3 Gründe

19. April 2019 13:07; Akt: 19.04.2019 17:50 Print

Darum kriegen Sie den Job trotz Qualifikation nicht

von V. Blank - Es klappt nicht mit der Traumstelle, obwohl alle Anforderungen erfüllt sind? Dann liegt es ziemlich sicher am Auftreten beim Bewerbungsgespräch.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Suche nach einem Job kann ganz schön zermürbend sein. Bevor es überhaupt zum Bewerbungsgespräch kommt, müssen sich Stellensuchende durch diverse Inserate durchkämpfen. Abgegriffene und ungenaue Formulierungen in Stellenausschreibungen sind oft verwirrend oder unverständlich für Stellensuchende. Was heisst es genau, wenn einem «zeitgemässe Arbeitsbedingungen» angeboten werden? Der HR-Experte Michel Ganouchi hat sich für 20 Minuten verbreitete Worthülsen in Stelleninseraten angeschaut und erklärt, was wirklich gemeint ist: «Teamfähigkeit ist der Klassiker unter den Floskeln. Das heisst, der passende Kandidat sollte sozialverträglich sein und mit Menschen sprechen und auch zuhören können. Das trifft doch auf jeden Job zu.» «Sie verstehen, was man Ihnen mitteilt. Schnell. Als ob schon jemals jemand mit langsamer Auffassungsgabe gesucht worden wäre.» «In einem dynamischen Umfeld zu arbeiten heisst: Es ist zuweilen chaotisch bei uns. Stellen Sie sich darauf ein.» «Bei diesem Job verdienen Sie für die gleiche Arbeit deutlich weniger, als Sie es in einer anderen Branche tun würden. Im vorliegenden Fall ist die Angabe berechtigt, weil sie aussagekräftig ist. NGOs zahlen in der Regel deutlich weniger als andere Arbeitgeber. Ansonsten gilt: Erwarten Sie nicht zu viel.» «Alle wollen etwas von Ihnen. Multitasking- und Priorisierungsfähigkeiten gehören zwingend dazu, um bei dieser Stelle erfolgreich zu sein.» «Alle wollen etwas von Ihnen. Multitasking- und Priorisierungsfähigkeiten gehören zwingend dazu, um bei dieser Stelle erfolgreich zu sein.» «Auch bei diesem Job arbeiten Sie viel. Auf die Uhr schauen ist nicht erwünscht.» «Wie bloss soll ich mir als Stellensuchender auf Grund der vagen Angaben vorstellen können, worum es sich dabei handelt? Bleiben wir realistisch. Traumjobs sind zum Träumen da.» «Hier liegt Tagträumen nicht drin. Abarbeiten ist angesagt. Und bitte nicht zu viel nachdenken!»

Zum Thema
Fehler gesehen?

Richtige Ausbildung? Check! Passende Berufserfahrung? Check! Auch die Einladung zum Jobinterview ist eingetrudelt. Nach dem Gespräch heisst es aber: Sorry, wir haben einen passenderen Kandidaten gefunden.

Umfrage
Job-Interviews ...

Das ist eines der frustrierendsten Szenarien bei der Stellensuche. Da bewirbt man sich auf die richtigen Stelle und erfüllt den langen Anforderungskatalog bis zum letzten Detail – und trotz entsprechender Qualifikation kassiert man nach dem Bewerbungsgespräch eine Absage. Oder noch schlimmer: Man hört überhaupt nichts mehr vom Wunscharbeitgeber.

Wo liegt der Fehler?

Die gute Nachricht: Immerhin hat man es bis zum Jobinterview geschafft. Die schlechte Nachricht: Ziemlich sicher geschah der Fehler bei diesem Teil des Bewerbungsprozesses. Hier sind drei mögliche Gründe, die qualifizierte Kandidaten aus dem Rennen werfen. Personalexperte Matthias Mölleney gibt Tipps, wie man es besser macht.

1. Sie sind qualifiziert, aber langweilig

via GIPHY


Das Szenario: Geht es nach Ihnen, lief das Bewerbungsgespräch reibungslos. Sie konnten alle Fragen tipptopp beantworten. Offensichtliche Fehler sind Ihnen nicht passiert. Sie verlassen das Interview mit dem Gefühl, einen soliden Eindruck hinterlassen zu haben.
Das Problem: Personalverantwortliche führen oft viele Interviews pro Tag. Wenn Sie langweilig sind, werden Sie nicht unter den vielen Kandidaten herausstechen – und den Job wohl nicht ergattern.
Die Lösung: In diesem Fall lag es vermutlich an der inneren Haltung des Bewerbers, sagt Mölleney. «Erzählen Sie etwas über sich, machen Sie sich unterscheidbar», rät der Experte. Man solle sich als Mensch mit Emotionen erkennbar machen und mit Persönlichkeit. «Gesucht sind individuelle Persönlichkeiten und nicht ein Einheitsbewerber.»

