Raumduft

19. Februar 2020 18:01; Akt: 19.02.2020 18:07 Print

Darum können Düfte in Shops Kunden vergraulen

von B. Scherer - Versicherungen, Detailhändler und Fluggesellschaften setzen auf Düfte. Sie sollen das Wohlbefinden der Kunden steigern. Doch das funktioniert nicht immer.

Bildstrecke im Grossformat »
Düfte beeinflussen die Stimmung und Emotionen von Menschen. Darum versprüht die Swisscom Düfte in ihren Filialen: Die Kunden sollen die Wartezeit als weniger lang empfinden. Allerdings würden Düfte subjektiv wahrgenommen und ihre Wirkung werde nicht immer bewusst erlebt. Das könne schnell zu Kritik führen, sagt Professor Claus Noppeney von der Berner Fachhochschule. Zudem können die Düfte für einige Kunden unangenehm sein oder sogar allergische Reaktionen hervorrufen. Deshalb rät Noppeney eher von künstlichen Düften in Filialen ab. Stattdessen könnten angenehme Gerüche mit saisonalen Blumen kreiert werden. Noch besser wäre es, den Duft mit einer Aktivität zu verbinden.«Die Kunden könnten beispielsweise vor Ort Orangensaft pressen oder Kaffee kochen. Damit hätten die Leute etwas zu tun und sorgen gleich selbst für angenehme Gerüche.» Die Swisscom hat offenbar keine Angst, dass der Duft Kunden stören könnte: Der Einsatz von Düften sei bei den Kunden bisher gut angekommen. Wie Swisscom-Sprecherin Annina Merk zu 20 Minuten sagt, soll der Duft dafür sorgen, dass die Kunden die Wartezeit als angenehmer empfinden und als weniger lang wahrnehmen. «Wenn sich Kunden wohlfühlen und damit mehr kaufen, so ist dies sicher ein positiver Nebeneffekt. Das steht aber nicht im Zentrum», sagt Merk. Die exakte Zusammensetzung des Dufts hält die Swisscom geheim. Er riecht laut Merk aber «etwas nach grünen Blättern, in der Herznote nach Iris und Feigen und in der Basisnote nach Sandelholz und weissem Moschus». Anfang Februar hat die Swisscom begonnen, erste Shops mit dem neuen Duft auszustatten. Bis Mitte Juli sollen dann alle Shops in der Schweiz den Duft versprühen. Erst vor einigen Wochen hatte bereits die Swiss einen eigenen Duft angekündigt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Damit sich Kunden die Wartezeit als weniger lang empfinden, versprüht die Swisscom ab sofort Düfte in ihren Filialen. Damit folgt die Telecomanbieterin einem Trend: Verschiedenste Branchen setzten bereits auf wohlriechende Düfte, damit sich Kunden wohler fühlen, so etwa die Swiss und die Versicherung Mobiliar.

Umfrage
Ein solcher Duft in den Läden ...

Bei den Kunden kommen die Düfte nicht immer gut an: «Je nach Duft bekomme ich einen Hustenanfall oder gar eine allergische Reaktion», sagt 20-Minuten-Leser Daniel. Leserin Sonja macht sogar einen Bogen um Parfümerien wegen des Dufts: «Ich bekomme von dem Geruch Kopfweh und mir wird schlecht.»

Düfte sind immer subjektiv

Tatsächlich können Düfte laut einem Experten sogar toxisch sein (siehe Interview unten). Laut Professor Claus Noppeney von der Berner Fachhochschule sorgen sich Kunden vor wohlriechenden Düften in Läden: Die Leute haben Angst davor, dass die Gerüche Allergien oder Unverträglichkeiten hervorrufen.

Auch werde den Firmen vorgeworfen, dass sie mit angenehmen Düften ihre Kunden unbewusst manipulieren wollten. «Ich rate den Unternehmen deshalb zu einer offenen Kommunikation», sagt Noppeney.

Unbestritten bleibt aber, dass Düfte die Stimmung und Emotionen von Menschen beeinflussen. «Auch das Zeiterleben wird durch Gerüche beeinflusst.» Allerdings würden Düfte subjektiv wahrgenommen: Das könne schnell zu Kritik führen, so Noppeney.

Die Swisscom hat offenbar keine Angst, dass der Duft Kunden stören könnte: Der Einsatz von Düften sei bei den Kunden bisher gut angekommen. Die Rückmeldungen seien positiv gewesen. Im Laden ist der Duft zwar wahrnehmbar, bei der Kreation sei aber stark darauf geachtet worden, einen dezenten Duft herzustellen, erklärt eine Sprecherin.

Neue Probleme wegen Düften

Den gleichen Geruch an verschiedene Standorten herzustellen, sei mit sehr grossem Aufwand verbunden und eine kaum lösbare Herausforderung. Schliesslich unterscheiden sich die räumlichen Bedingungen und die konkrete Situation vor Ort. «Parfümierte Kunden, eine hohe Besucherfrequenz und Temperaturschwankungen – das alles beeinflusst den Geruch in einem Raum», so Noppeney.

