Groundings

05. Februar 2019 20:56; Akt: 05.02.2019 20:56 Print

Darum gehen Airlines wie Germania pleite

von Vanessa Sadecky - Veraltete Geschäftsmodelle und zu starke Konkurrenz: Das sind die Gründe für das Grounding von Airlines wie Germania.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Serie der Airline-Pleiten geht weiter. Die Ferienfluggesellschaft Germania hat Insolvenz beantragt und in der Nacht zum Dienstag den Flugbetrieb eingestellt. Ein Liquiditätsengpass wurde der Airline zum Verhängnis.

Umfrage
Fliegen Sie häufig?

Damit ist Germania das jüngste Branchenopfer. In den letzten Monaten sind bereits kleinere Anbieter wie Skywork, aber auch grössere wie Air Berlin verschwunden (siehe Box). Was ist los in der Airline-Branche? 20 Minuten hat mit zwei Aviatikexperten über die Gründe der Pleitewelle gesprochen.

Billig-Airlines haben sich etabliert
Die Dominanz der Billig-Airlines wie Easyjet und Ryanair hat in Europa in den letzten Jahren zugenommen. Die Low-Cost-Fluglinien expandieren und erhalten sich die Treue der Kunden trotz Verspätungen und Flugannullierungen. Das setzt die gesamte Branche unter Druck. «Easyjet und Ryanair sind zu festen Grössen geworden. Die Passagiere setzen auf sie, weil ihnen der Preis wichtiger ist als ein kostenloses Menü oder Swissness. Dafür sind sie auch gewillt, den längeren Weg zum Flughafen in Basel oder in Genf auf sich zu nehmen», so Agius.

Langstreckenflug-Markt wird aufgemischt

Nicht nur kleine Airlines haben mit den neuen Gegebenheiten des Markts zu kämpfen. Laut dem Aviatikexperten Agius ist der Langstreckenflug-Markt im Wandel. Alteingesessene Fluglinien haben das Nachsehen: «Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem Langstreckenflüge für die Airlines weniger lukrativ werden, denn Airlines wie Katar oder Emirates bieten diese Flüge so günstig wie nie an, und die Konkurrenz muss irgendwann nachziehen.»

Schwammige Strategie

Bei vielen Airlines mangelt es an einer klaren Linie. Auch bei der Schweizer Skywork sei die schwammige Unternehmensstrategie ein Problem gewesen, so Agius. «Statt sich ganz auf Bern zu konzentrieren, hat man versucht, überall mitzumischen und zuletzt auch ab Basel Flüge anzubieten, wo die Konkurrenz gross ist.» Die fehlende Fokussierung sei auch Air Berlin zum Verhängnis geworden. «Air Berlin hat es versäumt, eine klare Unternehmensstrategie zu formulieren, und wollte überall dabei sein», so der Experte.

Zu kleine Flugzeuge

Lokale Fluggesellschaften verfügen über eine kleine Flotte und Flugzeuge mit wenig Plätzen. So sind die Kosten pro Passagier deutlich höher als bei Fluglinien mit grossen Maschinen. «Das Überleben solcher Airlines ist heutzutage nur mit staatlichen Subventionen möglich – wie zum Beispiel in Schottland», erklärt Hansjörg Bürgi, Chefredaktor von Sky News.

Veraltetes Geschäftsmodell

«Das Geschäftsmodell von Skywork war schon veraltet, als die Airline 2009 mit Linienflügen startete», sagt William Agius, Aviatik-Experte von der ZHAW. Man habe an den Erfolg der Crossair anknüpfen wollen und sei gescheitert, weil sich der Markt schon in Richtung Low-Cost-Modelle gewandelt habe.

Europas jüngste Airline-Pleiten – eine Chronik:

Aug. 2018
Skywork (CH)

Die Berner Skywork Airline stellte ihren Betrieb im letzten Jahr am 29. August ein. Grund für das Grounding waren gescheiterte Verhandlungen mit einem möglichen Partner. Die Airline musste letztlich wegen Überschuldung Konkurs anmelden.

Aug. 2018
Belair (CH)

Geplant war zunächst, den Flugbetrieb der Airline ab Sommer 2018 als Anbieter von Flügen für andere Fluggesellschaften und von Charterflügen wieder aufzunehmen. Daraus wurde aus finanziellen Schwierigkeiten dann aber nichts.

