Leitzins

19. September 2019 14:03; Akt: 19.09.2019 14:03 Print

Darum hält SNB-Chef Jordan die Füsse still

von V. Blank - Anders als seine europäischen und amerikanischen Kollegen rüttelt Nationalbankpräsident Thomas Jordan nicht am Leitzins. Wir erklären, warum.

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Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hält am Negativzins von minus 0,75 Prozent fest. Damit agiert SNB-Präsident Thomas Jordan anders als seine Kollegen in der EU und den USA: Die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Fed haben die Zinsen gesenkt.

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Die SNB ...

Warum ist das wichtig, wenn sich in der Schweiz ohnehin nichts geändert hat? Hier die zentralen Fragen und Antworten:

Schon beim Wort Leitzins löscht es mir ab. Wovon reden wir da?

Der Leitzins ist der Schlüsselzins, zu dem sich Geschäftsbanken Geld bei der Zentralbank leihen können. In der Schweiz legt die SNB den Leitzins fest.

Warum ist dieser Leitzins so wichtig?

Er ist das wichtigste geldpolitische Instrument, das einer Zentralbank zur Verfügung steht. In der Schweiz steuert die SNB damit die Geldpolitik.

Warum hat die SNB heute nicht an diesem Zins gerüttelt?

Sie will wohl nicht noch mehr Pulver verschiessen, als sie es ohnehin schon getan hat. «Insgesamt hat die SNB beschlossen, auf Nummer sicher zu gehen und die begrenzte Feuerkraft, die sie noch zur Verfügung hat, zu erhalten», sagt Analyst Peter Rosenstreich von Swissquote. Jörg Angelé vom Asset Manager Bantleon spricht davon, dass die SNB «nur noch wenige Pfeile im Köcher» habe.

Welche Pfeile hat sie denn schon verschossen?

Die SNB hat im Grunde zwei wichtige «Waffen» in der Geldpolitik, von denen sie in den letzten Jahren Gebrauch gemacht hat. Einerseits eben den Leitzins, den sie seit vier Jahren im Minus belässt. Andererseits hat sie immer wieder am Devisenmarkt eingegriffen. Diese Bereitschaft betont sie weiterhin.

Warum mischt sich die SNB überhaupt am Devisenmarkt ein?

Eines der obersten Ziele der Nationalbank ist, dass der Franken nicht zu stark wird. Ein zu teurer Franken gegenüber dem Euro schadet der Schweizer Exportindustrie, aber auch dem Tourismus und dem Detailhandel, weil bei einem tiefen Euro-Franken-Kurs der Einkaufstourismus (noch) attraktiver wird.

Warum ärgern sich eigentlich so viele über den Negativzins?

Es stimmt: Die Kritik am negativen Leitzins wird immer lauter. Da sind etwa die Banken, die für ihre Einlagen bei der SNB einen Strafzins zahlen müssen. Das koste sie 2 Milliarden Franken pro Jahr, monieren die Banken. Aber auch die Pensionskassen sagen, für sie sei der Negativzins ein Ärgernis.

Ich bin aber keine Bank. Muss mich also nicht kümmern, oder?

Auch in der Bevölkerung sorgt der Negativzins mittlerweile für kontroverse Diskussionen. Es steht die Frage im Raum, ob die Banken die Negativzinsen irgendwann an ihre Kleinkunden weitergeben. Bis jetzt geben sich die Banken mit Aussagen dazu noch zurückhaltend. An grosse Kunden mit hohen Kontoguthaben werden die Negativzinsen aber vielerorts schon weitergereicht.

Mich interessiert mehr, wann die Zinsen endlich wieder steigen!

Auf eine Zinswende müssen wir wohl noch eine Zeit lang warten. Die SNB erhöht die Zinsen wohl erst, wenn es die EZB tut. Mit Blick auf die jüngsten Massnahmen der EZB sagt Analyst Angelé: «Eine Zinsanhebung in der Eurozone steht frühestens im Jahr 2021 zur Debatte.»

Teile dieses Artikels wurden bereits vergangene Woche anlässlich des Zinsentscheids der EZB publiziert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.W. am 19.09.2019 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitgier

    Solange die Banken jährlich mehr für Bussen und Boni ausgeben als für Negativzinsen ist eine Weitergabe an die Kleinsparer nur Gewinnoptimierung ...

  • Paul am 19.09.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Anzufügen ist noch ..

    Dass kein anderes Land so negative Zinsen wie die Schweiz hat. Zum Thema Pulver verschossen.

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  • heneli am 19.09.2019 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Politik.

    Durch die Negativzinsen bleiben die Zinsen auf dem Ersparten ebenfalls so tief, das sie nicht maldie Spesen decken. Dann kommt die Vermögenssteuer dazu und noch die Depotspesen. Am besten alles Geld von den Banken abheben und im Garten vergraben. Alt SNB Präsident Schulthess hat übrigens auch gesagt, dass die Zinspolitik der EZB und der SNB komplett falsch sei. Pensionskassen leiden sehr stark darunter.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Perspektivenwechsel am 20.09.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke

    Wir sehen das falsch. Was, wenn all diese "Fehlentwicklungen", die öfters mal beobachtet werden können (in welchen Bereichen auch immer), gar keine Fehlentwicklungen sind? Was, wenn dies gar gewollt wäre? Ich meine Zufall kann es ja nicht sein. Immer wieder. Auf Neue. Also was, wenn diese Fehlentwicklungen am Ende einer Gruppe der Gesellschaft sogar nützen, bloss Sie sind nie dabei? Dann ergibt plötzlich vieles Sinn. Der Zorn(nicht zu verwechseln mit Wut) wird zwar grösser, aber die Verwirrung lässt immerhin nach.

  • Nikotin am 20.09.2019 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bei uns nicht mehr möglich ab 50

    alle sind schon so alt, und finden immer noch Arbeit? Frage mich wie sie es haben mit der Prostata!

  • P. Cunia-Nonolet am 20.09.2019 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Darum

    Weil wir Alten ihm soint mit dem Vorschlöaghammer auf die Füsse gehauen und sein schönes, Denkmal geschütztes Palästchen abgefackelt hätten, weil wir uns nicht länger von dem unser ganzes Erspartes klauen lassen wollen.

  • Amedisli am 20.09.2019 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Geld abheben meine Lieben!

    Wann endlich versteht es der Schlafmichel? GELD ABHEBEN! Ade Bank!

  • H. Cheng am 20.09.2019 10:22 Report Diesen Beitrag melden

    SNB macht einen guten Job

    Um eine weltweite Flucht in den Franken zu verhindern, und damit einen für unseren Export mehr als schädlichen Kursanstieg zu verhindern hat die SNB die Minuszinsen eingeführt. Trotz den Schrott (Euro) Stützungskäufen und Risiko (Aktien) Investitionen ist die SNB gut aufgestellt. Dies ist meiner Ansicht (Laie) nach Herrn Jordan zu verdanken, der die Geschicke unseres Landes (Geldes) weise und besonnen verwarltet, ich hoffe er macht so weiter und wir kommen glimpflich davon, wenn's "Tätscht", und es wird!! - Frage: Wer knüppelt eigentlich das Gold mit ETF-Shorts ohne Ende runter?

    • beni am 20.09.2019 18:19 Report Diesen Beitrag melden

      was interessiert es die masse?

      allein wegen der exportindusrie? diese dumme diskussion macht keinen sinn! das ist eine faule ausrede und nie erwiesen bis heute. viel mehr geht es allein um die eigene gier der banken. wenns denn mal um die mitarbeiter geht, sind alle bereits auf der strasse - und auch da interessierts keinen.

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