Kampf der Modehäuser

02. Februar 2018 12:40; Akt: 02.02.2018 12:40 Print

Darum hinkt H&M Zara hinterher

von Dominic Benz - Kundenschwund, weniger Gewinn, zu viele Läden: Bei der schwedischen Modekette H&M brennts. Was läuft anders als bei Hauptkonkurrentin Zara? Drei Problemfelder.

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Noch im letzten November feierte H&M auf fünf Etagen: In Zürich eröffnete das Modehaus die grösste Filiale der Schweiz. Es gab Gipfeli, Orangensaft und Goodie-Bags für die Kunden. Unterdessen dürfte die Feierlaune verflogen sein.

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H&M schwächelt und kämpft mit Kundenschwund. Für das abgelaufene Geschäftsjahr haben die Schweden die Erwartungen verfehlt: Zwar zog der Umsatz leicht an, der Gewinn schrumpfte aber um 13 Prozent. Anders ergeht es der spanischen Konkurrentin Zara. Beim Mutterkonzern Inditex stiegen zuletzt sowohl Umsatz als auch Gewinn. Sowohl Filialen von H&M als auch von Zara sind weltweit fast in allen Metropolen zu finden. Teils liegen die Läden fast Tür an Tür – auch in der Schweiz. Dennoch fällt H&M immer weiter hinter seiner Konkurrentin zurück. 20 Minuten hat drei Problemfelder definiert:

• Filialnetz
So macht es H&M:

Während die Kundschaft immer mehr ins Internet abwandert, setzt H&M immer noch stark auf den stationären Handel. «H&M hat sein Filialnetz in den letzten Jahren sehr stark ausgeweitet, sogar in kleinen Städten», sagt Joachim Stumpf, Geschäftsführer der BBE Handelsberatung, zu 20 Minuten. Die Zahl der Filialen sei so gross, dass viele sich selbst kannibalisieren würden. Hinzu kommt, dass die Schweden viel Konkurrenz haben. Neben Zara gibt es die irische Marke Primark oder die US-Kette Forever 21. «Das Format Filiale hat seine Grenzen erreicht. Im stationären Handel herrscht ein 100-prozentiger Verdrängungswettbewerb», sagt Stumpf.

So macht es Zara:
Bei Standorten hält sich Zara zurück und lässt sich in lukrativen Metropolen nieder. «Das Unternehmen hat eine gut ausgewählte Standortpolitik», so Stumpf. Entsprechend ist das Filialnetz um ein Vielfaches kleiner als jenes von H&M. So könne Zara die Begehrlichkeit nach seinen Kleidern höher halten, ergänzt Axel Augustin vom deutschen Handelsverband Textil auf Anfrage.

Online-Handel
So macht es H&M:
Die Onlineshops von H&M können die Einbussen im stationären Handel nicht kompensieren. Das hat auch mit den tiefen Preisen zu tun. «Online-Handel ist bei kleinen Kaufbeträgen kaum rentabel durchführbar», erklärt Experte Augustin. Niemand wolle ein T-Shirt für zehn Franken bestellen und dann noch Versandkosten bezahlen. In der Schweiz betragen diese knapp fünf Franken. «Darum haben Discounter oft kein Onlinegeschäft», so Augustin. Er sieht eine mögliche Lösung im sogenannten Click and collect: Der Kunde bestellt im Internet und holt die Ware im Laden ab. H&M hat nun angekündigt, mit dem chinesischen Onlineriesen Alibaba zusammenarbeiten zu wollen.

So macht es Zara:
In China hat Zara schon längstens den Anschluss gefunden. Seit ein paar Jahren ist das Sortiment des Konzerns auf Webseiten von Alibaba zu finden. Auch bei den Versandkosten ist Zara fortschrittlicher. Bestellungen im Wert ab 60 Franken sind kostenlos. Die bestellte Ware kann zudem auch in einer gewünschten Filiale abgeholt werden.

