Einkaufstourismus

01. April 2019 11:09; Akt: 02.04.2019 09:48 Print

Darum kaufen Schweizer weniger im Ausland ein

von D. Benz / V. Blank - Schweizer Einkaufstouristen haben 2018 weniger Ausfuhrzettel am deutschen Zoll abstempeln lassen. Das sind die Gründe für den Rückgang.

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Nach dem Frankenschock im Jahr 2015 sind die Schweizer scharenweise in deutsche Shops und Einkaufszentren gepilgert. Jährlich fliessen so noch immer rund 10 Milliarden Franken ins Ausland. Der Reiz der Schnäppchenjagd verpufft jedoch je länger, je mehr.

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Das zeigt ein Blick auf die Zahl der Ausfuhrbestätigungen an deutschen Zollämtern. Beim Hauptzollamt Singen sind vergangenes Jahr 10,21 Millionen der sogenannten «grünen Zettel» abgestempelt worden. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von über 5 Prozent. Mit den Ausfuhrbestätigungen können sich ausländische Konsumenten die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen. Das Hauptzollamt Singen ist für den langen Grenzabschnitt zwischen Bad Säckingen und Konstanz zuständig.

Beim Hauptzollamt Lörrach (Grenzabschnitt vom Rheinknie bis Bad Säckingen) ist der Rückgang noch grösser: Dort wurden vergangenes Jahr 5,64 Millionen Ausfuhrbestätigungen gezählt – «ein noch deutlicherer Rückgang als in den Vorjahren», sagt Sprecherin Antje Bendel. Das Minus in Lörrach beträgt rund 10 Prozent gegenüber 2017.

Warum ist das Shoppen im Ausland für die Schweizer unattraktiver geworden? 20 Minuten hat einen Experten befragt.

Preisniveau

Der Preisunterschied zu Deutschland ist kleiner geworden. «Während das Preiswachstum in der Schweiz schwach war, sind in Deutschland die Preise stärker gestiegen», sagt Detailhandelsexperte Sascha Jucker von der Credit Suisse. Waren 2017 die Produkte hierzulande unter dem Strich rund 40 Prozent teurer als in Deutschland, lag der Unterschied im letzten Jahr noch bei etwa einem Drittel. Laut Jucker reagierten die Schweizer Läden auf den Einkauftourismus und passten die Preise nach unten an.

Franken-Euro-Kurs

2015 hob die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf. Damit wertete sich der Franken gegenüber dem Euro stark auf. Das heisst: Produkte im Euro-Raum wurden für die Schweizer quasi über Nacht spottbillig. Seither hat sich der Franken erholt. «Der schwächere Franken und der etwas erstarkte Euro haben die Preisdifferenz zusätzlich verringert», sagt Detailhandelsexperte Jucker.

Stau

Einkaufstouristen strömen vor allem am Wochenende in die grenznahen Einkaufszentren und Läden. An Samstagen sind jeweils die Strassen in Städten wie Konstanz, Weil am Rhein oder Waldshut-Tiengen mit Autos verstopft. Die langen Wartezeiten im Auto dürften viele Schweizer nun abgeschreckt haben. «Wenn es am Wochenende überall Stau hat, muss man sich schon gut überlegen, ob sich das Einkaufen in Deutschland noch lohnt», sagt Experte Jucker.

Abgeschwächter Hype

Nach dem Ende des Euro-Mindestkurses entstand um das grenznahe Shoppen ein grosser Hype. Das Thema war in der Öffentlichkeit allgegenwärtig. Schweizer Schnäppchenjäger liessen sich davon anstecken. Unterdessen ist das Thema Einkaufstourismus nicht mehr so präsent und der Hype hat sich abgeschwächt. «Die Konsumenten werden nicht mehr so schnell auf die Idee gebracht, im Ausland einzukaufen», sagt Jucker.

Klimasünde

Das Umweltbewusstsein der Konsumenten wird grösser. Mal eben mit dem Auto zum Einkaufen ins Ausland zu fahren, passt da nicht richtig dazu. Zumal die Einsparungen teils nicht wirklich gross sind. «Wer zu zweit von Zürich aus ins deutsche Jestetten mit dem Auto fährt, muss für mindestens 260 Franken einkaufen, damit sich der Trip trotz höheren Fahrt- und Zeitkosten finanziell lohnt», sagt Jucker.

