Jahresergebnis

10. Februar 2011 07:12; Akt: 10.02.2011 15:39 Print

Credit Suisse mit 5,1 Milliarden Gewinn

Die Credit Suisse hat 2010 rund ein Viertel weniger Gewinn erwirtschaftet als im Vorjahr – und muss sich von der UBS überholen lassen. Die Aktie verliert sofort an Boden.

Credit-Suisse-CEO Brady Dougan zum Ergebnis 2010.
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Noch 2009 erzielte die CS einen Reingewinn von 6,7 Mrd. Franken. Nun muss sich die Grossbank mit 1,6 Milliarden weniger begnügen: Vor allem wegen des relativ tiefen Ergebnisses der Investmentbank blieben der zweitgrössten Schweizer Bank nur 5,1 Mrd. Reingewinn, wie sie am Donnerstag mitteilte.

Das Ergebnis der Investmentbank halbierte sich unter dem Eindruck anhaltender weltwirtschaftlicher Probleme wie der europäischen Schuldenkrise. Der Vorsteuergewinn der Sparte betrug noch 3,5 Mrd. Franken, wie die am Donnerstag vorgelegten Bilanzkennzahlen deutlich machen.

«Die Bankenindustrie steht einem neuen Umfeld gegenüber», sagte Konzernchef Dougan vor den Medien in Zürich. Die veränderten Bedingungen an den Kapitalmärkten und nach der Finanzkrise strenger werdenden Kapitalvorschriften für volkswirtschaftlich bedeutsame Banken prägten das Bild.

«CS verliert an Glanz»

Deswegen senkt Dougan die Renditeziele: Statt 18 Prozent Rendite auf dem Eigenkapital strebt die zweitgrösste Schweizer Bank, im Gegensatz zu anderen Grossbanken wie der Deutschen Bank, in den nächsten drei bis fünf Jahren eine tiefere Rendite von noch «mehr als 15 Prozent» an. 2010 betrug sie 14,4 Prozent, nach 18,3 Prozent im Vorjahr.

Während Dougan von der bereits erfolgten Anpassung der CS- Geschäftspraxis an das neue globale Umfeld sprach, reagierte die Börse skeptisch auf die Zahlen. «Die CS verliert etwas von ihrem Glanz», sagte ein Händler. Die Aktie verlor bis zum Nachmittag 5,8 Prozent und kostete 42.09 Franken.

Neben den gestutzten Finanzzielen beschäftigte auch die tiefere Dividende die Anleger: Die CS gab am Donnerstag bekannt, dass sie pro Aktie nur noch 1.30 Fr. ausschüttet, statt 2 Fr. wie im Vorjahr. Weil Schweizer Aktionäre die Dividende aber erstmals frei von den zuvor fälligen 35 Prozent Verrechnungssteuer erhalten, haben sie ungefähr gleich viel in der Tasche wie letztes Jahr.

Mehr Neugeld

Im zweiten wichtigen Standbein der CS-Gruppe, der Vermögensverwaltung für reiche Kunden (Private Banking), zeigte sich vor allem im vierten Quartal die Schwäche von Euro und Dollar gegenüber dem Franken. Mit einem Vorsteuergewinn von 3,4 Mrd. Franken, was einen Rückgang von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht, entwickelte sich die Sparte ansonsten stabil.

Die Bank verwaltete weltweit Ende Jahr 1,25 Bio. Fr. an Vermögen, 2 Prozent mehr als Ende 2009. Gesamthaft hat die CS netto im vergangenen Jahr 69,0 Mrd. Fr. Netto-Neugeld erhalten, nach 44,2 Mrd. Fr. im Vorjahr. Das Geld strömt der CS vor allem in den Schwellenländern sowie von der Kundengruppe der Multimillionäre zu.

Daneben gewinnt die CS auch in Europa laut Private-Banking-Chef Walter Berchtold neue Kundengelder, trotz Gerüchten über eine angebliche Daten-CD mit Informationen über CS-Kunden, die sich in den Händen der deutschen Steuerbehörden befinden soll. Damit unterscheidet sich die CS in diesem Punkt von der Konkurrentin UBS, die auf dem alten Kontinent immer noch verlorenes Kundenvertrauen gut machen muss.

Bonitopf deutlich kleiner

Der Personalaufwand für die 50 100 Angestellten betrug 2010 14,6 Mrd. Franken, 2 Prozent weniger als 2009. In Franken gerechnet sank die durchschnittliche Gesamtentschädigung pro Kopf um 9 Prozent. Konzernchef Dougan gab zudem bekannt, dass die Bank die Boni um 25 Prozent beschnitten habe.

Vor allem bei Angestellten in den oberen Hierarchiestufen wurden die Fixsaläre hingegen angehoben. Die genauen Zahlen zu den Kompensationen veröffentlicht die CS mit dem Jahresbericht im März.

(sda)