Bank zu hinterlassen.

Fristlose Kündigung für Bouée

Namentlich genannt wird auch im neuen Bericht das ehemalige Konzernleitungsmitglied Pierre-Olivier Bouée. Er habe den Auftrag zur Observierung Goerkes erteilt, so die Mitteilung weiter. Bouée sei nun fristlos gekündigt worden.

Der Manager, der für das operative Geschäft zuständig war, galt als Vertrauter von CEO Thiam. Er hatte bereits beim Auffliegen der Affäre Khan seinen Rücktritt angekündigt. Damals hatte auch CS-Sicherheitschef Remo Boccali den Hut genommen.

Rückendeckung für Thiam

Aus der Schusslinie genommen wird hingegen weiterhin Konzernchef Thiam, die restliche Geschäftsleitung sowie der Verwaltungsrat. Sie alle hätten nichts von Goerkes Beschattung gewusst, bevor die Medien darüber berichtet hätten.

Diese Beschattung sei für den Verwaltungsrat inakzeptabel und «unentschuldbar», erklärt Verwaltungsratspräsident Rohner zudem in der Mitteilung.

Gegen Beschattungskultur

Wie die «NZZ» allerdings vor wenigen Tagen in Erinnerung gerufen hatte, bezeichnete CS-CEO Thiam Ende Oktober gegenüber dem Westschweizer Fernsehen RTS Überwachungen noch als «legitimes Mittel».

Der CS-Verwaltungsrat lehne eine Beschattungskultur entschieden ab, betonte nun hingegen Rohner. Die Vorgänge hätten dem Ansehen des Unternehmens geschadet. Es seien nun Massnahmen getroffen worden, dass sich solche Vorgänge nicht wiederholten. Dazu gehöre der Erlass verschärfter interner Weisungen, so der CS-Präsident weiter.

Kooperation mit Finma

Die Finanzmarktaufsicht Finma hatte letzten Freitag bekanntlich angekündigt, man habe einen unabhängigen Prüfbeauftragten bei der Grossbank eingesetzt. Untersucht würden aufsichtsrechtlich relevante Fragen zu den Grundsätzen der Corporate Governance.

Dazu teilte die Credit Suisse nun mit, dass man werde weiterhin eng mit der Finma und neu auch mit dem durch diese eingesetzten unabhängigen Prüfbeauftragten zusammenarbeiten werde.

Wie ebenfalls bekannt ist, prüft die Zürcher Staatsanwaltschaft derzeit, ob sich jemand in Zusammenhang mit der Überwachung von Khan strafrechtlich fehlverhalten hat. Denn dieser erstattete im September Anzeige wegen Nötigung und Drohung.

(dob)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • BU am 23.12.2019 08:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    TT untragbar

    Komisch, die Chefs wissen nie von was, kassieren aber als hätten sie alles im Griff! Der Aktienkurs sagt alles!

    einklappen einklappen
  • Belly am 23.12.2019 08:26 Report Diesen Beitrag melden

    unglaubwürdig

    Die CS, allen voran deren CEO ist richtig unglaubwürdig geworden.

    einklappen einklappen
  • Irgendeiner am 23.12.2019 08:30 Report Diesen Beitrag melden

    sehr gelegen...

    na das kommt jetzt aber sehr gelegen, dass man das Ganze noch jemandem anlasten kann, der eh schon weg ist.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zürcherin am 12.01.2020 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CS

    ....warum schüzt der Rohner den Thiam? der Thiam soll gehen. das ist eine schande für die bank.

  • 911 964 am 29.12.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RF - CS, wie lange noch?

    Bin gespannt, wie lange RF seinen Namen noch für dieses Institut hergibt!

  • S.G.R. am 26.12.2019 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Glaubwürdige Sicherheitsorganisation

    Eine Sicherheitsorganisation die auch HOHE TIERE bei Verdacht unter die Lupe nehmen kann ist glaubwürdig. Die hohen Kader sind gut bezahlt, auch weil diese in besonders vertrauliche Akten haben. Warum genau die betroffenen Top-Kader unter unter die Lupe genommen wurden wird schon aus Datenschutzgründen wohl kaum veröffentlicht werden. Es ist nur bekannt dass diese die Firma verlassen haben.

  • Denn am 26.12.2019 19:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Begreife

    Chef dieser Bank gut! Denn im Alter wird der Mensch vergesslich? Einige halt etwas früher?

  • bruno am 26.12.2019 09:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    thiam u. rohner raus

    wenn der chef nicht weiss was in seinem betrieb läuft, gehört er ersetzt.