Grillsaison

27. April 2018 11:21; Akt: 27.04.2018 11:48 Print

«Schweizer wollen kein deutsches Billigfleisch»

Warum ist Schweizer Fleisch so teuer? Wer verdient daran? Lohnt es sich, das Fleisch direkt beim Bauern zu kaufen? Ein Interview.

Grillfleisch ist in der Schweiz weltweit am teuersten. (Video: 20M mit Bildern von Keystone)
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Wer während der Grillsaison mächtig Würste und Steaks braten will, muss in der Schweiz viel Geld dafür hinlegen. Fleisch kostet hierzulande oft mehr als doppelt so viel wie in den umliegenden Ländern. Gerade in Italien, Deutschland und Frankreich sind etwa Schweinskoteletten wesentlich erschwinglicher als hierzulande, wie Daten der Catering-Plattform Caterwings zeigen:

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Was treibt die Fleischpreise in der Schweiz derart in die Höhe? Tilman Slembeck, Wirtschaftsprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft, gibt Auskunft.

Herr Slembeck, warum kostet Fleisch in der Schweiz so viel mehr als in den umliegenden Ländern?
Ein Grund dafür sind die Produktionsbedingungen in der Schweiz. So ist etwa das Futtermittel im Vergleich zum Ausland teurer. Zudem gibt es strengere Vorschriften zur Tierhaltung, die einerseits bessere Qualität sicherstellen, andererseits für das Wohl der Tiere sorgen sollen.

Wie wichtig ist die Qualität?
Für den Preisvergleich ist sie sehr wichtig. Schweizer Konsumenten sind sich besseres Fleisch gewöhnt, als in gewissen anderen Ländern angeboten wird. Gehen Sie mal nach Deutschland in einen Discounter. Da bekommen Sie sehr billiges Fleisch – eine so geringe Qualität können Sie bei uns fast nirgends kaufen. Die meisten Schweizer würden das Billigfleisch aber auch gar nicht wollen. Andererseits ist gutes deutsches Fleisch kaum billiger als bei uns.

Welche Rolle spielt der Schweizer Markt?
Er ist ein weiterer Grund für die hohen Fleischpreise. Der Schweizer Markt ist stark vom Ausland abgeschottet, sodass es wenig Konkurrenz von den Nachbarn gibt. Innerhalb der Schweiz gibt es gleichzeitig relativ wenig Wettbewerb. Die ganze Fleischindustrie und -vermarktung ist grösstenteils vertraglich geregelt.

Bauern beklagen sich darüber, dass Händler zu grosse Margen auf Fleisch haben.
Da ist was dran. Auch auf Grosshandelsstufe herrscht wenig Wettbewerb. Dadurch können die Detail- und Grosshändler hohe Margen abschöpfen, ohne sie den Bauern weiterzugeben. Das ist genau das gleiche Problem wie bei der Milch.

Woran liegt das?
Am kleinen Land. Schweizer Fleisch kommt nun mal nur aus der Schweiz. Der Konsument, der solches Fleisch will, hat somit ein beschränktes Angebot. Ein Grossteil des Fleischmarkts wird von wenigen grossen Detailhändlern dominiert – und unter denen herrscht einfach wenig Wettbewerb.

Würde es sich lohnen, das Fleisch direkt beim Bauern zu kaufen?
Die Bauern hätten auf jeden Fall etwas davon, da sie dann die Margen der Grossisten und Detaillisten selbst kassieren könnten. Preislich lohnt es sich allerdings nicht unbedingt, da es nicht im Interesse der Bauern wäre, die Marktpreise zu unterbieten und auf diese Weise mit den grossen Detaillisten zu konkurrieren. Direktkunden haben zudem oft eine höhere Zahlungsbereitschaft, weil sie eine hohe Qualität wollen.

(rkn/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike. am 27.04.2018 11:28 Report Diesen Beitrag melden

    Lohnt sich doch!

    Natürlich lohnt es sich auch für den Konsumenten, Fleisch direkt beim Bauern zu beziehen: Man kann so Bio-Qualität, vakuumiert und bereit zur Tiefkühlung zu einem Durchschnittpreis kriegen, zu dem Grossverteiler bloss Standardfleisch verkaufen!

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  • Fleischli am 27.04.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Tierhaltung?

    Ihr habt doch letztens ein Artikel rausgebracht und gezeigt, dass die Tierhaltung des normalen Schweizer Fleisches NICHT besser ist als im Ausland. Die einzigen mit der besseren Tierhaltung sind die BIO, Naturafarm, Terrasuisse usw Labels die teurer sind. Bitte besser erläutern.

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  • pater007 am 27.04.2018 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bessere Qualität

    Fleisch ist eines der wenigen Produkte, welches ich nur in der Schweiz kaufe. Sparen ist ok - aber nicht beim Fleisch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Miki Jac am 03.05.2018 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Halal

    Ich kaufe nur Halal in der Schweiz.Es ist gute Qualität aber es ist nicht billig.

