Faktenfutter

19. September 2018 10:00; Akt: 19.09.2018 10:00 Print

Darauf kommt es beim Lohnanstieg 2019 an

von Isabel Strassheim - Der Lohnherbst ist da: Forderungen und Schätzungen schwirren herum. Welche Lohnerhöhung ist realistisch?

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Viele Zahlen schwirren vor der Lohnrunde 2019 durch die Luft:
Der Gewerkschaftsbund fordert zwischen 2 und 2,5 Prozent mehr Lohn. Die Credit Suisse erwartet nur ein Plus von 1 Prozent. Travailsuisse will mindestens 2 Prozent mehr. Es geht zwar auch um Taktik, aber Forderungen und Prognosen basieren auf realen Fakten.

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Wie gut läuft die Wirtschaft?
Das erwartete Wirtschaftswachstum fürs nächste Jahr spielt eine wichtige Rolle für die Lohnrunde. «Es geht ja um die Frage, wie gross der Kuchen ist, der verteilt werden kann», sagt Ökonom Claude Maurer von der Credit Suisse (CS) zu 20 Minuten. Im laufenden Jahr sollte die Wirtschaft um 2,7 Prozent wachsen, im kommenden um 1,7 Prozent, so die CS. Entscheidend für die Lohnrunde ist dabei der Produktivitätsanstieg: Wie viel mehr Leistung bringen die Arbeitnehmer für das Wachstum? Laut Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, ist die Produktivität in den letzten Jahren in der Schweizer Wirtschaft im Schnitt um rund 1 Prozent gestiegen.

Wie hoch ist die Teuerung?
Die Lohnerhöhungen sollten die Teuerung ausgleichen. Die Prognosen unterscheiden sich aber: Für 2019 erwartet die CS etwa eine Teuerung von 0,7 Prozent, der Gewerkschaftsbund geht von 1 Prozent aus. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) rechnet mit 0,8 Prozent. Die Erwartungen können naturgemäss falsch sein: Für 2017 gingen Ökonomen von einer kaum merklichen Teuerung aus. Sie lag dann tatsächlich aber bei 0,5 Prozent; die Löhne hingegen waren nur um 0,4 Prozent gestiegen. Das kam einer Reallohnkürzung gleich. Die Gewerkschaft legt dieser Lohnrunde deshalb die aktuelle Teuerung von rund 1 Prozent zugrunde. Generell unberücksichtigt bleiben bei der Teuerungsberechnung jedoch immer die Krankenkassenprämien.

Ist die Arbeitslosigkeit hoch?
Für die Frage, wie viel bei der Lohnerhöhung drin liegt, ist es eigentlich egal, wie hoch die Arbeitslosigkeit gerade ist. Für die Verhandlungsmacht ist es jedoch entscheidend. «Eine hohe Arbeitslosigkeit bedeutet eine sinkende Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer», sagt CS-Ökonom Maurer. Wenn viele Menschen arbeitslos sind, haben die Leute eher Angst, ihren Job zu verlieren, und verzichten auf Lohn. Die Arbeitslosigkeit liegt jedoch mit aktuell 2,4 Prozent tief. Die Chancen für die Gewerkschaften stehen deshalb gut.

Alle drei Faktoren fliessen für die Lohnforderung respektive die Prognose für die nächste Lohnsteigerung zu gleichen Teilen ein. Für 2019 heisst das: Bei einem Produktivitätsanstieg von 1 Prozent und einer Inflation von um 1 Prozent und niedriger Arbeitslosigkeit wäre mit einem Lohnanstieg von rund 2 Prozent zu rechnen. Die Gewerkschaft fordert dazu noch einen Aufschlag auf bis zu 2,5 Prozent. «Damit wollen wir den fehlenden Inflationsausgleich der vergangenen Jahre nachholen», sagt Lampart zu 20 Minuten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kevin am 19.09.2018 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @20min

    Höhrt endlich auf mit dem ganzen Lohnerhöhungsquatsch. 99% der angestellten werden sowieso keine erhöhung erhalten egal ob sie verdient ist oder nicht. Der Chef weiss vor dem Lohngespräch ganz genau ob er mehr geben will oder nicht. Und wenn er das nicht will dann nützt es auch nichts wenn man gute Argumente oder sogar Fakten über Arbeitsleistung vorlegt.

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  • Xavi der Erste am 19.09.2018 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Neoliberalismus voll pervers!

    Wer genug verdient und eine fairen Lohn hat, der kann sich auch Fair-Food leisten. Er muss nicht in den Glyphosat-Müll beissen. Für die Reichen ist es aber von Vorteil, wenn der Arbeiter mit 65 ins Glyphosat Gras beisst zur Entlastung der AHV. Die Reichen werden dann die Steuerdeals in gute Nahrung investieren. Es hängt alles zusammen! Aufwachen!

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  • Schorsch am 19.09.2018 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder...

    Mich nervt es, jeden Herbst nur noch über del Lohn lesen zu müssen. Der Lohn ist eine individuelle Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nicht jede Unternehmung in der Privatwirtschaft kann solch horrende Löhne wie der Staat bezahlen und die Zahlen die hier herumschwirren sind sowieso für den grössten Teil der Schweiz nicht gültig.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • el bananero am 20.09.2018 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nach erstem Lohngespräch nicht aufgeben

    Das Problem ist das die meisten nach der Lohnforderung aufgeben. Im Lohngespräch gut argumentieren. Wenn das Gespräch erfolglos ist ein zwischenzeugnis verlangen. ein zweites Gespräch suchen und und bekannt geben man hätte jobangebote für 800 mehr im Monat, würde aber für 500 mehr bleiben.