Warum die Leser nicht mehr so oft in Deutschland einkaufen, lesen Sie später auf 20 Minuten.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mrs. Moneypenny am 01.04.2019 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich nicht ganz

    Den meisten ist der Aufwand für die Verzollung wohl zu aufwändig. Glaub nicht, dass man das auf die Verzollung rückschliessen kann. Aussagekräftiger wären da die Kreditkartendaten.

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  • Sara am 01.04.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es geht bergab

    Nun der echte Grund: mit unseren hohen Fixkosten und seit 12 Jahren gleichbleibenden Lohn können wir uns nicht einmal dort mehr das shoppen leisten

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  • TheBlock86* am 01.04.2019 18:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lohnt sich immer noch!

    Lohnt sicher immer noch, als Schaffhauser allemal! Vor allem bei Non-Food Artikel. z.Bsp. in den Bereich TV, Multimedia, Möbel oder auch im kleineren bei Pflegeprodukten. Lebensmittel würde ich jetzt auch nicht in DE einkaufen, aber sonst schätze ich die grosse Auswahl und die günstigen Preise in DE

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leonie am 25.04.2019 09:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das überleben wir

    jetzt mal ehrlich... wir haben täglich hunderttausende von grenzgängern die nur arbeiten bei uns in der schweiz zu unseren löhnen! bringen ihre verpflegung auch noch mit und lassen keinen franken in der schweiz zurück! und dann ärgern die sich, dass der schweizer mal günsiger einkaufen will...? das wäre das eine, aber die unfreundlichkeit die einem in deutschland engegengebracht wird, tobt dann alles! für mich ganz klar, nein danke! aber dann bitte künftig auch keine täglichen grenzgänger mehr!! auf die können wir gerne verzichten...

  • Nicola Antonio Gallo am 03.04.2019 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    Kein schlechtes gewissen

    Also wenn ich für 200 einkaufe unf fast 30-40euro zurückbekomm ist praktisch jeder 5 einkauf geschenkt, und es macht ein mächtiger unterschied ob hier für 200.- einkauf oder in DE für 200 und benzin kosten sind praktisch nichts. Und die meisten firmen machen genau das gleiche ausland einkauf und hier für extreme margen widerverkaufen also habt kein schlechtes gewissen dabei.

    • fritzlu am 25.04.2019 06:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Nicola Antonio Gallo

      wo verdienst du dein Einkommen ?

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  • Kain Zensus am 02.04.2019 17:10 Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind die Kommentare?

    Heute Morgen über 1100 Kommentare, warum wurden vor allem die gelöschte die den Artikel mit Fakten widerlegen? Das wird immer schwummriger hier...

  • Borris am 02.04.2019 16:06 Report Diesen Beitrag melden

    Phase 3 läuft an

    Die Propagandakampagne gegen das Einkaufen im Ausland tritt jetzt wohl in die 3. Phase: Phase 1: Verrat an der Heimat, dass ihr im Ausland einkaufen geht, sogar Produkte, die aus dem Ausland kommen, müssen (teurer) in der Schweiz gekauft werden. Phase 2: Ihr seid als Kunden im Ausland unerwünscht, man hasst dort die Schweizer als Kunden. Phase 3: Es geht schon niemand mehr im Ausland einkaufen, weil das nur Nachteile hat. Du bist allein. Phase 4: Hmmm, bin gespannt, was man sich da noch alles einfallen lässt, um uns weiterhin ungestört mit Hochpreisen abzocken zu können.

    • 50+ am 03.04.2019 03:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Borris

      ich bin alleine und gebe 10 Milliarden aus, cool. Spass beiseite, es geht ja nur um die Anzahl abgestempelter Zettel, der Umsatz bleibt ja gleich, somit wird wohl immer noch gleich viel eingekauft, einfach in weniger verschiedenen Läden

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  • Phil Krill am 02.04.2019 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... Grenzgänger ...

    ... bei meinem ehemaligen Arbeitgeber am Flughafen Zürich waren auch viele Grenzgänger beschäftigt. Haben also in guter Währung verdient aber nicht einen Rappen davon in der Schweiz ausgegeben. Den Znüni und das Mittagessen immer mitgenommen. Haben aber auch vorbildlich Fahrgemeinschaft betrieben ...

    • Kann Ich Verstehen am 03.04.2019 09:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Phil Krill

      Und wenn Sie das könnten würden Sie es auch machen, Wetten.

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