Wenn Mitarbeiter twittern

22. Juli 2018 06:42; Akt: 22.07.2018 07:16 Print

Firmen haben bei Tweets ein Wörtchen mitzureden

von Dominic Benz - Mit ihren Kommentaren auf sozialen Medien können Angestellte ihren Arbeitgebern Probleme bereiten. Experten sagen, wann es kritisch wird.

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Arbeitnehmer lästern auf Facebook- oder Twitter-Accounts über Gott und die Welt. Auch wenn sie das auf ihren privaten Accounts tun – nicht selten bringen sie damit ihren Arbeitgeber in Teufels Küche.

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Dürfen Unternehmen bei den Tweets ihrer Mitarbeiter reinreden?

So haben die regelmässigen Trump-Bashing-Tweets von «10vor10»-Moderator Arthur Honegger SRF in Bedrängnis gebracht. Auch der BDP-Politiker Thomas Keller tat mit seinem Hitler-Tweet seiner Partei keinen Gefallen. Doch wann werden privat getätigte Aussagen in den sozialen Medien zum Problem für den Arbeitgeber? Und darf dieser mitreden, was die Angestellten auf ihrem privaten Facebook- oder Twitter-Account sagen dürfen und was nicht?

Interne Richtlinien

Laut Internetanwalt Martin Steiger müssen Arbeitnehmer gegenüber ihrem Unternehmen eine allgemeine Treuepflicht wahrnehmen, die gesetzlich verankert ist (siehe Box). «Äusserungen, die den Arbeitgeber betreffen, dürfen nicht beliebig ausfallen. Sobald sie die Reputation des Arbeitgebers beschädigen, kann dieser mit Verweis auf das Arbeitsrecht einschreiten», sagt Steiger. Im schlimmsten Fall drohe die Kündigung. Viele Unternehmen hätten zudem interne Richtlinien, die das Verhalten in den sozialen Medien regeln.

Dennoch gilt die Meinungsfreiheit natürlich auch für einen Arbeitnehmer. «Eine private Meinung darf man haben», so Steiger. Problematisch wird es allerdings, wenn eine Aussage etwa über Politik negativ in Verbindung mit dem Arbeitgeber gebracht wird. «Vor allem bei Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, wird diese Verbindung in den Medien schnell hergestellt», sagt Steiger. Die Trennung von Beruf und Privatleben sei in diesen Fällen illusorisch.

Keine arbeitsrechtlichen Möglichkeiten

So nütze es auch wenig, wenn man die Aussage klar als privates Statement deklariere. «Entscheidend ist die Wahrnehmung. Und diese kann man damit nicht steuern.» So kann auch eine ursprünglich vom Arbeitgeber losgelöste Äusserung schnell zu einem Shitstorm führen.

Mehr Freiheiten haben laut Steiger jene Social-Media-Nutzer, die ihren Arbeitgeber nicht nennen und mit diesem nicht in Verbindung gebracht werden können. «Der Arbeitgeber hat dann keine direkten arbeitsrechtlichen Möglichkeiten, um bei allfälligen rufschädigenden Kommentaren gegen den Arbeitnehmer vorzugehen», so Steiger.

Allerdings könne der Arbeitgeber das Gespräch mit dem Betroffenen suchen. Der Rechtsanwalt empfiehlt den Nutzern, sich mit Blick auf den Arbeitgeber in Zweifelsfällen zurückhaltend zu äussern.

Aushängeschilder müssen besonders aufpassen

Aufpassen mit kontroversen Beiträgen auf Facebook oder Twitter sollten vor allem Kadermitglieder. «Je höher die Stellung in der Firma ist, desto mehr sollte man sich überlegen, was die Aussagen für den Arbeitgeber bedeuten», sagt der Rechtsanwalt Stefan Eichenberger von Epartners.

Er sieht gerade die Tweets von Moderator und SRF-Aushängeschild Arthur Honegger in einem Spannungsfeld: «Während sein Arbeitgeber für Neutralität steht, bezieht er auf Twitter eine klare politische Position.»