    • Claude am 13.05.2018 19:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Miki Jac

      Es ist nicht schicklich sich in einem Gastland derart zu Äussern. Die Schweiz ist vorwiegend christlich und die christliche Kultur ist tief verankert. Wenn unser Kultur nicht genehm ist gibt es bestimmt noch andere Destinationen. Ich bin ein gläubiger, keinem Glauben angehörender Mensch. Würde ich mich so in einem muslimischen Land verhalten, würde ich ausgewiesen, wenn nicht noch schlimmer. Also bitte würdigt den Gast.

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  • Rudi Meyer am 03.05.2018 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Deutsches Fleisch ist Top

    Erstens heisst das nicht "grillieren" sondern Grillen und ich habe die Erfahrung gemacht, dass unser deutsches Fleisch viel besser ist als angebliches Schweizer Fleisch.

    • Tüpflischisser am 13.05.2018 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rudi Meyer

      ...Es heisst ja auch parken nicht parkieren in Deutschland wir sind aber in der Schweiz

    • R.Lüthi am 13.05.2018 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rudi Meyer

      Grillen sind in erster Linie Tiere... grillieren kommt der Sache wohl näher, sonst müsste es ja auch lacken, marken oder betonen heissen, statt lackieren, markieren oder betonieren. Aber zum Thema: Einen Unterschied zum Fleisch aus Deutschland habe ich noch nie festgestellt.

    • max62 am 14.05.2018 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tüpflischisser

      Egal wie es heisst, lernt es einfach.

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  • Grillfan am 30.04.2018 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gutes Fleisch hat nun mal seinen Preis!

    Eins ist klar: Billigfleisch kommt bei mir nicht auf den Grill. Ich brauche keine Fleischstücke, welche während des Grillvorgangs auf 50% des Volumens schrumpfen und danach nur noch eine zähe Pampe aus ausgeleierten Zellen sind. Das ganze Aufpimpzeugs das den Tieren gespritzt wird um mit möglichst wenig gesundem Futter viel Gewicht heranzuzüchten ist Mist und Betrug. Ich kaufe Fleich beim Metzger meines Vertrauens. In all den Jahren habe ich da nie minderwertiges Fleich bekommen. Die Discountware kann man rauchen aber nicht essen.

    • leontine am 02.05.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

      aufwachen

      Auch Fleisch der CH ist z. T. in Ungarn produziert, unter schlechten Bedingungen, zwar Zertifikat weil 1x im Jahr jemand nachschauen geht, der wegsieht.

    • Tüpflischisser am 13.05.2018 12:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Grillfan

      haha ich weiss auch in der Schweiz passiert das wenn ich 500gramm Braten will kaufe ich besser 1000gramm dann habe ich das gewünschte Resultat. Auch hier wird geduscht in der guten alten Schweiz.

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  • Thüringer am 29.04.2018 20:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Einkaufstourismus

    Viele beklagen die schweizer Hochpreisinsel im Vergleich zur Nachbarschaft, blenden aber aus dass sie auch eine Hochlohninsel ist und dass das miteinander zusammenhängt. Sie wollen die selben Preise wie hinter der Grenze aber den eigenen regionalen Lohnstandart behalten. In Basel, Bad Zurzach, Schaffhausen oder St. Margrethen denken leider viel zu viele so. Globalisierung? Nein danke! Und überhaupt frage ich mich aus dem Fleisch- und Wurstbundesland was diese billige Überschrift eigentlich soll?

    • Thüringer am 29.04.2018 20:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thüringer

      Nachtrag: Ich lebe hier, genieße es hier zu sein, also kaufe ich auch hier. Punkt!

    • Toni am 30.04.2018 12:34 Report Diesen Beitrag melden

      ein Ammenmärchen

      Auch wenn es ständig wiederholt wird, richtiger wird es nimmer mehr. Die Hochpreisinsel Schweiz exisistiert nicht weil die Löhne höher sind (macht vl. 2-3% des Endkundenpreises aus) sondern weil alle die hohe Kaufkraft abschöpfen. Das betrifft alle Waren, welche aus dem Ausland bezogen werden müssen auch nur um ein Produkt in der Schweiz herstellen zu können. Gerade im Agrarsektor gibt es nur wenige Mitspieler im Markt und diese nutzen ihre Marktmacht gnadenlos aus (Futtermittel, Saatgut, Chemie). Am Schluss kommen noch die Detailhändler mit ihren unverschämten Margen.

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  • kathrin am 29.04.2018 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Direkt vom Bauernhof

    Fleisch direkt vom Bauer. Da kann man sich selbs vergewissern, wie die Tiere gehalten werden.