  • Barbara Koch am 20.09.2018 03:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Löhne für alle!

    Normale Angestellte, ob Staat oder in der Privatwirtschaftliche haben zu kleine Löhne. Sie arbeiten oft um das gut bezahlte Management zu finanzieren. Gute Staatslöhne von normalen Bürgern sollten nicht runter, sondern die von der Privatwirtschaft sollten Rauf.

    • Sparfuchs Aargau am 20.09.2018 05:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Barbara Koch

      Ich mag jedem einen guten Lohn gönnen aber wir müssen uns bewusst sein eine Erhöhung aller Löhne bringt zwangsläufig eine Erhöhung aller Kosten mit sich. Da kostet das Hareschneiden plötzlich 100 statt 75 Franken oder der Restaurantbesuch zu zwei plötzlich 350 statt 200 Franken.

    • Der Fragende am 20.09.2018 10:20 Report Diesen Beitrag melden

      @ Sparchuchs

      Wären die Löhne gerecht, würde keiner jammern. Im Kleingewerbe sind grenzen gesetzt, das ist einsehbar. Grosse Firmen/Konzerne die regelmässig grosse Gewinne einfahren und immerwieder Personalkosten drücken sollten eine Verantwortung übernehmen. Oder haben die Managervergütungen nur mit der Verantwortung den Steakholder gegenüber zu tun? Wohl kaum...

    • Sparfuchs Aargau am 20.09.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      @der Fragende

      Sie sprecheen vom Kleingewerbe bei dem die Löhne bescheiden seien warum also wollen Sie die grossen Konzerne bestrafen? Die grossen Konzerne zahlen in der Regel bessere Löhne als das Kleingewerbe!

    • Daniel am 20.09.2018 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      @Der Fragende

      Die Schweizer/innen erhalten in allen Branchen und Funktionen weltweit die höchsten Löhne. Jammern ist völlig unangebracht. Die CH-Löhne sind bis auf weiteres einzufrieren. Somit wird auch die Teuerung stabilisiert. Bei gutem Geschäftsgang sollte besser eine einmalige, für alle Mitarbeitende gleichhohe Erfolgsbeteiligung ausbezahlt werden. Diese müsste als Altersvorsorge auf ein Sperrkonto (3. Säule) überwiesen werden.

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  • Michel am 19.09.2018 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krankenkasseprämie

    Wann wird die Krankenkasseprämie in die Teuerung aufgenommen. Dies wäre schon lange überfällig......

    • Dein Versicherer am 20.09.2018 00:05 Report Diesen Beitrag melden

      Einmal über die Nasenspitze hinaus

      Nein, es dürfte nur die Differenz zwischen den gezahlten Leistungen der Krankenkasse und der Prämie berücksichtigt werden. Zumeist würde dies eine individuelle Senkung des Lohns bedeuten.

    • Daniel am 20.09.2018 19:24 Report Diesen Beitrag melden

      Längst überfällig ist einzig....

      Dich zu informieren, weshalb nicht die KK-Prämien, sondern die Gesundheitskosten im Warenkorb zur Berechnung der Teuerung enthalten sind. Wer dazu nicht fähig ist, muss schweigen.

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  • Finikato Borito am 19.09.2018 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Thurbo AG

    Mein Bruder ist Lokführer bei der Thurbo AG. Der Lohn ist in dieser Firma durzogen in der gesammten Firma mit enormen unterschieden gezeichnet. Wird aber von Seite der Firma vehement abgestritten! Seit 8 Jahre werden alle Mitarbeiter von der Geschäftsführung dauerhaft angelogen. Die Lohnerhöhung ist so tief, dass eine Familie davon nicht mal auswärts essen könnte. Wo ist hier Gerechtigkeit und Fairnes und der Lob der geleisteten Arbeiter und das Dankeschön für die harten Dienste? Soviel dazu zur erfolgreichen Thurgauer Firma. Bravo Herr Boos!!!

  • Friedolin Räss am 19.09.2018 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nichts bringt kein Ärger

    Ich will keine Lohnerhöhung noch mehr Steuern zahlen ,möglich noch mehr als ich bekomme,wegen 100 Fr könnte in eine höhere Steuerklasse kommen,

    • Ändu am 19.09.2018 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Friedolin Räss

      So ein Quatsch. Dies behaupten imner wieder Leute, die keine Ahnung von unserem Steuersystem haben.

    • Friedolin am 19.09.2018 15:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ändu

      Rechnen ist scheinbar nicht ihr Fach,

    • Marcel Vogel am 19.09.2018 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ändu

      Erlebt als Angestellter der schönen Stadt Zürich. 5.15 Lohnerhöhung gehabt und ab in die neue Steuerklasse...

    • Sparfuchs Aargau am 19.09.2018 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      ist normal

      In den letzten 10 Jahren ist mein Bruttolohnohn um 77% erhöht. In dieser Zeit habe ich aber auch mehrere Weiterbildungen absolviert unter anderem habe ich einen Eid. Fachausweis sowie einen HF Abschluss erarbeitet. Ich frage mich woher die Anspruchshaltung in unserem Land kommt. Übrigens meine Steuerabgaben haben sich in diesen 10 Jahren mehr als vervierfacht!

    • Ki2k am 20.09.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marcel Vogel

      Das kann schon sein, wenn man lohnmässig an der steuergrenze liegt. Aber wer die steuererklärung ausfüllt und dann in der tabelle hinten nachschaut, sieht schnell ib er in Gefahr läuft, in eine höhere steuerklasse zu fallen ;)

    • Igel am 20.09.2018 10:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ändu

      Das Wort Progression, schon mal gehört?

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