Geheime Handelsräume

06. Juni 2014 12:13; Akt: 06.06.2014 13:43 Print

Credit Suisse hat den grössten «Dark Pool»

In den USA wurde erstmals eine Statistik über die Volumen veröffentlicht, welche über sogenannte Dark Pools für superschnelles Handeln laufen. UBS und CS mischen ganz vorn mit.

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Erstmals wurden Details zu den Dark Pools, den Schattenbörsen, publiziert. Sowohl CS als auch UBS mischen ganz vorn mit. (Bild: 20 Minuten)

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Investoren, die mit grossen Aktienpaketen handeln wollen, wickeln ihr Geschäft immer mehr im Verborgenen ab. Um keine Aufmerksamkeit beim An- oder Verkauf von grossen Aktienblöcken zu erregen, nutzen sie die Dienste von sogenannten Dark Pools. Das sind Handelsplattformen, die, wie der Name schon sagt, im Dunkeln agieren. Diese elektronischen Handelsplätze geben keine Informationen an die Öffentlichkeit preis. Die Ausführung der Transaktionen erfolgt direkt – ohne den Umweg über eine Börse, wo sie öffentlich einsehbar wären. Aus den Dark Pools dringt nichts nach aussen.

Dunkle «Liquiditätspools» verzeichneten deshalb in den letzten Jahren einen grossen Zuwachs. Zu den grössten elektronischen Handelsplätzen, auch Schattenbörsen genannt, zählen Plattformen wie Sigma X von Goldman Sachs oder Crossfinger von Credit Suisse. Aber auch unabhängige Dienstleister wie Nyfix Millenium, Pipeline oder Liquidnet sind auf dem alternativen Börsenmarkt vertreten.

Den Behörden ein Dorn im Auge

Mehr als ein Drittel des Aktienhandels in den USA wird schon in «Dark Pools» abgewickelt. Das ist den Regulierungsbehörden ein Dorn im Auge. Sie sind bemüht, mehr Transparenz im Aktienhandel abseits der Börsen zu schaffen.

Im Oktober letzten Jahres haben die Aufsichtsbehörden vorgeschlagen, neue Regeln für die alternativen Anbieter zu etablieren. Sie sollen demnach ihr Handelsvolumen auf wöchentlicher Basis angeben und auch die Zahl der einzelnen Transaktionen in bestimmten Anlageklassen veröffentlichen.

Nun hat die Financial Industry Regulatory Authority (Finra) erstmals eine Statistik über die Handelsvolumen veröffentlicht, welche über die Dark Pools der verschiedenen Betreiber laufen, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt.

Bislang nur ein Teil des gesamten Handels erfasst

Ganz vorn mit dabei ist die Credit Suisse. Ihre Plattform Crossfinder handelt wöchentlich mehrere hundert Millionen Aktien. Auch der Dark Pool der UBS mischt an vorderster Front mit.

Gemäss den erhobenen Zahlen ist die Crossfinder-Plattform der Credit Suisse der mit Abstand grösste Dark Pool. Über sie wurden in der Woche vom 12. bis 18. Mai 374 Millionen Aktien gehandelt. Erfasst hat die Finra dabei nur die Aktien in den US-Indizes Standard & Poor's und Russell 1000 sowie den ETF-Handel.

305 Millionen Aktien wurden auf der Barclays Plattform LX gehandelt und 278 Millionen im Dark Pool der UBS. Die Schweizer Grossbanken nehmen damit eine führende Position im US-Aktienhandel abseits der Börsen ein.

Nur noch rund 60 Prozent des Handelsvolumens wird über die Börsen abgewickelt, der Rest über alternative und private Handelssysteme. In zwei Wochen plant die Finra, Daten zum gesamten Wertschriftenhandel zu veröffentlichen, der über die Dark Pools läuft.

Transaktionen im Verborgenen

Ermöglicht hat den Siegeszug der alternativen Plattformen und Dark Pools die EU-Kommission. Jetzt will sie die Geister, die sie einst gerufen hat, am liebsten wieder einfangen – sprich: die Liberalisierung des Aktienhandels wieder zurückdrehen. Vor sieben Jahren trat in der EU die Finanzmarktrichtlinie Mifid in Kraft, die mehr Wettbewerb an den Finanzmärkten schaffen sollte.

Aufgrund ihrer Monopolstellung hatten die amtlichen Börsen bis dahin schamlos bei den Gebühren zugelangt. Seit 2007 gibt es in der EU neben den Börsen drei Gruppen von konkurrierenden Handelsplätzen, zwei davon werden zusammen als Dark Pools bezeichnet. Die verschiedenen Plattformen unterscheiden sich stark im Grad der Transparenz und Regulierung.

(cls)