SRF könne ihn dafür aber nicht abmahnen, denn Honegger habe grundsätzlich das Recht, sich privat zu äussern. Zudem äussere er sich ja nicht negativ über seinen Arbeitgeber. «In solchen Fällen ist es aber wichtig, dass sich die beiden Parteien verständigen», so Eichenberger.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Michi am 22.07.2018 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung

    SRF müsste informieren. Zu oft erkennt man allerdings die persönliche Meinung der Moderatoren. Bei einem Privatsender akzepiere ich das vielleicht noch aber bestimmt nicht von eine Gebühren-Sender!

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  • Thomas am 22.07.2018 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geltungsbedürfnis

    Ich frage mich immer, wieso muss die halbe Welt ihre Gedanken, Meinungen und Alltagskram in die ganze Welt hinausposaunen, haben sie sonst niemandem zum Reden, denn schnell macht man was Falsches und das bleibt für immer.

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  • W. Baumann am 22.07.2018 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch ohne Twitter

    Die Einstellung von Honegger spürte ich selbst beo 10vor10.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin L. am 22.07.2018 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Privat ist Privat

    in meinen Account habe ich keinen Hinweis auf meinen Arbeitgeber, was ich poste ist ausschliesslich privat. Würde mir nicht in den Sinn kommen etwas über meinen Arbeitgeber oder in dessen Namen zu Posten....

  • mike juncker am 22.07.2018 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    vielleicht etwas voreingenommen

    Aber bei Interviews bei SRF wird stets darauf hingewiesen das Herr Honegger absolut nicht voreigenomnen sei.

  • Schon gewusst am 22.07.2018 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Hr. Keller

    Die Geschichtsschreibung ist sehr einseitig. Die Propaganda der Gewinner ist schon schon längst in den Geschichtsbüchern. Glaube es, wer die Augen verschliessen mag.

  • panthomas am 22.07.2018 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was warum weshalb!

    Tja geht der Arbeitgeber Moralisch Ethisch respektvoll und achtsam mit dem Arbeitnehmer um, hat dieser keinen Grund sich negativ zu äussern, im Gegenteil, er lobt den Arbeitgeber!

  • Niccolo am 22.07.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Juristische Perspektive

    1. Das SRF verfolgt einen öffentlichen Auftrag, gemäss Art. 35 Abs. 2 der Verfassung sind solche Unternehmen an Verfassungsrecht gebunden, Sprich haben Art. 16 umso mehr zu beachten als rein private Unternehmen die keinen öffentlichen Auftrag verfolgen. 2. Dispositives Recht ermöglicht gewisse Treuepflichten gegenüber Unternehmen, diese Treuepflichten können jedoch nicht allzuweit ausgelegt werden, Äusserungen die das Unternehmen direkt schädigen (direkter Angriff) können unterbunden werden, nimmt das Unternehmen Schaden wegen indirekten Angriffen, die nichts mit dem Unternehmen zu tun haben, müsste man sicherheitshalber fast jede private Äusserung unterbinden. Sowas geht natürlich nicht. 3. Der Persönlichkeitsrechtliche Schutz ist bei Trump als Person der Zeitgeschichte zumindest zivilrechtlich eingeschränkt, strafrechtlich beschränkt sich der Ehrbegriff auf den menschlich-sittlichen Geltungsbereich; werden Tätigkeiten kritisiert, die mit dem Beruf oder dem Funktionieren in der Gesellschaft in Verbindung stehen, ist die Ehre nicht verletzt.

    • Niccoli am 22.07.2018 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niccolo

      Komplitzierter kommentar..... ganz einfach kommentiert Sie respektieren die twits von honegger. Ich nicht.

    • Dan am 22.07.2018 17:55 Report Diesen Beitrag melden

      Klartext

      Und was wollten Sie eigentlich sagen?

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