Preise, Jobs, Reisen

17. Januar 2020 11:45; Akt: 20.01.2020 09:22 Print

Das bedeutet der Brexit für Schweizer Konsumenten

Einigt sich der Bund nicht mit dem Vereinigten Königreich, könnte der Brexit für Konsumenten Konsequenzen haben – von steigenden Preisen bis zu Jobverlust.

«Der Brexit sollte auch die Schweizer Konsumenten kümmern», sagt Handelsexperte Haig Simonian.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Der unmittelbar bevorstehende Brexit sorgt bei Unternehmen und an der Börse für Unsicherheit. Ab dem 1. Februar soll das Vereinigte Königreich (UK) endgültig nicht mehr zur Europäischen Union (EU) gehören.

Umfrage
Fürchten Sie die wirtschaftlichen Folgen des Brexit?

Aber trifft das Ganze eigentlich auch die Konsumenten? «Ja, der Brexit sollte auch die Schweizer Konsumenten kümmern», sagt Haig Simonian, Vizepräsident der Britisch-Schweizerischen Handelskammer, zu 20 Minuten (siehe Video oben). Allerdings hat die Schweizer Politik bereits vorgesorgt, dass sich zumindest bis Ende 2020 nichts ändert (siehe Box). Kann die Schweiz die bestehenden Abkommen jedoch nicht darüber hinaus verlängern, bekämen auch die Schweizer Konsumenten den Brexit zu spüren:

Preise

Die Schweiz hat mit dem UK ein neues bilaterales Handelsabkommen abgeschlossen, das verhindern soll, dass die Preise von britischen Produkten in der Schweiz in die Höhe schiessen. Ohne ein solches Abkommen würden Standardzölle der Welthandelsorganisation (WTO) auf britische Ex- und Importe fällig. «Die Höhe der Zölle hängt von den Produkten ab – man spricht von 3 bis 10 Prozent», sagt Simonian. Wie viel teurer dann etwa ein Range Rover, britischer Tee oder auch Medikamente wären, sei zudem davon abhängig, ob die Hersteller die Zölle ganz oder teilweise auf die Konsumenten abwälzen würden.

Jobs

Für britische Firmen würden die WTO-Zölle auch den Import von Schweizer Gütern verteuern. Wenn das den Unternehmen zu teuer wird, könnten sie beschliessen, ihre Ware künftig etwa in China zu bestellen, so Simonian: «Dann könnte man nicht ausschliessen, dass wegen der sinkenden Nachfrage in der Schweiz Arbeitsplätze verloren gehen.»

Aufenthalt

Es könnte künftig für Schweizer schwieriger werden, Zugang zum britischen Arbeitsmarkt zu erhalten – und umgekehrt. Das Personenfreizügigkeitsabkommen ist nicht mehr auf das UK anwendbar, wenn es aus der EU austritt. Das Abkommen gab Schweizer Staatsangehörigen bisher das Recht, ihren Arbeitsplatz und Aufenthaltsort im UK frei zu wählen. Spätestens 2021 braucht es auch hier eine neue Lösung. UK-Botschafterin Jane Owen betont, dass nur neue Ankömmlinge betroffen seien – wer bereits eine Aufenthaltsbewilligung im jeweils anderen Land habe, müsse sich keine Sorgen machen.

Reisen

Die EU zieht eine Visumspflicht für Reisende aus dem UK in Betracht. Das würde es Briten nicht nur erschweren, nach Europa zu reisen, sondern das Visum wäre auch mit einer Gebühr verbunden. Für Schweizer Reisende gibt es derzeit zwar keine vergleichbaren Gebühren – dass sich das ändert, sei aber denkbar, sagt Simonian.

(rkn)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 17.01.2020 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Panikmacherstory

    Eine der üblichen Angstmacherstory. Die Schweiz und GB haben beide ein sehr sehr grosses Interesse rasch eine gütliche Regelung zu finden, da beide Länder zur Zeit mit der EU eine wesentlich grösserer Baustelle haben. Und was die Visumspflicht angeht, so ist das, zumindest für Aufenthalte unter 3 Mt., nichts anderes als eine Drohgebärde. Oder glaubt jemand ernsthaft Spanien, Portugal, .... möchte die Touristen aus GB mit einer Visumspflicht vergraulen oder umgekehrt GB seine Touristen aus der EU?

    einklappen einklappen
  • Lange vor EU-Generation am 17.01.2020 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Über allem was mit der EU zusammenhängt

    scheint kein grosser Segen zu liegen. Ist man dabei, lähmt einem der überblähte Bürokatenstab mit immer neuen Gesetzen. Will man raus oder ist man nicht dabei hat man auch keine Ruhe mehr. Es ist ein Elend.

  • Alarmist am 17.01.2020 12:12 Report Diesen Beitrag melden

    Stark verunsichert

    Bin schockiert, werde die Erneuerung meiner Range Rover-Flotte wohl verschieben müssen. Und den geplanten Neukauf von Teebeuteln wohl auch.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roger am 19.01.2020 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Zug ist abgefahren...

    Es wird wieder Angst gemacht. Schweizer steht endlich auf und wehrt Euch. Stimmt nicht immer Gegen Euch. Der Zug ist jetzt schon abgefahren, denn in den Schulen ist die Überfremdung bereits da und wird nach jedem Jahrzehnt diese Schicht auch auswechseln. Wir haben also hochgerechnet in 10 Jahren keine Rekruten mehr aus dem eigenen Land, was auch nicht wichtig ist, aber in 30 bis 40 Jahren nur noch ein Multikulti Land aus Zuwanderer. England macht den ersten Schritt. Bravo

  • osti am 18.01.2020 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    By By EU

    Was beide Länder, CH sowie UK nicht brauchen ist eigentlich Simpel gesagt: Die EU Und nein, ich bin Parteilos, es wird hier in der Schönen Schweiz schon genug vorgeschrieben aus Bern, brauche nicht noch ein größeren Beamtenapparat...

  • TSCH am 18.01.2020 20:52 Report Diesen Beitrag melden

    EU braucht man nicht?

    Hat einer der lieben Kommentatoren schon einmal sein Notebook umgedreht? Das CE - Zeichen gesehen? Die Schachtel mit den Holzklötzen für sein 2 jähriges Kind umgedreht? Das CE - Zeichen gesehen? Dahinter steckt überall die EU-Kommission: Dass euch die Strahlung des PCs euer Gehirn nicht verschmort, dass euer Kind beim Ablecken des Spiel - Klötzchens nicht vergiftet wird.

  • Die Zukunft kommt am 18.01.2020 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    erst noch ...

    Im laufenden Jahr ändert sich zunächst mal wenig bis gar nichts - weil erst noch X - Verträge ausgehandelt werden müssen. Wie wichtig die CH danach für das UK noch sein wird, muss abgewartet werden. Schliesslich wollte PM Johnson sich schon vor die Bagger legen, um den Ausbau von Heathrow zu verhindern, versprach seine Krawatte zu kauen und schreckte selbst nicht vor dem ungeheuerlichen Vergleich zurück, lieber in einem Schützengraben sterben zu wollen, als weiterhin in der EU zu bleiben. So gesehen könnte vieles anders kommen als gedacht, gehofft.

  • Ädu Zemp am 18.01.2020 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Welcome Swiss Brexit

    Wahrscheinlich wird ja auch alles einfacher und besser. Wir sollten mehr über die Chancen und Vorteile sprechen.