• Modetrends
So macht es H&M:
Der schwedische Konzern reagiert träge auf Modetrends. H&M besitzt keine eigenen Fabriken und lässt in günstigen Ländern wie Indien, Kambodscha oder China produzieren. «Der Preis ist alles», so die Devise. Das wiederum hat auch wieder seinen Preis: Bis die Kollektion in den Läden ist, vergeht viel Zeit.

So macht es Zara:
Die Spanier dagegen wollen Modetrends auf keinen Fall verschlafen. So hat Zara in Europa und Nordafrika eigene Fabriken und somit kürzere Reaktionszeiten, wenn es um den letzten Schrei in der Modewelt geht: Im Laden stehen stets die hippsten Klamotten. «Zara ist modischer als H&M», so das Fazit von Joachim Stumpf. Die Kleider kosten denn auch leicht mehr als jene von H&H.

Abschreiben will Axel Augustin H&M aber nicht. Im Gegenteil: «Der Konzern erwirtschaftet nach wie vor milliardenschwere Gewinne.» Andere Unternehmen würden sich dafür die Hände reiben, sagt der Experte.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Leandra am 02.02.2018 12:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Zielgruppe von H&M?

    Im H&M hat es viel Kleidung, die für 12-16 jährige Mädels gemacht ist. Die Basics sind ok, aber im Zara hat es eher auch "chice" Mode für 20-40 jährige Frauen, und die sind zudem meist zahlungskräftiger.

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  • Pablo am 02.02.2018 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Zara Hat einfach die schöneren Kleider, trotzdem finde ich das es in der Schweiz zu wenig verschindene Läden hat,mann muss immer nach Milano oder Stuttgart. wer sieht es auch so :D ?

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  • lieber Zara am 02.02.2018 16:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfreundlich und Trotzdem

    Kleider gefallen mir bei Zara besser. Dafür kennen Zara- im Gegensatz zu H&M Mitarbeiterinnen keine Freundlichkeit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • H&M Kundin am 26.02.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Zara: fehlerhafte Ware

    Hallo! ich habe vor 2 Wochen zum 1. Mal bei Zara in Portugal eingekauft, wirklich schöne Kleider, aber alle fehlerhaft und von schlechter Qualität. Zurück in der Schweiz kann ich die Kleidungsstücke nicht mal umtauschen und man kommt mir auch nicht mit einem Gutschein entgegen. Da muss ich sagen, ich kaufe weiterhin bei H&M ein, denn wie Qualität und der Preis stimmen für mich und Zara, resp. die Inditex Gruppe hat eine Kundin verloren.

  • Peter am 05.02.2018 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    H&M wirkt langweilig

    Zara, Forever 21, Tally Weijl etc. kopieren einfach die Mode von den Designers viel schneller und besser als H&M.

  • Maia am 04.02.2018 22:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur Hüdle

    Wenn ich in einen Zara laden gehe, gibt mir meistens nur der erste Eindruck einen UAU Effekt. Beim genaueren ansehen finde ich, das die Kleider nur wie Hüdle aussehen. Im H&M finde ich vor allem die Kindermode toll und Preiswert. Vielleicht sollte die Geschäftsführerin beim Waren-Einkaufen generell differenzierter einkaufen und eine Portion Extravaganz walten lassen. Dann klappt es auch mit den Gewinnzahlen.

  • Jenny am 04.02.2018 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stationärer Handel kaputt

    Tatsache ist das die Sturmtruppe von Gemania Mizüt dem Z im stationären Handel kaputt gemacht hat. Sowie die EU nun fehlt nur noch der kauf der Schweiz durch due lieben Nachbarn... H& M und Zara werden nur erwähnt weil sie grosse Arbeitgeber sind was ist mit allen kleinen schweizer KMUs ?....

  • Dani am 04.02.2018 17:59 Report Diesen Beitrag melden

    einheits-brei

    Wie in allen Läden in der Schweiz einheitsbrei alles das gleiche...egal ob Kleider oder Schuh geschäfte usw. , nichts spezieles .. Darum bestelle ich nur aus den USA !