Dez. 2017
Niki (AT/DE)

Die österreichische Ferienfluggesellschaft Niki, ein Tochterunternehmen der insolventen Air Berlin, musste ebenfalls Insolvenz beantragen und in der Nacht zum 14. Dezember den Flugbetrieb einstellen.

Nov. 2017
Air Berlin (DE)

Am 1. November wurde das Insolvenzverfahren eingeleitet. Teile der Gesellschaft, darunter das Geschäft am Flughafen Tegel und die Tochtergesellschaft LGW, wurden an die Lufthansa und Easyjet verkauft.

Nov. 2017
Darwin Airline (CH)

Die Fluggesellschaft mit Sitz in Lugano nutzte zuletzt die Bezeichnungen Etihad Regional. Der Gesellschaft wurden am 28. November die nötigen Lizenzen entzogen. Sie erhielt ein Flugverbot.

Okt. 2017
Monarch (GB)

Am 2. Oktober sassen 110.000 Feriengäste im Ausland fest und 300.000 Tickets verloren ihre Gültigkeit.

Mai 2017
Fly Kiss (FR)

In Frankreich musste sich die neu gegründete Regionalairline Fly Kiss im Mai 2017 wieder aufgeben. Zu schlecht soll die Auslastung gewesen sein.


Dieser Text erschien zum ersten Mal in leicht geänderter Version am 31. August 2018 auf 20minuten.ch.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr. X am 05.02.2019 21:25 Report Diesen Beitrag melden

    Geiz ist geil!

    Früher oder später geizen wir uns selber weg. :-)

  • Köbi Crash am 05.02.2019 22:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie gehabt

    Bei der Swissair kamen noch gierig-geizge Chefs dazu.

    einklappen einklappen
  • 50+ am 05.02.2019 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht ganz fair

    mit wie viel Ölgeld werden Katar und Emirates gestützt? Ich persönlich fliege jetzt lieber bequemer als nur billig. Aber ich schaue auf An- und Abflugszeiten genauso wie auf den Preis (mit ÖV zum Flughafen, hab ja eh GA)

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Igel am 12.02.2019 05:53 Report Diesen Beitrag melden

    Richtiger Preis

    Fliegen muss wieder einen anständigen Preis kosten. Dan wird weniger geflogen, und es ist besser für die Umwelt. Die Billigen Eliminieren sich von selber.

  • Eduard J. Belser am 09.02.2019 08:12 Report Diesen Beitrag melden

    Beitrag zum Klimaschutz

    Würden alle «Geiz-ist-geil-Fluggesellschaften» vom Pleitegeier gegroundet und das Fliegen wieder deutlich teurer, wäre das ein toller Beitrag zum Klimaschutz. Hoffentlich trifft es bald auch Easyjet, Rayanair & Co.

  • Edmo am 07.02.2019 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Streiks

    Die Germania war nicht gut aufgestellt. Trotzdem muss man berücksichtigen, dass ihr die vielen Streiks im deutschen Luftverkehrsgeschäft (Fluglotsen, Sicherheitskräfte, Bodenpersonal) erheblich geschadet haben. Auch die Germania musste als Folge der Streikerei sehr viele Flüge streichen. Wer eine schwache Liquidität hat, geht an solchen massenhaft durchgeführten Streiks elendiglich zugrunde. Die Gewerkschaften interessiert das nicht. Sie verfolgen ihre Ziele ohne Rücksicht auf Verluste. Die Germania kann man als Kollateralschaden der Streiks einordnen.

    • Nath am 07.02.2019 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      Streiks

      Die Streiks haben den Prozess eventuell beschleunigt, die Ursachen sind jedoch anderweitig zu suchen.

    einklappen einklappen
  • Roland567 am 06.02.2019 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Swiss hin; Germania zurück.

    Ich fliege nächste Woche mit Swiss auf die Kanaren. Der Rückflug wäre mit Germania. Wenn ich mal da bin, schau mer mal wie und wann ich zurück komme. zum Glück ist es nicht umgekehrt. Ich bin nicht böse, wenn die Ferien zwangsverlängert werden. Betrieblich wäre es nicht möglich, aber dies wäre ja dann "höhere" Gewalt, oder? Drückt mir die Daumen.

  • Neumann am 06.02.2019 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Feierlaune

    Warum wurden wir zum Grounding nicht eingeladen? War sicher ein Riesenfest mit allem.