Deshalb rät Noppeney eher von künstlichen Düften in Filialen ab. «Das kreiert nur neue Probleme.» Stattdessen könnten angenehme Gerüche mit saisonalen Blumen kreiert werden. Noch besser wäre es, den Duft mit einer Aktivität zu verbinden.«Die Kunden könnten beispielsweise vor Ort Orangensaft pressen oder Kaffee kochen. Damit hätten die Leute etwas zu tun und sorgen gleich selbst für angenehme Gerüche.»

Dass es Zeit braucht, Düfte in der angemessenen Dosierung in verschiedenen Räumen zu verteilen, sieht auch die Swisscom: Es könne etwas Zeit brauchen, bis die Shops die passende Intensität gefunden hättdn. Dabei könne aber jede Filiale die Duftmenge individuell reduzieren, wenn dies gewünscht sei.


«Düfte könnten toxisch sein»

Luca Cirigliano, Zentralsekretär des Schweizer Gewerkschaftsbundes

Sind Düfte in Läden eine gute Idee?
«Nicht unbedingt, denn die versprühten Düfte könnten toxisch sein. Daher muss ein Unternehmen absolut sicher sein, dass die Gerüche harmlos sind – auch für Asthmatiker oder Babys. Zudem müssen sich die Mitarbeiter mit den Düften wohlfühlen.»

Und wenn den Mitarbeitern wegen Düften am Arbeitsplatz übel wird?
«Gesetzlich sind Arbeitgeber verpflichtet den Arbeitsplatz so zu gestalten, dass Arbeitnehmer nicht geschädigt werden oder ihnen unwohl wird. Deshalb müssen Düfte medizinisch getestet sein und garantiert werden, dass sie keine allergischen Reaktionen hervorrufen können.»

Und wenn die Düfte diese Auflagen erfüllen, aber es wird den Mitarbeitern trotzdem übel?
«Dann muss der Arbeitgeber sofort aufhören, den Duft zu versprühen. Handelt es sich um einen absoluten Einzelfall, könnte der Arbeitgeber dem Mitarbeiter auch einen anderen Arbeitsplatz anbieten. Gekündigt werden kann einem darum nicht.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • D. Spar am 19.02.2020 18:18 Report Diesen Beitrag melden

    Düfte sind auch teuer

    Die Swisscom würden besser mehr Personal einstellen um die Wartezeiten zu verkürzen.

  • Sonja, Therapeutin am 19.02.2020 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hört auf mit dem Mist

    Hört endlich auf mit dem Mist. Alle Allergiker werden es euch danken. Es gibt immer mehr Allergiegeplagte gerade auch wegen den ganzen Sprühattacken überall. Die Chemielobby freut es, denn die verdienen an den Düften und dann an den Allergikern.

    einklappen einklappen
  • Verkäuferin am 19.02.2020 18:22 Report Diesen Beitrag melden

    Überreizung

    Nicht nur Kunden vergraulen Düfte auch das Personal. Es reichen die verschiedenen Parfümdüfte der Kunden....da braucht es nicht noch mehr....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike ZH am 20.02.2020 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Online

    Ein Shop weniger den ich besuchen werde

  • Landru am 20.02.2020 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Parfum ist auch eklig!

    Wenn ich jeden am Morgen ins Tram steige wird mir spei übel wegen diesen Leuten, die sich mit Parfum zu baden scheinen. Es ist unerträglich! Auch diese die nach Schweiss stinken schon früh am Morgen sind eklig. Ein gepflegter Mensch braucht kein Parfum. Er muss sich nur richtig waschen!

  • Sami am 20.02.2020 15:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schlecht für mich

    Ich bin Autist. Für mich ist das ein grosses Problem. Schadeh dass Menschen mit Beeinträchtigungen durch Swisscom hier benachteiligt werden.

    • Runa am 20.02.2020 17:42 Report Diesen Beitrag melden

      @Sami

      ja, das finde ich auch. Ich bin kein Autist reagiere aber auch sehr sensible auf äussere Reize.

    einklappen einklappen
  • Landru am 20.02.2020 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht auch ohne!

    Ich persönlich habe festgestellt, dass Menschen die sich einparfürmieren und hoffen den ganzen Tag über hinwegzukommen mehr stinken als diese die gar kein Parfum verwenden. Ich habe dies bei eigenem Leibe festgestellt. Ich verwende seit Jahren kein Parfum mehr. Denn ich stinke nicht mehr! Wenn man sich pflegt braucht man kein Parfum. Der normale menschliche Körpergeruch ist nämlich nicht unangenehm. Jemand der arbeitet schwitzt. Da nützt auch das beste Parfüm nichts. Auch abgestandenes Parfum ist widerlich. Also lasst eure Drüsen atmen ohne diesem überdüngten Körper mit Parfum!

  • Heidi Klum am 20.02.2020 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Smells like...

    Smells like my v.a.g.i.n.a

    • HugSpug am 20.02.2020 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      @Heidi

      Iiii die von Heidi will kein Vernünftiger Mensch riechen, die ist abgestanden und versaut.... Wenn wir schon dabei sind, hör endlich mit deiner Sendung auf das ist nur Volksverdummung!

    einklappen einklappen