2. Sie sind qualifiziert, aber haben gepatzt

via GIPHY


Das Szenario: Es läuft wie in der Schule – man hat gelernt und gelernt und bei der Prüfung bringt man die Leistung nicht. So läuft es auch oft bei Bewerbungsgesprächen. Vor lauter Nervosität läuft es einfach nicht.
Das Problem: Wer über seine früheren Teamkollegen lästert, sendet das Signal: Ich bin kein guter Teamplayer. Wer die falschen Fragen stellt, hinterlässt den Eindruck: Ich habe mich nicht gut vorbereitet. Solche Signale schrecken Personalverantwortliche ab.
Die Lösung: «Schreiben Sie sich drei bis fünf Kernsätze auf, die Ihnen besonders wichtig sind und die Sie unbedingt rüberbringen wollen im Vorstellungsgespräch und lernen Sie diese Sätze auswendig», so Mölleney. Selbst wenn man nervös werde und es im Interview nicht so gut laufe – der Kanditat habe so die wichtigsten Botschaften parat. Das gebe Sicherheit.

3. Sie sind qualifiziert, aber wirken verzweifelt

via GIPHY


Das Szenario: Sie schwärmen in den höchsten Tönen von der Firma, die Sie einstellen soll. Sie sprechen von einem «Traumjob» und davon, dass Sie alles dafür tun würden, um die Stelle zu bekommen.
Das Problem: Ein solches Verhalten ist zu viel des Guten. Sie erwecken so den Eindruck, als würde Ihnen die Firma einen Gefallen tun müssen.
Die Lösung: Zu viel schwärmen und loben ist nicht glaubwürdig, sagt auch Personalexperte Mölleney. Besser sei ein ehrliches Signal am Anfang, das zeige: Ich freue mich wirklich sehr, dass Sie mich eingeladen haben. Empfehlenswert seien auch schlaue Fragen, die echtes Interesse am Unternehmen und an der Aufgabe signalisierten – aber: «Fragen zu stellen, die man durch Lesen der Website auch selber beantworten könnte, ist übrigens nicht sehr schlau», so Mölleney.

sentifi.com

20min_ch_app Sentifi Börseneinblicke aus den sozialen Medien

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Güscht am 19.04.2019 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ü50

    Einen wichtigen Punkt haben Sie vergessen: Trotz bester Qualifikation bekommen ü50 keinen Job mehr...

    einklappen einklappen
  • Dumby am 19.04.2019 13:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Chef erklärte mir einst ....

    Qualifizierte Fachkräfte sind zu teuer. Da nimmt man lieber billigere und wechselt die regelmäßig aus. Machte man mit Sklaven auch so..

    einklappen einklappen
  • Mr. Donkey am 19.04.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Experte

    "Man solle sich als Mensch mit Emotionen erkennbar machen, mit Persönlichkeit und sympathisch." Gutes Deutsch, Moll.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • traurig aber wahr am 23.04.2019 15:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die wahren Gründe sind viel banaler

    Wer vor dem Gespräch nicht duscht und Mundgeruch oder sogar eine Fahne hat, keine sauberen und angemessenen Kleider trägt, das Gegenüber von Anfang an Duzt und auch sonst die Manieren eines Piraten hat braucht sich über die Absage nicht wundern.. Als Personalvermittler muss man leider sehr vielen Kandidaten an diese Basics erinnern! Ist ein Bewerber am Gespräch einfach nur nervös oder schüchtern wird das bei einem erfahrenen Personaler meistens nicht zu einer Absage führen, sofern der Rest stimmt (und keine extrovertierte Persönlichkeit gesucht wird).

  • Jobsuchender am 23.04.2019 10:34 Report Diesen Beitrag melden

    es wird eng

    Tätigkeiten, die früher von Schlechtqualifizierten ausgeübt wurden, werden automatisiert bzw. roboterisiert. Dennoch strömen jedes Jahr Tausende in die Schweiz, von denen ein grosser Teil nicht mal lesen und schreiben kann, auch nicht in ihrer Sprache. Weitere Jobs, auch solche für Hochqualifizierte, werden ins Ausland ausgelagert, weil dort die Lohnkosten massiv tiefer sind. Dennoch strömen jedes Jahr Zehntausende in die Schweiz, weil die guten Arbeitsbedingungen locken. Kein Wunder, hat man auch als Gutqualifizierter keine Chance mehr, unabhängig davon, wie man sich am Jobinterview verhält.

