Magische Grenze

29. Oktober 2019 17:38; Akt: 29.10.2019 18:06 Print

Darum fällt der Euro nicht unter 1.10 Franken

von Dominic Benz - Der Franken hält sich derzeit gegenüber dem Euro wacker. Steckt die SNB dahinter? Die Gründe für den derzeitigen Kurs.

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Seit gut einer Woche kostet der Euro leicht mehr als 1.10 Franken. Am Montag stieg der Kurs gar deutlich über diese Marke. Damit war der Franken kurzzeitig so schwach wie seit drei Monaten nicht mehr. Doch was sind die Gründe? Und was könnte die Währung wieder in die andere Richtung bewegen? Eine Übersicht:

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Ist der Franken noch immer zu stark?

Brexit-Wirren

Chancen: «Der Brexit war über die letzten Wochen wohl der stärkste Treiber für das Wechselkurspaar,», sagte ZKB-Devisenexperte Elias Hafner zu 20 Minuten. Die Sorgen um einen ungeregelten Austritt Grossbritanniens aus der EU haben sich momentan gelegt: Der britische Regierungschef Boris Johnson hat mit Brüssel ein entsprechendes Abkommen ausgehandelt. Zudem wurde der Austritt auf Ende Januar verschoben. Das beruhigt laut Hafner die Märkte – wovon auch der Euro profitiert.
Risiken: Noch hat das britische Parlament dem Brexit-Deal von Johnson nicht zugestimmt. Richten sollen das mögliche Wahlen im Dezember. Johnson will so die Mehrheit im Parlament gewinnen. Verliert er, könnte die Brexit-Unsicherheit könnte die Brexit-Unsicherheit wieder zurückkehren. «Dann wäre der Franken gesucht», so Hafner.

Handelskrieg zwischen USA und China

Chancen: Zwischen den USA und China zeichnet sich im Handelskrieg eine Annäherung ab. US-Präsident Donald Trump sagte zu Wochenbeginn, man sei auf dem Weg zu einem Teilabkommen. «Dies reduziert den Aufwertungsdruck auf den Franken», sagt Hafner. Denn: Wird der Streit beigelegt, flüchten die Anleger weniger in den Franken als sicheren Hafen.
Risiken: Die sich abzeichnende Entspannung kann schnell wieder vorbei sein. Eine erneute Eskalation des Konflikts würde den Euro schwächen, den Franken hingegen stärken, sagt Hafner.

Geldpolitik

Chancen: Im September senkte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen für Banken von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verzichtete kurz darauf auf eine Senkung des Leitzinses. Zwar wurde damit die Zinsdifferenz zwischen EZB und SNB kleiner. «Je stärker sich die Zinsen annähern, desto attraktiver wird der Franken relativ zum Euro», sagt Hafner. Doch die Märkte hätten bei der EZB mit einer deutlicheren Senkung gerechnet, so dass der Euro nach dem Entscheid gar leicht zulegen konnte.
Risiken: Die Wirtschaft kommt im Euroraum nicht in die Gänge. Ändert sich das nicht, dürfte die EZB weiter die Zinsen senken. Verringert sich die Zinsdifferenz zwischen EZB und SNB weiter, könnte das den Franken stärken. Zwar versucht die SNB, eine gewisse Differenz zu halten. Wie ein Experte gegenüber der Wirtschaftsseite Cash.ch aber sagt, glauben die Märkte nicht daran, dass die SNB den aktuellen Leitzins von minus 0,75 Prozent noch weiter senken kann.

Intervention durch die SNB

Chancen: Wegen der Entspannung beim Brexit und dem Handelsstreit muss die SNB zurzeit nicht an den Devisenmärkten aktiv werden, um den Franken zu schwächen. «Seit September scheint die SNB kaum noch interveniert zu haben», so Hafner. Darauf würden die Sichtguthaben der Banken bei der SNB hindeuten.
Risiko: Laut Hafner ist schon bald wieder mit einem stärkeren Franken zu rechnen. «Wir gehen davon aus, dass in drei Monaten der Euro 1.08 Franken kostet.» Je nach Frankenstärke dürfte auch die SNB am Devisenmarkt eingreifen, um den Franken zu stützen. Bei welchem Kurs das ist, gibt die SNB nicht bekannt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rolf Alther am 29.10.2019 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Negativzinsen?

    Die Negativzinsen wurden nicht gesenkt, sondern von 0.4 auf 0.5 % erhöht. Negativzinsen sind nicht -0.4 sondern 0.4. Die Zinsen können minus sein, Negativzinsen nicht. .4

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  • Typhoeus am 29.10.2019 17:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt keine magische Grenze

    Franken/Euro 1/1. Dann Muss man nicht mehr rechnen.

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  • Herr Bünzeliger am 29.10.2019 17:52 Report Diesen Beitrag melden

    der Euromate

    das neue SNB Spiel !

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kann ja nur noch am 30.10.2019 18:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlimmer werden

    Schaut euch die Rede von Nigel Farages an. Erklärt eindrücklich im Parlament und öffnet die Augen, dass der Euro verantwortlich ist, dass ein Land ums andere Pleite geht.

  • Patriot am 30.10.2019 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Die Märkte sind gesättigt

    Aktuell werden fast 1/3 aller Konsumgüter für die Kehrrichttonne produziert weil sie Waren ersetzen die noch lange funktionieren könnten. Mit künstlich abgewerteten Währungen, vor allem EURO und Renmimbi wird ein Umsatz generiert der am Markt vorbei geht. Deshalb wird mit immer niedrigeren Preisen versucht die Ware an den Mann zu bringen. So eine Überproduktion war auch die Hauptursache für die Weltwirtschaftskrise 1929. Es hat ein berühmtes Pressefoto aus dieser Zeit, es zeigt Seeleute die mit Schaufeln die Kaffeeladung ihres Schiffes über Bord werfen weil der Kaffee unverkäuflich war.

  • Marco am 30.10.2019 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Verdrehte Ansicht

    Anstatt "Der Franken hält sich derzeit gegenüber dem Euro wacker" müsste es heissen "Der Franken inflationiert in gleichem Mass wie der Euro" und ja "dank" der SNB, welche eine unglaubliche Menge an EURO hat und weiter mit neu kreierten CHF kauft. was daran "wacker" sein soll entzieht sich komplett meiner Logik.

  • beni am 30.10.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    schwacher beitrag mit falschen zahlen

    zum risiko: die ezb kann die zinsen, die ja schon minus sind, nicht weiter senken, aber das minus erhöhen. wortspiel? nein, mathematik. dieser wurde von studierten menschen gemacht? das macht mir angst, trotz der t täglichen fakenews-flut.

  • Arthur Nix am 30.10.2019 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz schlimm...

    ...wird es, wenn die Schweiz diesen Kolonialvertrag mit der EU unterzeichnet. Das wird den Spielraum der SNB drastisch einschränken. Auch die vermutlich durch die EU zwangsverfügte Einführung von 19-25% MwST wird die Schweiz erschüttern.

    • S. Ehrhoch am 30.10.2019 16:56 Report Diesen Beitrag melden

      EU Recht

      Grundsätzlich haben Sie Recht. Der Mindeststeuersatz in der EU beträgt aber 15% - immer noch fast doppelt so hoch wie der aktuell geltende Satz in der Schweiz! Quelle:

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