  • Menschenkenner am 22.04.2019 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf Bauchgefühl hören

    Viele bei uns sind zufrieden mit unserem neuen CEO und denken er sei ein netter und guter Kerl. Aber ich weiss ganz genau was für ein Typ er ist und ihm das Wohl der Leute eigentlich egal ist, obwohl er so tut als ob... täusche mich selten in den Leuten und lag fast jedes Mal richtig. Genau so sollte man auch Firmen meiden, bei denen man ebenso ein mieses Bauchgefühl hat.

  • Beat W am 22.04.2019 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Werden nicht eingeladen

    Das ist nicht das Thema, denn als Ü50 bekommen sie schon gar nicht eine Einladung zum Bewerbungsgespräch.

    • 50+ am 23.04.2019 16:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Beat W

      und wenn doch, wird man danach aussortiert

    • 60plus am 23.04.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

      believe ... just do it

      @Beat W: Als Jobcoach widerspreche ich. 90 % der Über-50jährigen finden wieder einen Job, im Besonderen jene, die ebenso gut qualifiziert sind, wie die nachkommende Generation. Die Entwicklungen des Arbeitsmarktes haben viele unterschätzt, so wurde die "Laufbahn" zur "Sesselbahn". @50+ : Motivation tönt nicht nur anders, sie wirkt auch anders ... nämlich positiver auf den Stellenanbieter.

    • Das Märchen vom Fachkräftemangel am 23.04.2019 19:17 Report Diesen Beitrag melden

      @ 60plus

      Blödsinn, die Realität sieht anders aus, gesucht werden vorwiegend junge, ausländische billig Löhner.

    einklappen einklappen
  • Tobias am 22.04.2019 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitnehmerschwemme

    Wenn sich 30 auf einen Job bewerben, erhalten 29 eine Absage und sind frustriert. Dank Personenfreizügigkeit bewerben sich nun aber 200 auf den Job. Man rechne. Würden wirklich nur diejenigen in die Schweiz geholt (Fachkräfte), welche hier fehlen, wäre der Schweizer Arbeitsmarkt wesentlich entspannter. Und selbst Ü50er hätten noch eine Chance. Aber "die Wirtschaft" will halt eine Arbeitnehmerschwemme, sodass sie weniger Lohn bezahlen muss. Noch immer ist bspw. die Zuwanderung in die Gastro- und Baubranche am höchsten, obwohl dort die Arbeitslosenquoten auch am höchsten sind. Frechheit!

    • Monika am 22.04.2019 10:57 Report Diesen Beitrag melden

      Arbeitgeber haben es leicht

      Richtig. Wäre der Markt etwas entspannter, dürfte man im Bewerbungsgespräch auch langweilig oder verzweifelt wirken und sogar mal einen Patzer machen (vgl. Artikel). Sogar, wenn man nur 90 oder 110 % der Anforderungen erfüllt, hätte man eine Chance. Und die Arbeitgeber wären vermehrt gefordert, ihre Arbeitnehmer intern weiterzubilden. Heute wird einfach entlassen und jemand neues aus 500 Millionen eingestellt. Ein volkswirtschaftlicher Wahnsinn, welcher die Schweizer Sozialversicherungen, die Infrastruktur und die Kultur zerstört.

    • Urs am 22.04.2019 16:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tobias

      die Personenfreizügigkeit ist der kleinste Problemfaktor. Der viel grössere ist doch, dass wenn 10 Leute ein Team bilden und einer in den Ruhestand geht, dieser eine nicht mehr ersetzt, dafür die gesamte Arbeit auf nur noch neun verteilt wird. Und wenn einer von diesen neun sich dagegen stemmt, heisst es er sei nicht belastbar. Und schon sind wir bei einem 8er-Team. Deshalb haben auch immer mehr Schulabgänger ein Problem: es gibt keine Fluktuation. Darin liegt doch der Hund begraben.

    • Wachstumskritiker am 22.04.2019 17:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Urs

      Umso schlimmer, wenn die Personenfreizügigkeit die Einwohnerzahlen in die Höhe treibt, während die Kostensparer stets mehr Effizienz durch Stellenabbau und Digitalisierung fordern.

    • Tobias am 23.04.2019 11:01 Report Diesen Beitrag melden

      @ Urs

      Was du schilderst, passiert, ist aber wirklich nicht der Hauptfaktor. Die PFZ schenkt da deutlich mehr ein. Sicher gibt es noch Teams, in denen alle gleich qualifiziert sind und niemand spezialisiert, die Leute also austauschbar sind. Wenn für die gleiche Arbeit weniger Leute zur Verfügung stehen, dann steigen automatisch die Überstunden (oder die Produktivität, falls bisher gelauert wurde). Überstunden können, je nach vertraglicher Vereinbarung und Gesetzestreue des Arbeitgebers, teuer sein und damit auch nicht die beste Lösung für den Arbeitgeber.

    einklappen einklappen